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06.05.2014

09:23 Uhr

Die Paris Hilton aus Südafrika

Reich, extravagant und schwarz

VonWolfgang Drechsler

Minirock, Stöckelschuhe und Skandale: Khanyi Mbau zeigt Luxus ohne Reue – und polarisiert damit Südafrika. Der Streit um den Glamour-Star offenbart vor den Parlamentswahlen einen tiefen Riss in der Gesellschaft.

Khanyi Mbau – hier 2011 – wird zum berüchtigten Vorbild vieler junger Südafrikanerinnen. Imago

Khanyi Mbau – hier 2011 – wird zum berüchtigten Vorbild vieler junger Südafrikanerinnen.

KapstadtAuch Südafrika hat seine Paris Hilton. Am Kap heißt die junge Dame mit dem Hang zu teuren Autos, Glamourpartys und reichen Männern Khanyi Mbau. Der Boulevard liebt die 27-Jährige für ihre Auftritte in kurzen Miniröcken und gefährlich hohen Stöckelschuhen – und natürlich ihre saftigen Skandale.

Khanyi Mbau ist die Art Frau, vor der Eltern ihre Sprösslinge warnen: ein schwarzer Emporkömmling, abschätzig Bimbo genannt, der weniger durch harte Arbeit als eine sexy Garderobe glänzt und dennoch mit seinem frechen Auftreten für viele schwarze Aufsteiger zu einer Art Vorbild geworden ist.

Ablesen lässt sich das an der hohen Zustimmung für Mbau nach einem Fernsehinterview. Ganz offen hatte sie darin damit kokettiert, sich als Schwarze nicht im Geringsten für ihren luxuriösen Lebensstil zu schämen. Auf die Frage nach möglichen Gewissensbissen ließ sie wissen, wenig Mitleid gegenüber Schwarzen zu empfinden, die sich kein Brot leisten könnten.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

Im Gegenteil: Sie liebe ihre Croissants – am besten mit einer Extralage Blue Cheese oben drauf. Zu ihrer Vorliebe für schwarze wie weiße Sugar Daddys schrieb sie einmal auf ihrer Facebook-Seite: „Was ist schlimm daran, mit solchen Leute auszugehen? Zumindest kann ich teure Klamotten tragen und wilde Partys besuchen und, na ja, ihr wisst schon…“

In Südafrika sind Khanyi Mbau und ihre Generation der unter 30-Jährigen auch als die „born-free“, die Schwarzen, die nach der Apartheid, also in Freiheit geboren wurden, bekannt und politisch umworben. Sie alle wurden um 1990 geboren, als das weltweit geächtete System der Rassentrennung in seinen letzten Zügen lag.

Den eigentlichen Todesstoß markiert der 27. April 1994 als Schwarz und Weiß zum ersten Mal in der südafrikanischen Geschichte gemeinsam an die Wahlurnen gingen. Wer zehn Jahre davor aufwuchs, hat noch die Apartheid und ihr System der Rassentrennung miterlebt.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

06.05.2014, 09:43 Uhr

sehr interessant, in China ist übrigens ein Radl umgefallen.....

Die Frau ist halt ein Spiegelbild unserer verkorksen Welt.

Account gelöscht!

06.05.2014, 09:45 Uhr

ich frage mich weshalb wir in Europa glauben diese Entwicklung kritisieren zu dürfen. Hier sieht es doch nicht anders aus. Die Politik und einige Priviligierte bekommen den Hals nicht voll, die Mittelschicht wird immer "kleiner" und die Armen mehr und ärmer.

Account gelöscht!

06.05.2014, 09:54 Uhr

Da hab ich doch glatt gedacht, ich wäre aus versehen bei der BILD gelandet. Clooney, die schwarze Paris Hilton.

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