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16.02.2011

19:46 Uhr

Detlef S.

Teilgeständnis in Missbrauchsprozess

Überraschendes Geständnis im schweren Missbrauchsfall im Westerwald. Der Angeklagte Detlef S. räumte ein, seine Stieftochter missbraucht und zur Prostitution genötigt zu haben. Bislang hatte der Mann dies bestritten.

Die Sitzung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Quelle: dapd

Die Sitzung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

KoblenzIm Westerwälder Missbrauchsprozess hat es eine überraschende Wende gegeben: Der Angeklagte Detlef S. legte am Mittwochnachmittag ein Teilgeständnis ab, in dem er den Missbrauch seiner leiblichen Tochter Jasmin S. einräumt. Zuvor war die 18-Jährige in nicht öffentlicher Sitzung vernommen worden. Der 48-Jährige äußerte sich hingegen nicht zu den zuvor von seinem Stiefsohn erhobenen Anschuldigungen.

Beim Prozessauftakt am Dienstag hatte der Angeklagte den sexuellen Missbrauch und die weiteren Vorwürfe noch bestritten und lediglich eingeräumt, mit seiner Stieftochter acht Kinder gezeugt zu haben.

Vorgeworfen werden dem Mann insgesamt 350 Fälle von sexuellem Missbrauch seiner leiblichen Tochter und zwei seiner vier Stiefkinder. Allein 321 Fälle sollen die leibliche Tochter betreffen. Außerdem soll er diese und die Stieftochter in 35 Fällen zur Prostitution gezwungen haben. Alle drei Geschwister treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Winfried Hetger berichtete die 18-Jährige in ihrer Zeugenaussage, wie ihr Vater mit ihr als Zwölfjährige mit dem Auto in einen Wald gefahren sei und sie dort aufgefordert habe, sich auszuziehen. Auf ihre Frage, was er wolle, habe er gesagt, er wolle ihr "zeigen, wie es geht". Dann habe er sie vergewaltigt. Im Alter von 14 Jahren habe der Vater sie dann an zwei Bekannte verkauft, mit denen sie in einem Schuppen Sex haben musste.

An dieser Stelle ihrer Aussage brach die 18-Jährige nach Angaben des Richters unter Tränen zusammen. Daraufhin wurde Detlef S. aus dem Gerichtssaal verwiesen, bevor die Zeugin ihre Aussage fortsetzte.

Nach der Aussage zog sich der Verteidiger mit dem Angeklagten zu einer kurzen Beratung zurück. Danach erklärte der Anwalt, sein Mandant gebe alles zu, was seine Tochter gerade ausgesagt habe. Der Richter fasste die Aussage der Tochter in öffentlicher Sitzung zusammen und fragte den Angeklagten direkt, ob das so stimme. Er sagte Ja.

Zu den Anschuldigungen der 28-jährigen Zwillinge Natascha und Björn unter Ausschluss der Öffentlichkeit äußerte sich der Angeklagte nicht.

Der Anwalt des Stiefsohns, Bernd Lindlein, sagte, er rechne auch nicht damit, dass der Angeklagte in Bezug auf seinen Mandanten etwas einräumen werde. Es habe sich an diesem Verhandlungstag wieder gezeigt, dass der Mann völlig unberechenbar sei.

Der Stiefsohn hatte - wie der Richter zusammenfasste - berichtet, dass er bereits im Jahr 1987 von Detlef S. sexuell missbraucht worden sei. Auch habe dieser ihn des öfteren dazu gezwungen, unter der Dusche zu onanieren, und ihm dabei zugesehen.

Von den Gewalttätigkeiten des Vaters sei die ganze Familie betroffen gewesen, berichtete der 28-Jährige. Einmal habe er die Mutter bis zur Bewusstlosigkeit zusammenschlagen.

Mehrmals sei das Jugendamt eingeschaltet gewesen. Er und seine Geschwister hätten aber zu den Taten geschwiegen oder diese geleugnet. Als Begründung hierfür gab der Zeuge laut Richter an, der Stiefvater habe mit Prügeln gedroht. Auch als er im Jahr 2002 zu Hause ausgezogen sei, habe dieser gedroht, er würde ihn weiter verfolgen und ihm "das Leben zur Hölle machen".

Von

dapd

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