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06.06.2011

15:47 Uhr

Deutschland und die Dürre

Härteste Trockenperiode seit 50 Jahren

Da helfen selbst Gewitter nichts: Eine historische Dürreperiode setzt Deutschland zu. Seit einem halben Jahrhundert war es im Frühjahr nicht mehr so trocken - und die Folgen sind teils dramatisch.

Staubtrockener Boden: Die Dürre bedroht auch die Ernte. Quelle: dpa

Staubtrockener Boden: Die Dürre bedroht auch die Ernte.

Der derzeitige Regen ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein: So extrem trocken war es seit 50 Jahren nicht mehr in Deutschland, wenn man die Monate März bis Mai vergleicht. Das sagte der Leiter des zum Deutschen Wetterdienst gehörenden Zentrums für Agrarmeteorologische Forschung (ZAMF), Franz-Josef Löpmeier, am Montag im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Niederschlagsmengen und Bodenfeuchte sind demnach extrem gering. Zugleich ist die Verdunstung extrem hoch, „auch das hat es seit 1960 nicht mehr gegeben“, sagte Löpmeier.

Extrem hat sich auch der Wetterwechsel in einigen Regionen abgespielt: Es goss wie aus Kübeln und binnen kurzem - teilweise in weniger als einer Stunde - fielen zuweilen die Regenmengen eines ganzen Monats. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kamen in Lennestadt nördlich von Siegen 83 Liter pro Quadratmeter und in Bonn-Roleber 68 Liter herunter. Auch in Bayern schüttete es örtlich regelrecht: in Roth südlich von Nürnberg 52 Liter Regen, in Röllbach (Landkreis Miltenberg) 62 Liter. In Miltenberg, Rohr in Mainfranken, Mülheim, Essen-Überruhr und Altenkamm in Oberbayern wurden zum Teil Hagelkörner bis zu drei Zentimeter Größe beobachtet. Im hessischen Alsfeld fielen zwischen 65 und 101 Liter pro Quadratmeter, sodass Straßenzüge an Venedig erinnerten, wie DWD-Sprecher Helmut Malewski sagte. Die Wetterexperten sprechen ab 25 Liter Niederschlag pro Stunde von Unwetter.

Gewitter und heftige Regenschauer haben in Nordrhein-Westfalen sogar ein Todesopfer gefordert. Eine 13-Jährige starb am Sonntagabend in Königswinter. Das Mädchen wurde von einer einstürzenden Gartenmauer begraben, teilte die Polizei mit. Obwohl Einsatzkräfte und Angehörige sie schnell bergen konnten, starb die Jugendliche noch am Unfallort. Die genauen Hintergründe des Unglücks waren unklar.

Die Gewitter vom Sonntag waren allerdings erst der Vorgeschmack: Noch bis Mittwoch brodelt die „Wetterküche“ in Deutschland heftig. Feuchte Luft vom Mittelmeer lässt die Unwettergefahr steigen. Die Schwüle wird mancherorts fast unerträglich. Am Montag galten für ganz Deutschland Unwetter-Vorwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Es sind derzeit keine geschlossenen Fronten, die Deutschland überqueren. Die Gewitter entstehen vielmehr lokal, denn es gibt kaum Wind: Die feucht-heiße Luft steigt hoch, das darin enthaltene Wasser kondensiert in der Höhe, es bilden sich Gewitterzellen.

Eine erhöhte Unwetter-Gefahr sahen die Wetterfrösche für den Niederrhein, das Sauerland und das Weserbergland. Erst am Mittwoch soll sich das Wetter allmählich wieder beruhigen.

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