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06.04.2015

08:58 Uhr

Dürre in Kalifornien

Wenn nur noch der Kunstrasen hilft

VonAxel Postinett

Kalifornien trocknet aus. Die Bürger müssen Wasser sparen, doch die Notmaßnahmen gehen am Problem vorbei. Die größten Verbraucher kommen ungeschoren davon – und auch die Superreichen wissen sich geschickt zu helfen.

„Der Gouverneur bestraft die Bürger für Wasserverschwendung und gibt den größten Verbrauchern und Verschmutzern einen Freifahrschein.“ dpa

Kalifornien sitzt auf dem Trockenen

„Der Gouverneur bestraft die Bürger für Wasserverschwendung und gibt den größten Verbrauchern und Verschmutzern einen Freifahrschein.“

San FranciscoEs ist alles andere als ein Aprilscherz: Kaliforniens Bürger müssen Wasser sparen. Die Folge: In Restaurants darf nicht mehr wie bisher ungefragt ein Glas Wasser zum Essen eingeschenkt werden. Der Kunde muss danach fragen. Das ist tatsächlich einer der Punkte, mit dem Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown eine der größten Dürren der Geschichte besiegen will.

Öffentliche Grünstreifen werden nicht mehr gewässert. Wer wasserschluckende Haushaltsgeräte gegen moderne Spargeräte tauscht, bekommt finanzielle Zuschüsse. Golfplätze, Friedhöfe, Firmen und Universitäten müssen Wasserspar-Technologien einbauen. Städtische Brunnen oder Fontänen sind landesweit schon lange versiegt. Die Bürger müssen erstmals in der Geschichte Kaliforniens gezwungenermaßen den Wasserverbrauch reduzieren. 25 Prozent sind das Ziel, verkündete Brown am 1. April.

Doch das ist Augenwischerei, monieren Kritiker. Die wahren Probleme würden nicht angepackt. Denn Bürger und Städte verbrauchen lediglich weniger als 15 Prozent des Wassers. Der Rest wird von Landwirtschaft und Ölindustrie verbraucht oder verschmutzt, und diese Industrien kommen ungeschoren davon. Adam Scow, Direktor der gemeinnützigen California Food and Water Watch ist wütend: „Der Gouverneur bestraft die Bürger für Wasserverschwendung und gibt den größten Verbrauchern und Verschmutzern einen Freifahrschein.“

Scow und andere Umweltaktivisten fordern eine Regulierung der Landwirtschaft, die in Kalifornien ohne Kontrolle Wasser nach Belieben pumpen kann und dies auch macht. Noch schreckt Gouverneur Brown davor zurück, sich mit der 50-Milliarden Dollar-Industrie anzulegen. Wer den Highway Nummer 5 von San Francisco nach Los Angeles fährt, der sieht sie überall am Straßenrand. Ausrangierte Anhänger mit riesigen Bannern: „Dieses verdorrte Feld wird Ihnen präsentiert vom kalifornischen Kongress“ steht darauf oder „Wasser = Arbeitsplätze“. Jeder noch so zaghafte Versuch, den Wasserverbrauch auch nur zu kontrollieren wird mit massiver Lobbyarbeit torpediert. Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, lautet die Argumentation.

Wasser, Geld und Landwirtschaft waren schon immer ein heißes Thema in Kalifornien. Die mitunter gewalttätigen Kriege um lukrative Wasserrechte in den 30er-Jahren des vorigen Jahrtausends sind legendär, thematisiert in Roman Polanskis Film „Chinatown“ aus dem Jahr 1974. Alles dreht sich um das Grundproblem, dass Kalifornien eigentlich ursprünglich nichts war als eine Wüste. Der Trick bestand darin, Wüstenland für einen Appel und ein Ei zu kaufen und dann eine Wasserversorgung aufzubauen, mit dem das Land schlagartig extrem wertvoll wurde.

Heute geht es noch immer um viel Geld. Schon im vergangenen Jahr rüttelte eine Studie der Universität von California Davis auf. Die Landwirtschaft Kaliforniens überlebt die bislang drittschwerste Dürre in der Geschichte des Landes sehr gut, heißt es da. Die Gewinne sprudeln. Allerdings nur deshalb, weil das versiegende Wasser der Flüsse und Talsperren durch ungehemmtes Abpumpen von Grundwasser kompensiert wird. Immer mehr Brunnen werden immer tiefer gebohrt. Doch die Agrarindustrie könnte „trockenlaufen“, warnen die Autoren der Studie, wenn sie diese Reserven weiter so behandle „wie eine unerschöpfliche Ressource“.

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