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01.10.2014

13:58 Uhr

Düsseldorfer Kunstberater

Insolvenzverfahren gegen Achenbach-Firma eröffnet

Während der prominente Kunstberater Helge Achenbach seit nunmehr vier Monaten in U-Haft sitzt, zerfällt sein Firmengeflecht. Die wichtigsten Unternehmen sind insolvent – darunter zwei Kunstberatungsfirmen.

Helge Achenbach soll dem Aldi-Erben Berthold Albrecht Kunst und Oldtimer zu überhöhten Preisen vermittelt haben. dpa

Helge Achenbach soll dem Aldi-Erben Berthold Albrecht Kunst und Oldtimer zu überhöhten Preisen vermittelt haben.

DüsseldorfFast vier Monate nach der Inhaftierung des Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach sind die Insolvenzfahren für drei seiner wichtigsten Firmen offiziell eröffnet worden. Die erste Gläubigerversammlung sei am 19. November angesetzt, teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Marc d'Avoine am Mittwoch mit. Betroffen sind demnach zwei Kunstberatungsfirmen sowie seine Düsseldorfer Restaurants Monkey's.

Ausgelöst worden war die Affäre um Achenbach durch eine Anzeige der Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht. Achenbach soll ihm Kunst und Oldtimer zu überhöhten Preisen vermittelt haben.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Besitz der insolventen Achenbach Kunstberatung GmbH. Der Wert der inzwischen gelisteten und auf Vollständigkeit geprüften mehreren hundert Kunstgegenstände werde auf einen „niedrigen einstelligen Millionenbereich“ geschätzt, sagte d'Avoines Sprecher Stefan Lappe. Zu dem Bestand gehören unter anderem Werke von Tony Cragg und Gerhard Richter.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Derzeit werde in Abstimmung mit den Gläubigern vor Gericht „die sachgerechte Verwertung zu angemessenen Bedingungen“ vorbereitet. Außerdem hätten vier weitere Unternehmen des verzweigten Firmengeflechts Achenbachs Insolvenzanträge gestellt.

Die Familie von Berthold Albrecht fordert fast 20 Millionen Euro Schadensersatz von Achenbach. Der Zivilprozess beginnt am 11. November. Konten und Vermögensgegenstände Achenbachs wurden gerichtlich gesperrt - darunter auch seine Anteile an der von mehreren Sammlern getragenen „Rheingold“-Sammlung.

Achenbach, einer der bekanntesten Kunstberater Deutschlands, war Pfingsten nach seiner Rückkehr aus Brasilien festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Auch die Unternehmerbrüder Viehof aus Mönchengladbach haben Anzeige wegen Betruges gegen Achenbach erstattet. Außerdem gibt es laut Staatsanwaltschaft Hinweise auf zwei weitere Geschädigte. Im Strafverfahren gegen Achenbach wird bis Ende des Jahres mit einer Anklage gerechnet. Achenbachs Anwälte bestreiten die Vorwürfe.

Von

dpa

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