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24.02.2014

15:22 Uhr

Der Pistorius-Fall

Südafrika erwartet ein Prozess-Spektakel

Die Todesschüsse auf seine Freundin beendeten seine glanzvolle Karriere als Sportidol. Nun muss sich Oscar Pistorius vor Gericht verantworten. Südafrika steht nun vor dem Aufsehen erregendsten Prozess seiner Geschichte.

Der behinderte Sportstar Oscar Pistorius kämpft vor Gericht um seine Freiheit. dpa

Der behinderte Sportstar Oscar Pistorius kämpft vor Gericht um seine Freiheit.

Pretoria Oscar Pistorius hat das Jahr seit den tödlichen Schüssen auf seine Freundin in Freiheit verbringen dürfen. Eine Kaution machte das möglich. Er nutzte dies für manche Vergnügungen - selbst wenn er kürzlich betonte, wie schrecklich ihn „tiefe Trauer“ und „seelische Pein“ belasteten. Der behinderte Sportstar wurde an den Stränden Mosambiks und des Westkaps gesehen, zuweilen in Restaurants und Bars in Johannesburg, öfters auf dem Sportplatz. Die meiste Zeit verbrachte der 27-Jährige im Luxus-Domizil seines Onkels in Pretoria. Ab Montag (3.März) aber wird der „blade runner“ darum kämpfen müssen, dass er nicht für Jahrzehnte im Gefängnis landet.

In Pretoria beginnt ein spektakulärer Indizienprozess, der manche Parallelen zum Fall des Ex-Footballstars O.J. Simpson in Kalifornien hat. Die Ingredenzien sind ähnlich: Ein Sportidol unter schrecklichem Verdacht, viele belastende Indizien, ehrgeizige Staranwälte, Spin-Doktoren für eine extrem interessierte Öffentlichkeit und schließlich ein Prozess, der viele an TV-Realityshows oder Seifenopern erinnerte. Simpson wurde 1995 vom Vorwurf des Mordes an seiner Ex-Frau freigesprochen - bis heute glauben viele Amerikaner an ein Fehlurteil.

Südafrika steht nun vor dem Aufsehen erregendsten Prozess seiner Geschichte. Mehr als 300 Journalisten aus aller Welt haben sich zu dem Drama um den gefallenen Helden angemeldet. Mehrere TV- und Radiosender wollen den Prozess live übertragen. Der Kabelanbieter Multi-Choice möchte auf einem eigens geschaffenen Pistorius-Kanal ab dem 2. März rund um die Uhr über den Fall berichten. „Die Bühne ist bereitet für den Pistorius-Zirkus“, schrieb die „Times“.

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Im Mordfall des behinderten Sportstars Pistorius ist Beweismaterial bekannt geworden, das den Südafrikaner entlastet. Allerdings glaubt die Staatsanwalt, auch Belege für eine Mordtat zu haben.

Zunächst sind drei Sitzungswochen angesetzt, aber es ist fraglich, ob das angesichts von allein 107 Zeugen der Anklage reicht. Letztendlich wird alles vom Urteil einer Richterin abhängen. Geschworene kennt Südafrikas Rechtssystem nicht. Richterin Thokozile Masipa (66) muss wie in einem Thriller das verwirrende Geflecht von Aussagen, Beweisen, Indizien und Analysen entwirren und gewichten - nicht um den Täter zu finden, sondern um die Tat zu verstehen.

Für Pistorius spricht, dass er von Anfang an von einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände sprach. Spät in der Nacht habe er in seinem Haus Geräusche gehört und einen Eindringling vermutet. Im Kopf die traurige Realität Südafrikas mit seiner beängstigenden Gewaltkultur sei er in Panik geraten und habe durch die verschlossene Toilettentür geschossen. Die Polizei musste nach ersten Ermittlungen zugeben, keine klaren Beweise für einen Mord gefunden zu haben. Inzwischen scheint auch klar, dass Pistorius, wie von ihm behauptet, nur auf seinen Beinstümpfen zum Bad gestürmt ist - was bestätigen könnte, dass er wie behauptet in Panik war.

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