Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2009

14:12 Uhr

Deutschland

Ex-Terrorist Klar sagt Theater-Praktikum ab

Der Ex-Terrorist Christian Klar macht nun doch kein Praktikum als Bühnentechniker beim Berliner Ensemble. Das frühere RAF-Mitglied fürchtet offenbar wegen "sensationslüsterner Medien" Schwierigkeiten bei seinem Neustart in ein Leben in Freiheit.

Ex-Terrorist Christian Klar lebt an einem geheim gehaltenen Ort in Berlin. Foto: dpa dpa

Ex-Terrorist Christian Klar lebt an einem geheim gehaltenen Ort in Berlin. Foto: dpa

HB BERLIN. Für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist damit zunächst auch ein Politikum aus der Welt. Die Entscheidung von Theaterintendant Claus Peymann, dem inzwischen 56-jährigen früheren Terroristen einen unbezahlten Praktikumsplatz anzubieten, hatte öffentliche Debatten ausgelöst. Das Theater erhält jährlich gut zehn Millionen Euro Zuschüsse. Wowereits Sprecher Richard Meng sprach auf Anfrage von einer vernünftigen Entscheidung Klars.

Klar war am 19. Dezember nach 26 Jahren Haft wegen neunfachen Mordes als Mitglied der Rote Armee Fraktion aus einem Gefängnis in Baden-Württemberg entlassen worden. Seine Strafe wurde für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Während dieser Zeit muss er sich an Auflagen halten und sich zum Beispiel regelmäßig mit seinem Bewährungshelfer treffen.

Sein Anwalt Heinz-Jürgen Schneider hatte angekündigt, dass der Entlassene nach Berlin ziehen wird. Dort ist Klar inzwischen auch gemeldet. Seine Adresse wird aber geheim gehalten, zumal Klar laut Schneider die Öffentlichkeit meiden will.

Peymann hatte Klar das Angebot für ein Praktikum schon 2004 für die Zeit nach der Freilassung unterbreitet. Nun erklärte das Theater, Klar werde dies nicht wahrnehmen. Zur Begründung hieß es, Klar befürchte wegen der "sensationslüsternen Berichterstattung" einiger Medien und der "anhaltenden Belagerung des BE durch Paparazzi" Schaden für das Theater, Peymann und sich selbst.

"Das angestrebte Leben in Normalität nach 26-jähriger Haft scheint unter diesen Umständen nicht möglich", hieß es weiter. "Die in Lessings Theaterstück ,Nathan der Weise' postulierte Idee von Vergebung und Verzeihen bleibt offenbar ein Traum."

Die Zeitung "B.Z." hatte am Freitag ein Foto von Klar veröffentlicht, auf dem der 56-Jährige in Mütze und Winterkleidung vor dem Theater zu sehen ist. Dort soll er sich der Zeitung zufolge am Mittwochnachmittag eineinhalb Stunden mit Peymann unterhalten haben.

Um Klars Freilassung hatte es heftige Diskussionen gegeben, weil der frühere Terrorist keine Reue gezeigt und sich auch nicht von seinen Taten distanziert hatte. Auch zur Aufklärung der RAF-Verbrechen hatte er nicht beigetragen.

Im Beschluss des Oberlandesgerichts Stuttgart zur Haftentlassung vom 24. November heißt es jedoch, die Entscheidung habe sich nur danach gerichtet, ob von dem Ex-Terroristen weitere schwere Straftaten zu erwarten seien. Dafür gebe es jedoch "keine Anhaltspunkte". Das Gericht bescheinigte Klar "konstruktives Verhalten im Strafvollzug".

Klar galt als Kopf der zweiten Generation der RAF. Er wurde am 16. November 1982 festgenommen und saß seitdem im Gefängnis. 1992 wurde er zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Der gebürtige Freiburger war unter anderem des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer für schuldig befunden worden. Letztes RAF-Mitglied in Haft ist Birgit Hogefeld. Sie ist seit dem Anti-Terror-Einsatz von Bad Kleinen im Jahr 1993 im Gefängnis und kommt frühestens 2011 frei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×