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25.03.2016

13:24 Uhr

Drangsalierte Musiker auf Kuba

„Diktatoren mögen keine Rockmusik“

Die Rolling Stones rocken das sozialistische Kuba. Doch der Alltag auf der Insel ist ein anderer: Über einen Punkrocker, der in Kuba nicht spielen darf, drangsaliert wird und immer wieder unter Hausarrest steht.

Der Frontmann der kubanischen Punkrockband „Porno para Ricardo“ über die tägliche Drangsalierung von Rockmusikern auf Kuba. dpa

Gorki Aguila

Der Frontmann der kubanischen Punkrockband „Porno para Ricardo“ über die tägliche Drangsalierung von Rockmusikern auf Kuba.

HavannaGorki zeigt auf die neue Kamera am Laternenmast, 50 Meter von seinem Apartment entfernt. „Damit beobachten sie mich“, sagt er. Während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Kuba stand er unter Hausarrest, eine Polizeipatrouille wachte vor seiner Tür. Essen musste er sich von Freunden bringen lassen.

Gorki Águila war schon mehrfach inhaftiert, er ist Frontmann der regimekritischen kubanischen Punkrock-Band „Porno para Ricardo“ - in der karibischen Heimat dürfen sie nirgendwo auftreten.

Das Apartment: ziemlich abgerockt, blaue und rosafarbene Wände, politische Botschaften, zwei abgewetzte Sofas. An einer Wand steht in Rot „Gorki“. Er: schwarze zerzauste Haare, Nasenpiercing, in der Hand einen Kaffee. Er redet ohne Punkt und Komma, furioser Zorn - auf Fidel und Raúl Castro.

Songs der 1998 gegründeten Band heißen „El Comandante“ und „El Submarino“ (Das U-Boot) - gespickt mit bösem Sarkasmus. Als Gorki (47) hörte, dass ausgerechnet am Karfreitag erstmals eine britische Rockband ein großes Open-Air-Konzert im sozialistischen Kuba geben darf, und dann gleich die legendären Rolling Stones, war er erst einmal dagegen. „Ich würde niemals in einem Land spielen, das die Menschenrechte verletzt.“ Durch das Gratis-Konzert werde nur das Regime um Staatschef Raúl Castro gestärkt.

Aber dennoch wollte er natürlich hin - wenn er nicht festgenommen wird. Ist das nicht ziemlich inkonsequent? „Hombre“, sagt er, „das sind die Rolling Stones.“ Aber seine Botschaft, die er Sänger Mick Jagger am liebsten ins Gesicht schreien würde: „Ich kann hier nicht spielen, Mr. Jagger.“ Sofern das Regime die Band ausreisen lässt, spielt sie mal in Miami oder zuletzt in Tschechien, finanziert von den Gastgebern oder Exilkubanern.

Die in Wohnungen oder Kellern aufgenommenen Videos kursieren im Internet, das aber bisher in Kuba für das Volk kaum zugänglich ist. Gorki darf jede Woche umsonst zwei Stunden in der schwedischen Botschaft surfen und kann dort neue Songs und Videos hochladen. Auch andere Botschaften, darunter die der USA, ermöglichen Dissidenten wie Gorki eine kostenlose Internetnutzung.

„Kommunisten sind prüde und haben keinen Humor“, meint Gorki, der eine Tochter hat (19). Der Bandname? Eine Persiflage auf den Castro-Spruch „Patria o Muerte“ („Vaterland oder Tod“). Porno stehe als Gegenstück zum Muerte für Leben, Sex, Hedonismus. Ricardo, ein verrückter Freund, sei das Gegenstück zum uniformen Kollektiv, dass das Patria im kommunistischen Verständnis symbolisiere. Ricardo stehe für das kreative Individuum.

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