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18.05.2017

13:15 Uhr

Die Anti-Exzess-Generation

Jugend setzt auf Smoothie statt Schnaps

Die Jugend von heute setzt auf Disziplin und Leistung - das sagt zumindest ein Forscher, der beim Konsumverhalten von Jugendlichen einen Wandel erkennt. Dieser mache sich unter anderem auch beim Alkoholkonsum bemerkbar.

Smoothies werden aus einer Vielzahl von gesunden Zutatet zubereitet. AP

Smoothies

Smoothies werden aus einer Vielzahl von gesunden Zutatet zubereitet.

BerlinAlkopops sind schon lange aus der Mode, und Komasaufen scheint mittlerweile verpönt: Nach neuen Erhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vergeht der Jugend die Lust auf Bier, Wein und Schnaps. Warum sich Jugendliche und junge Erwachsene in Zurückhaltung üben - eine Übersicht:

Trinkt die Jugend heute tatsächlich weniger Alkohol als vorherige Generationen?

Die Erkenntnisse der BZgA-Studie legen das zumindest nahe: Im vergangenen Jahr gaben 10 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, mindestens einmal pro Woche Alkohol zu trinken. Im Jahr 2004 waren es mit 21,2 Prozent noch mehr als doppelt so viele. „Zudem trinken Jugendliche später als jemals zuvor den ersten Schluck Alkohol - aktuell mit 14,9 Jahren“, erklärt BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss.

Auf Alkohol verzichten – aber warum?

1. Es spart Geld

Wer weniger oder gar nichts trinkt, der hat am Ende des Monats einen besseren Kontostand – und kann das gesparte Geld auf andere Weise investieren.

2. Die Haut wird besser

Alkohol wirkt sich negativ auf die Haut aus und sorgt für unansehnliche Fältchen und Augenringe.

3. Mehr Energie

Verkaterte Tage zerren auch auf lange Sicht an den Kräften und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Wer nüchtern bleibt, erreicht im Alltag mehr und kann beim Sport mehr leisten.

4. Selbstwertgefühl steigt

Wer sich bewusst entscheidet, vom Alkohol zu lassen, übernimmt Kontrolle in seinem Leben – und kann bewusst die Vorteile genießen.

5. Vorfreude auf ein Gläschen

Die alkoholfreie Phase muss nicht ewig andauern. Man darf sich ruhig auf das erste Glas Wein oder Bier nach der Abstinenz freuen.

6. Disziplin

Wichtig ist, dass man den Alkohol langsam nach einer Pause genießt – und es am besten auch bei einem Glas belässt!

Trinken Jugendliche auch weniger exzessiv?

Auch hier ist die Tendenz nach BZgA-Angaben eindeutig: Etwa jeder siebte Teenager (13,5 Prozent) gab in der Umfrage zu, sich im vorherigen Monat einmal in einen Rausch getrunken zu haben. 2004 sagte das noch fast ein Viertel (22,6 Prozent).

Wie lässt sich diese Entwicklung erklären?

„Dieser Trend kommt nicht aus dem Nichts, er ist auch das Ergebnis guter Aufklärungsarbeit“, erklärt die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CDU). So sei etwa die Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit“ erfolgreich, weil sie Gleichaltrige ohne erhobenen Zeigefinger Wissen über die Wirkung von Alkohol vermittele.

Ist Aufklärungsarbeit wirklich der einzige Grund?

„Vielleicht sind es tatsächlich Präventivmaßnahmen, die wirken“, sagt Erziehungswissenschaftler John Litau. Aber auch gesellschaftliche Wahrnehmung könne eine Rolle spielen. „Der Trend zu weniger Alkohol unter Jugendlichen besteht seit Jahrzehnten.“

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Gibt es nicht noch andere Erklärungsansätze?

Jugendliche griffen nicht mehr unbedingt mit der Absicht zur Flasche, einen komatösen Betrunkenheitszustand zu erreichen, sagt Litau. Stattdessen gehe es ihnen um einen „kontrollierten Kontrollverlust“. Der Rausch sei zwar immer noch das Ziel, aber nur in einem Maße ohne größere negative Folgen - einen Krankenhausaufenthalt etwa. Auch Bedenken wegen sozialer Auswirkungen im Freundeskreis oder der Familie spielten eine Rolle. Es gehe den Jugendlichen darum, einen Umgang mit Alkohol zu erlernen, der gesellschaftlich akzeptiert wird.

Smoothie statt Schnaps - spielen gesellschaftliche Trends eine Rolle?

„Das Ausschweifende ist nicht mehr cool, es geht zunehmend um Leistung“, sagt Jugendforscher Philipp Ikrath. Er sieht den Rückgang als Teil eines Mentalitätswandels: Die Slacker-Figur (auf Deutsch etwa: Faulenzer), die sich antriebslos hängen lässt, habe ausgedient. Disziplin, Leistungs- und Durchsetzungsfähigkeit rücke in den Fokus der Jugend. Sie verzichte auf körperschädigende Substanzen und setze auf Gesundheits- und Sporttrends. Die passenden Bilder dazu liefere etwa Instagram. „Man kann von einer Anti-Exzess-Generation sprechen“, sagt Ikrath.

Dann greifen nicht nur die ganz Jungen seltener zur Flasche?

Auch die 18- bis 25-Jährigen trinken nach BZgA-Angaben weniger häufig Alkohol: Knapp ein Drittel (30,7 Prozent) trinkt regelmäßig, 2004 war es fast die Hälfte (43,6 Prozent). Erhebungen belegen zudem auf lange Sicht einen Rückgang des Pro-Kopf-Konsums in Deutschland. Im Schnitt trank in den Jahren 2015 und 2014 jeder Bürger jeweils 9,6 Liter reinen Alkohol. Im Jahr 2000 waren es 10,5 Liter, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) unter Berufung auf den Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) schreibt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Chris Woodley

18.05.2017, 13:42 Uhr

@ Hoffman Marc ... bitte deinen Senf dazu ... DANKE

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