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11.01.2010

13:16 Uhr

Drei Todesopfer

Legionellen-Welle in Ulm

In Ulm und der Nachbarstadt Neu-Ulm sind in den vergangenen Tagen drei Menschen an einer Legionellen-Infektion gestorben. Die Behörden tappen bei der Suche nach der Infektionsquelle noch immer im Dunklen.

Drei Menschen starben bereits an der Legionellen-Well in Ulm. dpa

Drei Menschen starben bereits an der Legionellen-Well in Ulm.

HB ULM. Die Zahl der Todesopfer durch eine Legionellen-Infektion im Raum Ulm/Neu-Ulm hat sich auf drei erhöht. Dies teilte das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises am Montag in Ulm mit. Bei dem dritten Toten handele es sich um eine Person mittleren Alters mit einer Vorerkrankung.

Die beiden anderen Verstorbenen seien hochbetagt und ebenfalls krank gewesen, sagte Sprecher Bernd Weltin. Alle drei seien an der Universitätsklinik Ulm behandelt worden. Insgesamt wurden demnach bislang 45 Verdachtsfälle registriert. Die Behörden suchen immer noch nach der Infektionsquelle.

Legionellen sind wärmeliebende Bakterien, die im Süßwasser vorkommen. In kleinsten Tröpfchen können sie in die Atemwege gelangen und gefährliche Infektionen auslösen, wie die Behörde warnt. Die Übertragung laufe meist über Duschen, schlecht gewartete Klimaanlagen und Kühlsysteme. Legionellen können sowohl eine schwere Lungenentzündung (Legionärskrankheit) als auch das sogenannte Pontiac-Fieber, eine milder verlaufende, grippeähnliche Erkrankung, verursachen, wie die Behörde weiter warnt. Eine Infektion über das Trinkwasser sei sehr unwahrscheinlich.

Eventuell ist die Abluft einer größeren Klimaanlage oder eines Kühlhauses die Quelle der aktuellen Legionellen-Welle, wie der Sprecher des Landratsamtes weiter sagte. Entsprechende Anlagen auf den Dächern seien bereits am Sonntag per Hubschrauber aus der Luft ausfindig gemacht worden. Die Untersuchung von entsprechenden Proben dauere rund eine Woche.

Kommentare (1)

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Robert Priller

11.01.2010, 15:52 Uhr

Dieses Ereignis zeigt wieder einmal, dass die Überprüfung von Trinkwasser-installationen sowie Nasskühlanlagen von den verantwortlichen Personenkreisen bisher nur eingeschränkt für notwendig gehalten wird. Durch den hohen Kostendruck werden Wartungs- und Prüfleistungen meist unterlassen. Die Politik ist aufgefordert, sich an unseren Nachbarländern ein beispiel zu nehmen - in Frankreich und Großbritannien ist eine wöchentliche Überprüfung des Umlaufwassers von Nasskühlanlagen gesetzlich vorgeschrieben. bei Unterlassung droht die Stilllegung des betriebs sowie hohe bußgelder und Freiheitsstrafen. Die jährliche Überprüfung von Trinkwasser-installationen ist bereits seit 2003 auch in Deutschland Pflicht, jedoch halten es führende immobilienverbände bisher für überflüssig sowie nicht notwendig und raten ihren Mitgliedern zur Nichteinhaltung bestehender Vorschriften. Die Verbrauchersicherheit interessiert in unserer industrienation anscheinend niemand. Dem schnöden Mammon sei Dank!

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