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13.03.2011

07:17 Uhr

Drohender GAU

Japan beruhigt und schickt mehr Soldaten

Verheerende Situation in Japan: Nach der Explosion in dem Atomkomplex in der japanischen Präfektur Fukushima kämpfen Techniker mit Problemen in einem weiteren Reaktor. Japan mobilisiert jetzt mehr Soldaten.

Japanische Soldaten sollen in der Not helfen. Quelle: dapd

Japanische Soldaten sollen in der Not helfen.

TokioIn einem zweiten Atomreaktor ist es nach Angaben der japanischen Regierung offenbar zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen. Die Radioaktivität sei kurzzeitig über das zulässige Niveau gestiegen. Mehr wurde bisher nicht bekanntgegeben.

Der Betreiber des Unglücksreaktors, Tokyo Electric Power (Tepco), beunruhigt die Öffentlichkeit durch die Offenbarung, dass der Füllstand des Kühlwassers in dem Druckgefäß eines Reaktorblocks auf einen kritischen Stand gefallen ist und den Kern mit den Brennstäben kaum noch bedeckt. Wird der Atombrennstoff nicht mehr gekühlt, drohen eine Kernschmelze und Brände. Das Amt für Reaktorsicherheit hat unterdessen zugegeben, dass die Explosion im Kernkraftwerk Fukushima 1 vermutlich auf eine Kernschmelze zurückgeht. Wenn der Reaktorkern sich im Normalzustand befände, hätte sich kein explosives Gas unter dem Dach des Gebäudes sammeln können, so die Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA).

Das verheerende Erdbeben hatte nach revidierten Angaben eine Stärke von 9,0. Das gab die Meteorologische Behörde in Tokio am Sonntag bekannt. Zuvor hatte sie die Stärke auf 8,8 beziffert, während amerikanische Seismologen 8,9 gemessen hatten.

Zwei Tage nach dem Jahrhundertbeben in Japan versuchen Fachleute in einen Wettlauf gegen die Zeit, eine nukleare Katastrophe abzuwenden. In sechs Reaktoren an der Ostküste fiel die Kühlung aus. Am gefährlichsten ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima Eins. Dort pumpten Experten seit Samstagabend ein Gemisch aus Meerwasser und Borsäure in den Reaktor Nummer 1. Bor kühlt den Reaktor zusätzlich ab. Damit soll eine Kernschmelze verhindert werden, die so schlimm wie der Atomunfall 1986 in Tschernobyl in der Ukraine sein könnte. Eine ähnlich dramatische Entwicklung drohte in einem zweiten Reaktor in Fukushima Eins.

Ob eine teilweise oder vollständige Kernschmelze bereits im Gang ist oder war, blieb weiter unklar. Nach Angaben von Hisanori Nei von der Atomsicherheitsbehörde wird die Möglichkeit als groß angesehen, dass es in dem AKW Fukushima Eins schon vor der Explosion vom Samstag zu einer teilweisen Kernschmelze gekommen ist. Es sei das erste Mal, dass in Japan zu einer Kernschmelze kam, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press weiter berichtete.

In dem Gebiet um die beiden Atomkraftwerke in Fukushima mussten bis Sonntagmorgen rund 200.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Mit der Evakuierung will die Regierung die Bewohner vor radioaktiver Strahlung schützen. Die Regierung in Tokio rief große Unternehmen auf, Strom zu sparen.

In der Nacht zu Sonntag fiel in einem weiteren Reaktorblock des Kraftwerks Fukushima Eins die Kühlung aus, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Damit waren sechs der insgesamt zehn Reaktoren in den beiden Kraftwerken Eins und Zwei ohne Kühlung. In dem neuen Problemreaktor - mit der Nummer drei - ließen Experten zeitweise radioaktiven Dampf nach außen ab. Es werde Wasser zum Abkühlen der Brennstäbe eingeführt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Sonntag. Die Radioaktivität in diesem Reaktor sei aber gering und unter Kontrolle.

Kommentare (6)

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12.03.2011, 22:38 Uhr

Zur Kernenergie gibt es keine Alternative! Die Erde wird von 7 Mrd. Menschen bevölkert. Deren Energieversorgung ist ohne Kernenergie nicht sicherzustellen. Windmühlen, dezentrale Kleinstkraftwerke mit Holzschnitzelfeuerung, Sonnenkollektoren in Gaddafis Wüste etc. sind ein Ablacher. Die sog. Umweltschützer sollten ihre Energie besser dafür einsetzen, dass Maßnahmen gegen die immer bedrohlicher werdende Bevölkerungsexplosion ergriffen werden. Es ist vor dem Hintergrund der explodierenden Weltbevölkerung absolut richtig, die Kernenergie massiv auszubauen. In Japan stellt niemand die Kernenergie ernsthaft im Frage. Unsere Medien hierzulande stellen sich einmal mehr als sensationsgeile und unseriöse Berichterstatter dar. Es wird Volksverdummung im großen Stil betrieben. Der Vorfall der Kategorie 4 in Fukushima zeigt vielmehr, dass selbst bei komplexen und extrem seltenen Störfällen sich die Risiken deutlich in Grenzen halten. Der Nutzen der Kernkraft für eine kostengünstige und umweltfreundliche Energieerzeugung für 7 Milliarden Erdenbürger steht nicht im Geringsten in Frage.

YesMan

12.03.2011, 23:41 Uhr

"Der Nutzen der Kernkraft für eine kostengünstige und umweltfreundliche Energieerzeugung für 7 Milliarden Erdenbürger steht nicht im Geringsten in Frage."

Wenn man die Endlagerung weglässt, hört sich das sicher alles ganz schön an.

Oelblase

12.03.2011, 23:49 Uhr

Japan gilt weltweit als Vorreiter in Atomenergie.
Japan soll die besten Atomexperten und beste Atom-Technologie haben.
In Japan sollen 70% der Bevölkerung (vor dem Super-GAU versteht sich) davon überzeugt gewesen sein, dass ein GAU nicht passieren kann.


Komsch. Denselben strahlend-braunen Berei liefert uns die Atomlobby praktisch jeden Tag über die Medien.

http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/japan-setzt-auf-atomstrom/


Für mich ist alles ganz einfach:

Gemäß Artikel 20 GG haben wir Deutschen das Recht auch mit Waffengewalt gegen unsere Regierung vorzugehen, falls unsere Regierung die Grundsätze unseres Grundgesetzes aushebelt und es keine andere Möglichkeit gibt die Regierung aus dem Amt zu hebeln.


Unsere aktuelle Regierung hat den demokratisch beschlossenen Atomausstieg verfassungswidrig (ohne Zustimmtung der Länder im Bundesrat) ausgehebelt und würde auch bei einem Super-GAU nicht zurück treten. Dann darf man sie eben alle erschießen. So einfach ist das.

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