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08.08.2012

10:21 Uhr

Drogenkrieg in Frankreich

Abgerechnet wird mit der Kalaschnikow

VonThomas Hanke

In Frankreichs Großstädten spielen sich Szenen ab, wie sie meist nur aus Filmen bekannt sind. Gewalttätige Abrechnungen zwischen Banden junger Männer schockieren die Öffentlichkeit. Die Polizei ist hilflos.

Der Tatort: Auf offener Straße wurde im 13. Arrondissement von Marseille am 29. Juli ein 25-Jähriger erschossen.  Angeblich war er vorher von einem Pickup-Truck gejagt worden. AFP

Der Tatort: Auf offener Straße wurde im 13. Arrondissement von Marseille am 29. Juli ein 25-Jähriger erschossen. Angeblich war er vorher von einem Pickup-Truck gejagt worden.

Paris Frankreichs smarter Innenminister Manuel Valls hat 15 besonders problematische „Prioritäre Sicherheitszonen“  ausgerufen. Hier sollen verstärkte Polizeieinsätze und mehr Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen der Bevölkerung für besseren Schutz sorgen. Im vergangenen Jahr hat die schwere Gewaltkriminalität in Frankreich zugenommen.

Die Zahl der Morde, die sich seit 1995 halbiert hatte, stieg um zehn Prozent auf 743. Der abnehmenden Zahl von „Verbrechen aus Leidenschaft“ steht eine Bandenkriminalität entgegen, die in ihren Mitteln immer brutaler wird: Die Kalaschnikow ist zur Waffe des kleinen Kriminellen geworden.

Einer der Schwerpunkte des Verbrechens, die auf Valls‘ Liste stehen, ist Marseille. Gewalttätige Abrechnungen zwischen Banden junger Männer schockieren die Öffentlichkeit seit Monaten. Ende Juli war ein 25-Jähriger von einem Lieferwagen verfolgt und auf offener Straße mit einem Feuerstoß aus einer automatischen Waffe erschossen worden – der jüngste, aber sicher nicht letzte Fall einer Serie von Verbrechen, mit denen Banden von Drogenhändlern um die Kontrolle bestimmter Gebiete kämpfen. Besonderes Aufsehen hatte Ende vergangenen Jahres eine regelrechte Hinrichtung ausgelöst: Drei Drogenhändler im Alter von 19 und 25 Jahren wurden erschossen und anschließend in ihrem Auto verbrannt.

Härter als in „French Connection“

Solche Szenen kannten die Franzosen bislang nur aus amerikanischen Filmen. Plötzlich finden Verbrechen, wie sie sie nur aus Los Angeles oder Miami kannten, auf ihren eigenen Straßen statt. Weil es sich um ein neues Phänomen handelt, sind die Sicherheitsbehörden noch unsicher, wie sie dagegen vorgehen sollen.

Marseille ist wegen seiner mafiösen Strukturen seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekannt. Auch der Drogenhandel in der Hafenstadt ist nichts Neues – in den siebziger Jahren setzte ihm Gene Hackman als in Marseille arbeitender US-Bulle in dem grandiosen Zweiteiler „French Connection“ sogar ein filmisches Denkmal.

Kommentare (49)

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ThomasWieder

08.08.2012, 10:50 Uhr

Die eigentliche Ursache und damit das Hauptproblem dieser immer gravierender werdenden Bedrohung für Bürger und Staat wurde im Artikel in einem Nebensatz quasi "versteckt" : Die Migranten aus Nordafrika.

Der zunehmenden Gesetzlosigkeit und Gewalt ist der Staat praktisch hilflos ausgeliefert, denn er kommt diesen mit den herkömmlichen, verfassungsmäßig abgesegneten Mitteln nicht bei.

Entweder werden aus reiner "Notwehr" die Regeln geändert, um ein efektives Durchgreifen zu ermöglichen,oder der westliche Rechtstaat ist dem Untergang geweiht.

Frankreich mit seiner großen Migrantenbevölkerung ist der Vorreiter.Seinen europäischen Nachbarn droht das gleiche Schicksal.

pizzarro53

08.08.2012, 10:54 Uhr

Da gibt es nur Eines: Drogen endlich freigeben, dann ist Schuss mit der Beschaffungskriminalität und mit dem Morden. Südamerika, vor allem Mexiko, denkt schon darüber nach. Wo keine Kriminalisierung, da keine Kriminellen. Und mehr Süchtige wird es dann auch nicht geben. Aber wer weiß, wie viele Saubermänner in diesem Geschäft alles involviert sind und eine Legalisierung gar nicht wünschen.

Bmehrens

08.08.2012, 11:12 Uhr

An ThomasWieder: Sie mögen Recht haben, ABER haben die FRANZOSEN nicht jahrhundertelnag NORDAFRIKA ausgebeutet und unterdrückt? Erst der algerische Bürgerkrieg in den 1950ern hat dem ein Ende gesetzt!
Klar, dass die Nordafrikaner mal etwas von ihrem "MUTTERLAND" zurück haben wollen.

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