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20.06.2017

08:34 Uhr

Drama am Everest

Sherpas retten gestrandete Kletterer

Triumph und Tragödie liegen am Mount Everest oft nur knapp nebeneinander. Ein Bergsteiger aus Pakistan und sein Sherpa hätten ihren Gipfeltraum fast mit dem Leben bezahlt. Ihre Rettung verdanken sie dem Mut mehrerer Sherpas.

KathmanduAbdul Jabbar Bhatti und Dawa Sange Sherpa können wieder lächeln, wenn auch unter Schmerzen. Der 60-jährige Bergsteiger aus Pakistan und sein junger nepalesischer Sherpa haben am Mount Everest Erfrierungen erlitten. Ihre Finger sind schwarz und verkrümmt. Der 20-jährige Dawa Sange wird vermutlich alle verlieren.

Doch dass die beiden Kletterer überhaupt noch am Leben sind, gleicht einem Wunder. Bhatti und Dawa Sange hatten Ende Mai den höchsten Berg der Welt erklommen. Für beide war es das erste Mal auf dem 8848 Meter hohen Gipfel. Doch beim Abstieg, etwa hundert Meter unter dem Gipfel, ging ihnen der Sauerstoff aus. In dieser Höhenlage ist der Sauerstoffgehalt der Luft nur ein Drittel so hoch wie auf Meereshöhe. Bergsteiger müssen zusätzliche Sauerstoffkanister mitnehmen.

Die erschöpften Kletterer konnten nicht mehr und verbrachten die Nacht in der sogenannten Todeszone. Jeder Atemzug ist in dieser Höhe schwierig, die Temperaturen fallen auf 40 Grad unter Null.

Rekorde rund um den Mount Everest

Erste Menschen auf dem Everest

Edmund Hillary und Tenzing Norgay stehen 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest.

Erste Frau

Am 16. Mai 1975 erreicht die Japanerin Junko Tabei als erste Frau das Dach der Welt.

Ohne zusätzlichen Sauerstoff

Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen den Berg am 8. Mai 1978 ohne künstlichen Sauerstoff.

Winterbesteigung

Die erste erfolgreiche Besteigung im Winter gelingt den Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy am17. Februar 1980.

Solobesteigung

Am 20. August 1980 klettert Reinhold Messner alleine und ohne künstlichen Sauerstoff auf den Gipfel.

Paraglide-Flug

Der Franzose Jean Marc Boivin fliegt nach seinem erfolgreichen Gipfelsturm mit einem Paraglieder vom Berg.

Längster Gipfelaufenthalt

Babu Chiri Sherpa aus Nepal verbringt am 6. Mai 1999 21 Stunden auf dem Gipfel.

Die schnellste Besteigung

Lhakpa Gelu Sherpa aus Nepal gelingt am 26. Mai 2003 der Aufstieg von Süden her in zehn Stunden und 56 Minuten. Von Norden aus stellt der Südtiroler Hans Kammerlander am 24. Mai 1996 den Rekord von 16 Stunden und 45 Minuten auf.

Erste Abfahrt auf Skiern

Davo Karnicar aus Slowenien fährt am 7.Oktober 2000 in fünf Stunden vom Gipfel zum Basecamp ohne die Skier abzuschnallen.

Erste Abfahrt auf einem Snowboard

Der Franzose Marco Siffredi fährt am 23.Mai 2001 mit dem Snowboard vom Gipfel.

Der erste Blinde auf dem Gipfel

Ohne Augenlicht schafft es als erster Erik Weihenmayer aus den USA am 25.Mai 2001 auf den Berg.

Die meisten Besteigungen

Apa Sherpa stand insgesamt 21 Mal auf dem Dach der Welt.

Jüngster Mensch auf dem Everest

Der jüngste Besteiger ist bislang der US-Amerikaner Jordan Romero, der 2010 im Alter von 13 Jahren den Gipfel erreichte.

Ältester Mensch auf dem Everest

Am 23. Mai 2013 erreicht mit dem 80-jährigen Japaner Yuichiro Miura der bislang älteste Mensch auf dem Gipfel.

Bhatti und der Sherpa erzählen, wie sie andere Bergsteiger um Sauerstoff baten, damit sie das Lager 4 auf 7900 Meter erreichen könnten. Doch niemand kam ihnen zu Hilfe. Jeder Kletterer versucht, die Todeszone so schnell wie möglich zu durchqueren. Touristen zahlen Zehntausende Dollar für den Aufstieg. Der Gipfel hat Priorität. Es komme nur selten vor, dass jemand seine eigenen Bemühungen hinten anstelle, um Fremden zu helfen, sagen Beobachter.

Um Mitternacht wurden die Gebete von Bhatti und Dawa Sange erhört - eine Gruppe von Sherpas und chinesischen Bergsteigern auf dem Weg zum Gipfel gab ihnen einen Kanister Sauerstoff, heißes Wasser und eine Jacke. Der erfahrene Bergführer Pemba Onchhu Sherpa sah Dawa Sanges Zustand: „Er war am Leben, aber seine Hände waren hart wie Holz.“

Als die Gruppe auf dem Rückweg wieder durch die Todeszone kam, fassten die Sherpas einen waghalsigen Entschluss: Pemba sollte mit den chinesischen Kunden allein zum Lager zurückkehren, während die anderen drei Sherpas eine Rettungsaktion starteten. Bei Tagesanbruch begannen sie, den bewusstlosen Dawa Sange mit einem Seil über einen schmalen Grat talwärts zu ziehen und über Felsen zu bugsieren. Manchmal mussten sie auch zuerst Felsbrocken aus dem Weg räumen, erzählen die Retter.

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