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25.08.2012

19:17 Uhr

Der ehemalige DDR-Chef in den Medien

Das Bildnis des Erich Honecker

VonPeter Mandrella

Zum 100. Geburtstag von Erich Honecker ist ein bizarrer Wettstreit entbrannt. Zwei Zeitungen überbieten sich bei der Veröffentlichung von Fotos des ehemaligen DDR-Staatschefs. Ein mehr als zweifelhafter Vorgang.

Bild von Erich Honecker: Bitte recht unfreundlich. dpa - picture alliance

Bild von Erich Honecker: Bitte recht unfreundlich.

DüsseldorfVor 20 Jahren verließ Erich Honecker das wiedervereinte Deutschland und folgte Ehefrau und Tochter nach Santiago de Chile, wo er am 29. Mai 1994 im Alter von 81 Jahren starb. Medial totzukriegen ist der ehemalige Staatschef der DDR jedoch nicht. Immer wieder tauchen Details aus seinem Leben auf, die von der Presse bereitwillig aufgegriffen und verbreitet werden, und seien diese noch so unbedeutend, etwa die Tatsache, dass er Dosenbier aus dem Westen trank und im vollausgestatteten Range Rover herumfuhr, während sich alle anderen mit ihren Ladas, Trabis und Wartburgs herumplagen mussten.

Der historische Wert solcher Informationen ist gering, immerhin entlarven sie auf anschauliche Weise das kaputte, betrügerische System, das sich selbst, und zum Hohn aller darin lebenden Bürger, „Volksdemokratie“ nannte.

Befremdlich – und äußerst fragwürdig – wird es, wenn sich die Presse rühmt, die meisten Fotos von Honecker veröffentlicht zu haben. So geschehen dieser Tage bei „Welt kompakt“ und der linken Tageszeitung „Junge Welt“, die sich einen bizarren Wettstreit lieferten. Am Freitag druckte das Springer-Erzeugnis 44 Bilder des SED-Parteichefs und knackte damit nach eigenen Angaben die Bestmarke des sozialistischen und linientreuen Blatts „Neues Deutschland“ aus dem Jahr 1987, das seinerzeit 43 Schnappschüsse in einer Ausgabe präsentierte.

Dem wollten die Kollegen aus dem linken Lager der „Jungen Welt“ offenbar in nichts nachstehen und veröffentlichten, „dem sozialistischen Wettbewerb verpflichtet“, wie es heißt, zum 100. Geburtstag von Honecker am heutigen Samstag genau 100 Fotos. Als „Bonusmaterial“ dokumentiert das Blatt, ehemaliges Zentralorgan der SED-Jugendorganisation FDJ, „zudem die politische Erklärung des DDR-Staats- und Regierungschefs vor dem Berliner Landgericht am 3. Dezember 1992 als erste Tageszeitung im Wortlaut“. Das Ganze erscheint auf einer Doppelseite – dieses Mal ohne Bild.

Die Zeitungsmacher aus Berlin gehen von einem Erfolg aus – und haben sogar kurzfristig die Auflage erhöht, die aktuell bei ca. 50.000 Lesern liegt. Außerdem soll es den „alten Erich“ demnächst wieder auf einer Briefmarke geben. Zum Anlass des 25. Gründungsjubiläums der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft hatte die DDR 1972 eine Briefmarke mit dem Konterfei Honeckers an der Seite des sowjetischen Staats- und Parteichefs Breschnew aufgelegt. Nun sind die Leser der Zeitung aufgerufen, eigene Marken zu kreieren und einen Brief an die „Junge Welt“ damit zu frankieren. Den ersten drei Einsendern winken Buchprämien in Höhe von 100 Euro.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

25.08.2012, 19:52 Uhr

Zitat:
...In Souvenirläden werden T-Shirts mit aufgedrucktem Hammer und Zirkel ver- und – das die zu vehementem Kopfschütteln führende Erkenntnis – auch gekauft. Besonders erschreckend: Auch über 20 Jahre nach dem Mauerfall, so eine Umfrage, stimmen fast die Hälfte der Befragten aus den neuen Ländern zu, die DDR habe mehr gute als schlechte Seiten gehabt. Wie kann das sein?

Wie das sein kann ?

Das kann sein, weil der Deutsche der geborene obrigkeitshörige und obrigkeitsgeile Esel ist, der seinen jeweiligen Diktator liebt, egal wer er ist und was er vertritt.

"So lange mer nischt gesacht kriegen, machen wir gor nischt !"

Honeckers Ziehtochter ist ja jetzt unsere geschätzte Kanzlerin, die Frau Germanistikprofessor Höhler für die kommende Diktatorin Absurdistans, Verzeihung Germanistans hält.

Wenn sie sich dikatorische Vollmachten aneignet, dann, fürchte ich, werden wir sie um so mehr lieben, unser starkes Mädchen mit der EUdSSR-Raute vorm Bauch ......

Steinweg

25.08.2012, 20:07 Uhr

Bei aller Haeme, die hier getraeufelt wird, der Mann hat wegen seiner Ueberzeugung in einem deutsche Zuchthaus lange sein muessen, zu Unrecht, hat seine Ueberzeugung gerettet. Im deutschen Bundestag sitzt niemand mit aehnlicher Vita.

Account gelöscht!

25.08.2012, 20:17 Uhr

@Don Sarkasmo

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