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27.06.2016

19:59 Uhr

Demo vor dem Gericht

Eklat bei Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink

Der Andrang in Berlin ist riesig, als Gina-Lisa Lohfink kommt. Drinnen werden Zeugen gehört, draußen wird demonstriert. Es geht um einen Strafbefehl, die Wahrheit und die Rechte von Frauen. Dann kommt es zum Eklat.

Modell und Reality-TV-Darstellerin Gina-Lisa Lohfink zeigt sich bei ihrer Ankunft vor Gericht gerührt. Reuters

Unterstützung und Jubel

Modell und Reality-TV-Darstellerin Gina-Lisa Lohfink zeigt sich bei ihrer Ankunft vor Gericht gerührt.

BerlinJubel brandet auf, als das Model Gina-Lisa Lohfink in einer Prozesspause auf die Straße tritt. Vor dem Kriminalgericht in Berlin-Moabit haben sich etwa 100 Unterstützer der 29-Jährigen versammelt und sitzen dort über Stunden auf der Straße. Der Verkehr muss umgeleitet werden. Mit brüchiger Stimme haucht Lohfink ihren Anhängern am Montag entgegen: „Ich bin überwältigt..., dass ihr mir so helft.“ Auf Transparenten steht: „Du bist nicht allein.“

Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin steht wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Sie hatte einem Fußballer sowie einem VIP-Manager Vergewaltigung vorgeworfen. Der Verdacht bestätigte sich bei ersten Ermittlungen nicht. Die beiden Männer bekamen aber einen Strafbefehl, weil sie einen Film vom Sex mit Lohfink verbreitet hatten.

Lohfink bekam wegen falscher Verdächtigung ebenfalls einen Strafbefehl – sie sollte 24.000 Euro zahlen. Weil sie den nicht akzeptierte, kam es nun zu einer öffentlichen Verhandlung. Es stand auch die Vermutung von Lohfink im Raum, dass ihr K.o.-Tropfen verabreicht worden seien.

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Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt und spaltet die Gemüter. Die einen sehen Lohfink als ein Opfer der Justiz sowie als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Andere sehen in dem Fall eine inszenierte Tränenshow. Die Beweisaufnahme kommt am Montag nicht wie geplant zu Ende.

Der erste Zeuge, der aufgerufen wird, ist der heute 28-jährige Fußballer, der damals in Wolfsburg spielte und Lohfink in einem Berliner Club kennenlernte. Der Sex sei einvernehmlich gewesen – an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2012. „Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will“, sagt der Sportler. „Das war schon eine engere Bindung zwischen uns.“ In der zweiten Nacht habe nach ihm auch der Manager Sex mit dem Model in dessen Wohnung gehabt. Der Strafbefehl des Managers ist noch nicht rechtskräftig, weil er wegen unbekannter Adresse bislang nicht zugestellt ist.

Vor dem Gerichtssaal sind schrille „Nein, nein, nein“-Rufe zu hören. Wachtmeister schleppen eine Femen-Anhängerin weg, die mit nacktem Oberkörper demonstriert. Im Gang vor dem Saal erklingt rhythmisches Klatschen, als das Model zur Toilette geht.

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