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20.07.2015

15:38 Uhr

Die Geschichte der Windsors

Hitlergruß-Film wirft Fragen auf

Die Hitlergruß-Filmsequenz der kindlichen Königin Elizabeth II. sorgt für Aufregung. Eine Historikerin deutet den Ausschnitt als Hinweis, wie rechts die königliche Familie vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stand.

Auf der Titelseite der britischen „Sun“ ist ein Screenshot eines 17 Sekunden langen Schwarz-Weiß-Filmchen aus den 30er Jahren zu sehen, auf dem die kleine Prinzessin Elizabeth mit ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII., ihrer Mutter und ihrer Schwester in einem Garten die Hand zum Hitlergruß streckt. dpa

„Sun“ veröffentlicht Video mit Queen als Kind bei Hitlergruß

Auf der Titelseite der britischen „Sun“ ist ein Screenshot eines 17 Sekunden langen Schwarz-Weiß-Filmchen aus den 30er Jahren zu sehen, auf dem die kleine Prinzessin Elizabeth mit ihrem Onkel, dem späteren König Edward VIII., ihrer Mutter und ihrer Schwester in einem Garten die Hand zum Hitlergruß streckt.

London, Cambridge Als Hitler in Deutschland an die Macht kam, hieß Queen Elizabeth II. (89) noch Lilibet und war sechs Jahre alt. Als junge Frau trat sie in die Frauenabteilung der britischen Armee ein, die im Zweiten Weltkrieg gegen Hitler kämpfte. Den Sieg über die Nazis feierte sie ausgelassen und unerkannt mit Tausenden Londonern. Ein Video, das sie in den 30ern als kleines Mädchen spielerisch mit erhobenem rechten Arm zeigt, wirft vermutlich kein schlechtes Licht auf die Königin, die erst im Juni tief bewegt das frühere Konzentrationslager Bergen-Belsen besucht hat. Fragen muss sich das Königshaus trotzdem stellen.

Denn in dem nur 17 Sekunden langen, körnigen Schwarz-Weiß-Film, den die britische Boulevardzeitung „Sun“ veröffentlicht hat, ist auch der spätere König Edward VIII. zu sehen. Der Onkel Elizabeths hat nicht nur eine der schwersten Krisen der britischen Monarchie der jüngeren Zeit ausgelöst, als er im Dezember 1936 nach nur 325 Tagen den Thron freiwillig aufgab, um eine geschiedene Amerikanerin zu ehelichen. Edward (1894-1972) sympathisierte auch offen mit den Nationalsozialisten, wie Historiker seit langem sagen.

So viel kosten die Royals: die Budgets der Königshäuser

Platz 8

Marie und Prinz Hans-Adam, Liechtenstein: Keine direkten Subventionen vom Staat.

Platz 7

König Juan Carlos und Kronprinz Felipe, Spanien: 8,2 Millionen Euro (0,18 Euro/Kopf).

Platz 6

Königin Margrethe, Dänemark: 13,2 Millionen Euro (2,36 Euro/Kopf).

Platz 5

Königin Mathilde und König Philippe, Belgien: 13,9 Millionen Euro (1,25 Euro/Kopf).

Platz 4

Königin Silvia und König Carl XVI. Gustaf, Schweden: 14 Millionen Euro (1,47 Euro/Kopf).

Platz 3

König Willem-Alexander, Niederlande: 38,1 Millionen Euro (2,27 Euro/Kopf).

Platz 2

König Harald V., Norwegen: 42,7 Millionen Euro (8,54 Euro/Kopf).

Platz 1

Queen Elizabeth II., Vereinigtes Königreich: 44,4 Millionen Euro (0,70 Euro/Kopf).

„Bis heute wissen wir wenig über die politischen Ansichten der königlichen Familie in den 1930ern“, sagt die Historikerin Karina Urbach, die die „Sun“ vor der Veröffentlichung befragt hat. Bekannt sei, dass Edward sich für Faschismus interessiert und 1933 gesagt habe, England brauche diesen auch, da sich nur so der Kommunismus bekämpfen ließe.

Dass es der Gruß der Nazis ist, den die Royals in dem Video zeigen - neben Edward und Elizabeth sind auch die Queen Mum und die kleine Schwester Elizabeths, Prinzessin Margaret, zu sehen - bezweifelte in Großbritannien kaum jemand. Zum Riesen-Aufreger taugt das Video trotzdem nicht. Dass die Queen selbst über jeden Nazi-Verdacht erhaben ist, ist Konsens.

Die Sache mit ihrem Onkel ist allerdings historisch noch nicht aufgearbeitet. Urbach hat gerade ein Buch über das Verhältnis des Adels zu Hitler veröffentlicht. In spanischen und russischen Archiven hat sie nach eigenen Angaben Beweise dafür gefunden, dass Edward 1940 über eine mögliche Allianz der Briten mit Hitler gesprochen habe. Drei Jahre zuvor hatte er mit seiner Frau den Diktator besucht.

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