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12.03.2018

09:28 Uhr

Der Wirtschaftsbeschleuniger

Kann man Energie wenden?

VonVince Ebert

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien steigt auf ein Rekordhoch. Vince Ebert macht sich Gedanken, wie viel daran eigentlich „öko“ ist.

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Deutschland ist bekanntlich extrem umweltbewusst. Mein Nachbar z.B. heizt seine 180 Quadratmeter große Altbauwohnung seit neuestem mit Ökostrom. Also mit Strom, der ganz natürlich von einem Windrad erzeugt wird. Das schreddert zwar öfters mal einen Storch, aber davon kriegt mein Nachbar nichts mit, wenn der Strom aus der Steckdose kommt. Höchstens, wenn die Birne mal kurz flackert.

Bei genauerer Betrachtung sind erneuerbare Energien gar nicht so „öko“, wie wir uns das wünschen. Für Wasserkraftwerke werden Stauseen errichtet, die riesige Ökosysteme zerstören. Windfarmen greifen massiv in die Landschaft ein, und die Produktion von Biodiesel nimmt den Getreidebauern schlicht und einfach die Flächen weg. Wenn also mein Nachbar das nächste Mal seinen großen Geländewagen im Einklang mit der Natur volltankt, bekommt der Begriff „Essen auf Rädern“ eine vollkommen neue Bedeutung.

Selbst Solarenergie ist ökologisch und ökonomisch fragwürdig. Obwohl man sie inzwischen mit dreistelligen Milliardenbeträgen subventioniert hat, macht Photovoltaik nur knapp sechs Prozent des derzeitigen Energiemixes aus. Rein von der Ökobilanz wäre es wahrscheinlich effizienter, Langzeitarbeitslosen 100.000 Euro pro Jahr zu zahlen, damit sie ein, zwei Stündchen am Tag auf Ergometern für den deutschen Energiehaushalt strampeln.

Ob es uns gefällt oder nicht, Photovoltaik ist und bleibt die ineffizienteste Art der Energieerzeugung. Und mit den Hauptsätzen der Thermodynamik kann man nun mal nicht verhandeln. Wenn Sie ein mittleres Kohlekraftwerk durch Sonnenkollektoren ersetzen wollen, brauchen Sie dafür etwa die Fläche von ganz Düsseldorf. Zugegeben, der Kölner würde sagen: „Das ist es mir wert!“

Unser aller Wohlstand beruht darauf, dass seit Jahrhunderten ineffiziente Technologien durch effizientere ausgemerzt wurden. Nun geht man zum ersten Mal her und sagt: Ineffizientere Energien schaffen wettbewerbsfähigere Arbeitsplätze als effizientere. Das Zauberwort heißt „Erneuerbare–Energien-Gesetz“. Betreiber von regenerativen Energien werden subventioniert, indem sie für ihren unrentablen Strom mehr Geld bekommen, als seine Erzeugung gekostet hat.

Pferdemist war einmal Umweltproblem Nummer eins

Ein geniale Idee, die phantastische Möglichkeiten eröffnet. Stellen sie sich zwei Pfeiler von 60 Meter Höhe vor. An einem befindet sich ein Ventilator, der von einem Kohlekraftwerk angetrieben wird. An dem anderen befinden sich die Rotorblätter eines Windkraftrades, das Strom produziert, indem es von dem Ventilator angetrieben wird. Da der Windstrom dreimal so teuer verkauft werden kann, wie der Kohlestrom kostet, ist dieses Projekt ökonomisch sinnvoll. Es amortisiert sich innerhalb von zehn Jahren und wirft dann einen kräftigen Profit ab. Quasi ein Perpetuum Mobile der Ökonomie.

