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15.01.2010

07:46 Uhr

Dramatische Lage

Haitianer errichten Straßensperren aus Leichen

Während sich Rettungsteams aus aller Welt nach Haiti aufmachen, kommt die Hilfe in den vielfach von Leichen übersäten Straßen der vom Beben zerstörten Hauptstadt nur langsam an. Korrespondenten internationaler Fernsehsender berichteten in der Nacht zum Freitag von dramatischen Szenen und einer zunehmend verzweifelten Bevölkerung in Port-au-Prince.

HB PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON. Wegen ausbleibender Hilfe aufgebrachte Haitianer hätten Straßensperren aus Leichen errichtet. Noch immer graben die Menschen zumeist mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden. Bereits die dritte Nacht in Folge verbrachten die meisten Einwohner von Port-au-Prince im Freien; aus Angst vor Nachbeben oder weil ihre Häuser zerstört sind.

Ein Reporter des „Time“-Magazins berichtete laut BBC von mindestens zwei Straßensperren, die verzweifelte Menschen in Port-au- Prince aus den Leichen der Erdbebenopfer errichtet hätten. Sie fühlten sich alleingelassen und wollten so gegen die ausbleibende Hilfe protestieren, hieß es. Nach Berichten von CNN-Korrespondenten wurden massenhaft Tote von den Straßen gesammelt und einem Radlader in große Lastwagen gekippt. Eine Identifizierung der Opfer sei kaum mehr möglich. Dafür fehle es an Zeit und Personal.

Im Laufe des Tages soll in den Gewässern vor Haiti der US-Flugzeugträger „Carl Vinson“ mit 19 Hubschraubern und tausenden Soldaten eintreffen. Von ihm erhoffen sich die Hilfsorganisationen eine Beschleunigung der Rettungsarbeiten. Die USA wollten außerdem sechs weitere Schiffe auf den Weg schicken, darunter drei Amphibienschiffe ebenfalls mit Helikoptern und 2200 Marineinfanteristen sowie ein Lazarettschiff. Insgesamt werden sich nach Angaben des US-Südkommandos in Miami (Florida) am Wochenende mehr als 6000 Angehörige der US-Streitkräfte zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen in Haiti oder in Küstennähe aufhalten.

Der beschädigte Flughafen der Hauptstadt erwies sich am Donnerstag als größtes Hindernis für ein rasches Anlaufen der Rettungsarbeiten. „Dank der sofortigen Hilfe so vieler Staaten haben wir sehr viel Personal und Hilfsgüter. Aber wir müssen sie ja auch ins Land bringen. Die Flughäfen sind der Flaschenhals“, klagte UN- Nothilfekoordinator John Holmes in New York.

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