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09.03.2016

15:00 Uhr

Drama in Sachsen-Anhalt

13-Jähriger von Gleichaltrigem erschlagen

Der 13-Jährige Fabian aus Sachsen-Anhalt verschwindet, nach intensiver Suche wird schließlich seine Leiche gefunden. Auch den Täter hat die Polizei schnell, er ist geständig. Und ebenfalls 13 Jahre alt.

In der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt hat ein 13-Jähriger offenbar seinen gleichaltrigen Freund beim Spielen erschlagen. dpa

Tragödie in Bad Schmiedeberg

In der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt hat ein 13-Jähriger offenbar seinen gleichaltrigen Freund beim Spielen erschlagen.

Bad SchmiedebergDer 13-jährige Fabian aus Sachsen-Anhalt ist von einem Gleichaltrigen getötet worden. Der ebenfalls 13-Jährige Tatverdächtige habe gestanden, Fabian in Bad Schmiedeberg geschlagen zu haben, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Olaf Braun, mit. Er habe einen Schlag mit einem Gegenstand zugegeben. Die beiden Schüler sollen sich gut gekannt haben.

„Wir haben ein tatverdächtiges Kind“, hatte ein Polizeisprecher am Mittwoch bereits zuvor mitgeteilt. Zu seinem eigenen Schutz sei der 13-jährige Tatverdächtige in eine geschlossene Einrichtung gebracht worden. Einen Haftbefehl gebe es für Kinder in diesem Alter nicht. Nach dem Gesetz können Kinder erst ab dem Alter von 14 Jahren bestraft werden.

Nach intensiver Suche mit Fährtenhunden und einem Hubschrauber hatte die Polizei die Leiche des Schülers am Montag auf einem bewachsenen Gelände am Ortsrand der Kleinstadt Bad Schmiedeberg gefunden. Rechtsmediziner stellten fest, dass Fabian massive Gewalt am Kopf erlitt. Der Junge war seit Sonntagabend vermisst worden; er war nicht nach Hause gekommen. Die Polizei stieß auf den nun tatverdächtigen 13-Jährigen, weil sie intensiv im Umfeld des Getöteten ermittelte und beispielsweise überprüfte, wer zuletzt Kontakt mit Fabian hatte.

Solche Taten kämen unter Kindern nur äußerst selten vor, sagte der Wiesbadener Kriminologe Rudolf Egg. Bei den wenigen Fällen handele es sich meist um Streitigkeiten unter Geschwistern; ein Motiv sei Eifersucht. Unter völlig fremden Kindern komme so ein Delikt so gut wie nicht vor, weil es immer um Gefühle gehe.

Wenn Kinder töten

Straftaten

Auch strafunmündige Kinder unter 14 Jahren begehen bisweilen schwere Straftaten, manchmal töten sie sogar andere Menschen. Einige Fälle.

Februar 2014

Ein zündelnder 13-Jähriger löst einen Brand mit drei Todesopfern in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft aus. Der Junge wird zunächst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie betreut.

August 2005

Ein erst zehn Tage altes Baby wird im thüringischen Ilmkreis vermutlich von seiner sechsjährigen Schwester getötet, als die Kinder kurz alleine in der Wohnung sind.

November 2004

Im Streit um schlechte Noten erschießt ein zwölfjähriger Schüler aus Braunschweig (Niedersachsen) seine Eltern. Anschließend verletzt sich der Schüler mit einem Kopfschuss schwer. Waffen und Munition gehörten seinem Vater.

Juli 2000

Bei einem Raubüberfall in Augsburg (Bayern) verletzen ein 13-Jähriger und sein 14 Jahre alter Freund eine Rentnerin so schwer, dass die 75-Jährige einen Monat später stirbt.

April 2000

In einer Ferienanlage in Nentershausen (Hessen) tötet ein 13 Jahre alter Berliner Gymnasiast nach einem Streit beim Billardspiel einen 20-Jährigen mit einem Messerstich ins Herz.

Januar 2000

In Itzehoe (Schleswig-Holstein) misshandelt ein Vierjähriger einen zwei Monate alten Säugling so schwer, dass das Mädchen an den Kopfverletzungen stirbt.

Oktober 1999

In Würselen (Nordrhein-Westfalen) ersticht ein 13-Jähriger eine 15-jährige Gymnasiastin aus der Nachbarschaft aus enttäuschter Liebe.

Juni 1997

Mit einem Ziegelstein erschlägt ein 13-Jähriger in Seebeck (Brandenburg) eine Achtjährige, weil sie ihn gehänselt hatte.

Egg zufolge können Kinder auch vor dem Erreichen der Strafmündigkeit mit 14 Jahren schwerwiegende Folgen ihres Handelns abschätzen. „Die Altersgrenze bedeutet nicht, dass sie kein Schuldbewusstsein hätten oder nicht wüssten, was sie tun.“ Der Gesetzgeber habe damit nur festgelegt, dass für diese Kinder nicht die Strafjustiz zuständig ist, sondern Eltern, Erziehungsberechtigte und Jugendämter.

Im Fall des 13-jährigen Tatverdächtigen in Bad Schmiedeberg werden die Behörden nach Eggs Einschätzung nun genau auf die Familie schauen. Es müsse geprüft werden, ob die Eltern ihre erzieherischen Pflichten erfüllt hätten und ob sie sich weiter um das Kind kümmern könnten. „Folgenlos wird die Tat nicht bleiben“, sagte der Kriminologe, der bis 2014 die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden leitete. Egg sagte das auch mit Blick auf die psychologischen Folgen für den jungen Tatverdächtigen. „Selbst Erwachsene brauchen Hilfe, um nicht zu verzweifeln nach solch einer monströsen Tat.“

Von

dpa

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