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12.06.2013

17:11 Uhr

Deiche weiter gefährdet

Elb-Hochwasser auf dem Höhepunkt

In den Hochwassergebieten steigen die Pegel derzeit nicht weiter an, der Scheitelpunkt ist offenbar erreicht. Dennoch bleiben viele Deiche massiv gefährdet. Die Kanzlerin will sich vor Ort ein Bild der Lage verschaffen.

Evakuierung in Wust: Das Dorf wird wegen der Flut geräumt. dpa

Evakuierung in Wust: Das Dorf wird wegen der Flut geräumt.

BerlinDas Elbe-Hochwasser hat vielerorts seinen Höhepunkt erreicht, doch die Gefahr von Deichbrüchen bleibt hoch. Unermüdlich waren tausende Helfer im Kampf gegen die Wassermassen im Einsatz. Bei ihrem Besuch in Lauenburg in Schleswig-Holstein sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Einsatzkräften und Freiwilligen am Mittwoch ihren Respekt aus. Sie bekräftigte die Hilfszusagen des Bundes. Dramatisch war die Lage weiter in Teilen Sachsen-Anhalts, dort mussten Menschen aus überspülten Orten gerettet werden. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stagnierten oder sanken die Pegelstände.

In Bayern gingen die Aufräumarbeiten und die Begutachtung der Schäden weiter, heftiger Regen ließ die Donau wieder anschwellen. Die Überschwemmungen richteten in Deutschland nach Schätzungen einen Milliardenschaden an.

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Kanzlerin Merkel sagte in Lauenburg: „Wir haben vereinbart, es gibt eine Soforthilfe.“ Zugleich begrüßte sie die Unterstützung von privater Seite: „Ich freue mich über jede Spendenaktion, das ist ein ganz wichtiges Zeichen.“ Die Deutsche Bischofskonferenz rief zu Spenden für die Hochwasser-Opfer in Europa auf.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach sich im Bayerischen Rundfunk für einen Nachtragshaushalt zur Bewältigung der Flut-Folgekosten und gegen Steuererhöhungen aus.

Bei einem Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer geht es am Donnerstag neben den Soforthilfen aus Berlin von 100 Millionen Euro auch um eine faire Lastenverteilung bei zusätzlichen Finanzspritzen.

Die Zahl der Toten in Folge des etwa zweiwöchigen Hochwassers in Deutschland stieg auf mindestens acht. Ein 61-Jähriger wollte in Aken in Sachsen-Anhalt seinen Keller auspumpen und erlitt in der Nacht zum Mittwoch einen tödlichen Stromschlag, wie die Polizei mitteilte.

Der Deichbruch in Fischbeck im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt) konnte noch nicht geschlossen werden. In Klietz, Wust und Neu-Kamern würden Evakuierungen unter anderem zwangsweise durchgesetzt, wie die örtliche Einsatzleitung mitteilte. Am Mittwoch waren in Sachsen-Anhalt 12 500 Helfer im Einsatz. Zugleich waren noch 40 000 Menschen aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen.

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