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08.08.2011

19:04 Uhr

Doppelmord

Berlin sorgt sich um erneuten Ehrenmord

Der Doppelmord vom Donnerstag hält Berlin weiter in Atem. In der Hauptstadt wird befürchtet, es könne sich um einen erneuten Ehrenmord handeln. Dieser Verdacht ist aber bislang nicht bestätigt.

Eine Schusswaffe. Quelle: dpa

Eine Schusswaffe.

BerlinDer mutmaßliche Doppelmörder ist gefasst, doch viele Fragen bleiben offen. Nach der Festnahme des 25-Jährigen, der in Berlin auf der Straße zwei Frauen erschossen haben soll, liegen die Hintergründe noch im Dunkeln. Unmittelbar nach der Tat am vergangenen Donnerstag waren Sorgen über einen weiteren „Ehrenmord“ in Berlin laut geworden. Vor sechs Jahren war die junge Türkin Hatun Sürücü von einem ihrer Brüder erschossen worden. Sie hatte sich nach einer Zwangsheirat von ihrem Mann getrennt.

Der Schütze zielte in dem von Einwanderern geprägten Stadtteil Gesundbrunnen auf einen blauen Mitsubishi, feuerte mehrere Schüsse aus einer Pistole ab. Die Ex-Frau des Verdächtigen und ein Begleiter wurden nicht getroffen. Die Mutter (45) der Frau aber starb sofort, eine Schwester (22) wenig später im Krankenhaus. Ein Bruder (27) liegt mit schweren Kopfverletzungen in der Klinik.

Am Montagabend erließ ein Ermittlungsrichter einen Haftbefehl. Der 25-Jährige räumte die Schüsse in einer Polizei-Vernehmung auch ein. Allerdings habe er zum Motiv nur unklare Angaben gemacht, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nach bisherigen Erkenntnissen lässt sich der Verdacht des „Ehrenmords“ nicht belegen. „Alles deutet hier auf eine Beziehungstat hin“, sagt Birte Rohles von der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in Berlin. Beim „Ehrenmord“ beschlössen Familienmitglieder die Bestrafung eines Angehörigen, so solle die Ehre der Familie geschützt werden. Täter sei meist der jüngste Bruder, vor allem wenn er noch nicht strafmündig sei.

Bei einer Beziehungstat, die oft auch verkürzt als „häusliche Gewalt“ beschrieben werde, laufe die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Liebespartnern ab. In mehr als 90 Prozent der Fälle seien Männer die Täter. Mit oder ohne Migrationshintergrund - statistisch sind laut Rohles alle gesellschaftlichen Gruppen gleich betroffen.

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