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26.10.2014

08:20 Uhr

Ebola-Angst in New York

Zwischen Paranoia und Populismus

VonAxel Postinett

Zwangsquarantäne, Angst, Ausgrenzung auf der einen Seite. Millionenspenden und echte Hilfsbereitschaft auf der anderen. Die tödliche Ebola-Seuche versetzt die Millionenmetropole New York in Angst.

Kompliziertes Prozedere

Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

Kompliziertes Prozedere: Wie Sie einen Ebola-Schutzanzug anlegen

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New YorkDer Bürgermeister der Stadt New York mahnt zur Besonnenheit: „Es gibt keinen Grund zur Panik“, erklärt Bill de Blasio öffentlich am Freitag. Nur Stunden später verkünden die Gouverneure von New York und New Jersey eine andere Botschaft; Völlig überraschend über seinen Kopf hinweg verkünden sie eine Zwangsquarantäne für alle Gesundheitsarbeiter, die aus Ebola-Regionen einreisen. „Keine Panik“ sieht anders aus. Die Konfusion ist perfekt, und die Fronten der Ebola-Hardliner und der Verfechter einer pragmatischen Lösung prallen so hart aufeinander wie nie.

„Ebola ist hier!“: In riesigen Lettern auf der Seite eins der „New York Post“ springt die Meldung am Freitagmorgen den Pendlern in vollgepackten U-Bahnzügen mitten ins Gesicht. Ein aus Afrika zurückgekehrter Arzt hat sich infiziert, war am späten Donnerstag klar geworden. Er wird isoliert und in das Bellevue-Hospital eingeliefert, seine Kontaktpersonen werden ausfindig gemacht und jeder seiner Aufenthaltsorte aufgesucht. Die Massenmedien sind in Alarmstufe Rot.

Die renommierte New York Times startet atemlos einen „Live Blog” und berichtet ohne Unterlass. Kostprobe: Samstagmorgen: „Die Verlobte des Arztes kehrt um 18.30 Uhr in ihr Apartment an der West 147th Street zurück. Drei Personen begleiten sie, sie tragen keine Schutzkleidung.“ Die Reporter von ABC scheuen sogar vor einem Selbstversuch nicht zurück: „Ich bin mit den gleichen U-Bahnen gefahren wie der Ebola-Patient“ titelt Micah Grimes seinen Bericht aus dem gefühlten Epizentrum der Angst in der Millionenstadt, dazu ein 15 Sekundenvideo einer beliebigen U-Bahn, die in eine Station einfährt: „Hier kommt der Zug der Linie 1. Keine Zeichen von Ebola zu sehen.“

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

Dutzende Reporter von Kabelsendern campieren vor einer Bowlingbahn, die der Patient besucht hatte. Spaziergänger machen unwillkürlich einen großen Bogen um den Blue Bottle-Kaffeeausschank auf der beliebten Flaniermeile High Line in Manhattan. „Er“ hatte hier einen Kaffee gekauft. Er, das ist ein 33-jähriger Arzt der bekannte Organisation Ärzte ohne Grenzen, die sich dem Kampf gegen die Seuche verschrieben hat. Craig Spencer, so das behandelnde Krankenhaus am Samstag, sei in die „nächste Phase“ der Krankheit eingetreten. Das sei erwartet worden und es sei üblich, dass sich der Zustand verschlechtere, bevor es wieder aufwärts gehen könne.

Der jüngste Ausbruch des gefährlichen Virus nahm am Wochenende alle Aufmerksamkeit in den USA in Anspruch. Dazu kamen jüngste Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, die die Zahl der Erkrankten auf derzeit rund 10.000 beziffert und die Todesfälle auf gut 5.000. Beängstigende Zahlen aus Afrika, die keinen Raum lassen für eine aufmunternde und positive Nachricht. Nina Pham, eine an Ebola erkrankte und nun geheilte Krankenschwester, war zu Besuch im Weißen Haus. Sie traf Präsident Barack Obama, der sie öffentlichkeitswirksam umarmte und sich bei ihr für ihren Einsatz bedankte.

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