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15.01.2010

16:14 Uhr

Drama auf Haiti

Hilfsgüter stecken am Flughafen fest

Die internationale Hilfe für Haiti läuft an, doch der Flughafen von Port-au-Prince erweist sich als Nadelöhr: Tonnen von Hilfsgütern lagern am Airport, viele Flugzeuge können wegen der chaotischen Zustände am Boden gar nicht landen. Die Haitianer sind verzweifelt, von ersten Plünderungen wird berichtet, die Massengräber füllen sich.

HB PORT-AU-PRINCE/KAPSTADT. Die Zeit wird knapp in Haiti. Am dritten Tag nach dem verheerenden Erdbeben gab es für die Überlebenden in der Hauptstadt Port-au-Prince am Freitag noch immer kaum sauberes Trinkwasser oder Nahrung. Mehr noch: In den Straßen lagen massenweise Leichen, überall roch es nach Verwesung. Die Szenerie gleicht einer apokalyptischen Tragödie.

Die Hilfstrupps, teils schon wenige Stunden nach dem Unglück gestartet, erreichten die Menschen zumeist nicht. Das größte Problem sei die Überlastung des beschädigten Flughafens von Port-au-Prince, der ein Nadelöhr für die Hilfsgüter sei, berichteten Nothilfe- Koordinatoren.

Bisher habe ein Gefühl der Solidarität unter den Überlebenden überwogen, nun aber drohe die Stimmung zu kippen. Von offizieller Seite ist keine Hilfe zu erwarten, da das Staatssystem zusammengebrochen ist: Ministerien sind zerstört, hohe Beamte und ihre Mitarbeiter verschüttet.

Das verheerende Beben hat nach Auskunft des haitianischen Botschafters in Deutschland, Jean-Robert Saget, auch mehrere Minister der Karibikrepublik das Leben gekostet. Unter ihnen sei Justizminister Paul Denis, sagte Saget am Freitagmorgen der dpa. "Ich weiß, dass mehre Minister den Tod gefunden haben, Justizminister Paul Denis ganz bestimmt", erklärte der Diplomat. Auch der Oppositionspolitiker Michel Gaillard sei ums Leben gekommen.

Im Laufe des Tages sollte vor Haiti der US-Flugzeugträger "Carl Vinson" mit 19 Hubschraubern und tausenden Soldaten eintreffen. Die USA wollten außerdem sechs weitere Schiffe auf den Weg schicken, darunter drei Amphibienschiffe mit Helikoptern sowie ein Lazarettschiff. Für viele Verschüttete dürfte die dreitägige Verzögerung aber bereits den Tod bedeuten: Ein Mensch kann nur etwa drei Tage ohne Trinken überleben. In Haiti steigen die Temperaturen zudem täglich auf rund 30 Grad.

Noch immer graben die Menschen mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden. Bereits die dritte Nacht in Folge verbrachten die meisten Einwohner von Port-au-Prince im Freien - aus Angst vor Nachbeben oder weil ihre Häuser zerstört sind. Nach CNN-Berichten wurden massenhaft Tote von den Straßen gesammelt und teils von Radladern in große Lastwagen gekippt. Eine Identifizierung der Opfer sei kaum mehr möglich. Tausende irren noch immer verletzt, hungernd und traumatisiert durch die Trümmerstadt. Erste Plünderungen wurden gemeldet.

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