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30.12.2011

14:23 Uhr

Doppelgänger

Sie nennen ihn Kim Jong Il

TV-Auftritte, Filmrollen und die alltägliche Verwechslung mit dem echten Kim Jong Il prägten über Jahre das Leben von Kim Young Sik. Der Diktator-Doppelgänger fühlt sich nach dem Tod seines optischen Vorbildes leer.

Der Südkoreaner Kim Young Sik als Kim Jong Il. AFP

Der Südkoreaner Kim Young Sik als Kim Jong Il.

SeoulMit dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il geht ein Lebensabschnitt für dessen inoffiziellen Doppelgänger zu Ende. «Ich fühle mich leer, als ob ein Teil von mir gestorben wäre», sagte der Südkoreaner Kim Young Sik der Nachrichtenagentur AFP. Seit mehr als zehn Jahren schlüpfte der 61-jährige Mann aus der Nähe von Seoul regelmäßig in die Rolle Kim Jong Ils. Sein Leben als Doppelgänger einer gefürchteten Persönlichkeit war indes manchmal hart.

Beleidigt hätten sie ihn auf der Straße, und «Diktator» sei er genannt worden, erzählte er. Aber wer ihn kannte, habe «Kim Jong Il» gerufen und gewunken. «Dann habe ich zurückgewunken und einige von Kims Bewegungen vorgeführt.» Vier Anzüge und fünf Paar Schuhe im Stil der Modelle, die Kim Jong Il in der Öffentlichkeit trug, besitzt Kim Young Sik. Früher habe er sie fast jeden Tag getragen. «Es ist schade, ich werde sie nicht mehr anziehen können», sagte er. Gerne würde er in Zukunft weiter als Kim Jong Il auftreten, aber seiner Auffassung nach sei es an der Zeit für eine neue Generation von Doppelgängern. «Sie werden jemanden für die Rolle Kim Jong Uns finden», sagte Young Sik.

In den vergangenen Jahren trat Kim Young Sik aufgrund seiner Ähnlichkeit zum nordkoreanischen Machthaber in zahlreichen Fernsehsendungen auf und spielte in Filmen mit. Die Ähnlichkeit entdeckte er nach eigenen Angaben eher zufällig. «Eines Tages kam ich aus der Dusche und mein Haar war sehr wellig. Da sagten die Leute zu mir, ich sähe aus wie Kim Jong Il», erinnerte er sich. Für seine Karriere als inoffizieller Doppelgänger musste er dieses Aussehen gut pflegen und ging alle drei Monate zum Friseur. Den echten Kim Jong Il lernte er indes nie kennen, und auch nach Nordkorea konnte er niemals reisen - die Behörden des Nachbarlandes wollten ihm kein Visum ausstellen.

Von

afp

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