Vor allem wenn der Wind nachts ordentlich weht oder die Sonne vom Himmel knallt, nimmt das Ganze bizarre Formen an. Dann wird deutlich mehr Energie produziert, als benötigt wird. Die Preise stürzen ins Negative. An normalen Tagen wird der Strom für rund 37 Euro pro Megawattstunde gehandelt, doch alleine im letzten Jahr gab es 146 Stunden mit negativem Strompreis. Wer dann seinen Strom verkauft, muss den Abnehmern sogar noch Geld bezahlen. Gerüchten zufolge lassen Industriebetriebe ihre Maschinen auf Hochtoren laufen, ohne irgendetwas zu produzieren – einfach nur weil es lukrativ ist, Strom zu verbrauchen.

Als im Herbst letzten Jahres Sturm „Herwart“ über Deutschland tobte, rutschte der Strompreis bis auf -83 Euro/MWh. Erst als der Wind nach Stunden wieder nachließ, beruhigte sich auch der Preis. Und Strom kann man im Gegensatz zu Butter nicht vernichten. Wenn er da ist, ist er da und irgendjemand muss ihn verbrauchen. Und das tun dann liebend gerne unsere Nachbarländer. Die füllen mit dem Umsonst-Strom aus Deutschland ihre Stauseen und verkaufen uns den Strom zu hohen Preisen in Spitzenlastzeiten einfach wieder zurück.

Es gibt sicherlich viele Gründe, warum wir von fossilen Energieträgern wegkommen sollten. Und genau das werden wir in den nächsten Jahrzehnten auch tun. Allerdings ohne starre Regulierungen, finanzielle Anreize oder staatliche Zwangsprogramme. Wissen Sie, was vor 150 Jahren von den führenden Fachleuten der Welt als das größte Zukunftsproblem angesehen wurde? Der Pferdemist in den Großstädten. Halten Sie mich für verrückt, aber Pferdemist ist derzeit nicht unser größtes Problem. Möglicherweise werden unsere Urenkel ähnlich belustigt reagieren, wenn sie erfahren, dass wir uns Anfang des 21. Jahrhunderts Sorgen über unsere Erdölvorräte gemacht haben. Der Mensch ist innovativ und erfindungsreich. Die Steinzeit ist auch nicht zu Ende gegangen, weil es plötzlich keine Steine mehr gab.

Mehr Infos über den Wissenschaftskabarettisten und Bestsellerautor finden Sie unter www.vince-ebert.de.

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Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

12.03.2018, 10:02 Uhr

Ich bin erstaunt dass man einen derart kritischen Artikel zu "Erneuerbaren Energien" in den Qualitätsmedien findet.

Energie kann man weder "wenden", noch "erneuern" (1 HS Thermodynamik). Ich nehme an, dass man den Begriff "Erneuerbare Energien" gewählt hat um zu zeigen, dass man sich abseits der Limitationen von Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie zu bewegen gedenkt.

Windenergie, Solarenergie und Biomasse sind gewiss sehr ökologisch. Der Strom der Ersteren ist als Zufallsstrom in einem Netz in dem in jedem Augenblick Einspeisung und Verbrauch im Gleichgewicht sein müssen wertlos und damit umweltschädlich. Die Verbrennung von Lebensmitteln zur Stromerzeugung ist menschenfeindlich bzw. hat bereits viele Menschenleben gekostet.

Abseits ökologischer Visionen würde sich eine Stromversorgung basierend auf umweltfreundlichen Kernkraftwerken, Braunkohle/Steinkohle und etwas Erdgas (teuer, für Lastspitzen) anbieten.

Herr Heinz Keizer

12.03.2018, 10:19 Uhr

"Betreiber von regenerativen Energien werden subventioniert"

hautpsächlich belastet sind dann Rentner und Geringverdiener. Das nennt sich soziale Gerechtigkeit. Aber irgendwer muß ja das Abschalten der tsunamiegefährdeten AKW's zahlen. Schilda, pardon Berlin, lässt grüßen.

Herr Florian Fritzsche

12.03.2018, 11:16 Uhr

Naja, weder amüsant noch inhaltlich erleuchtend.
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