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13.05.2014

15:55 Uhr

Ecclestone-Prozess

Ein Banker, die Formel 1 und Karotten

VonCornelia Knust

Ex-Banker Gerhard Gribkowsky stützt die Bestechungsthese der Staatsanwaltschaft im Prozess rund um die BayernLB. Er belastet damit Formel1-Boss Bernie Ecclestone schwer. Eine Verurteilung rückt näher.

Der bereits wegen Bestechung, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Ex-Vorstand der Bayern LB, Gerhard Gribkowsky. dpa

Der bereits wegen Bestechung, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Ex-Vorstand der Bayern LB, Gerhard Gribkowsky.

MünchenDer Richter hat seine Contenance wieder, der Zeuge Gerhard Gribkowsky offenbar auch. Im Bestechungsprozess gegen den Formel1-Chef Bernhard Ecclestone vor dem Landgericht München I sagt Gribkowsky am Dienstag glasklar: „Ich habe danach nicht mehr mit der gleichen Härte weiterverhandelt und agiert wie vorher“.

„Danach“ bedeutet: nach dem entscheidenden Gespräch im Mai 2005 zwischen Ecclestone und Gribkowsky als damaligem Vorstandsmitglied der BayernLB, die die Anteile an der Formel1 (ein Pfand aus der Kirch-Insolvenz) gewinnbringend verkaufen wollte.

Am Freitag vergangener Woche, in den sechs Stunden seiner Befragung durch Richter Peter Noll, hatte Gribkowsky es teilweise an Deutlichkeit fehlen lassen. Er war teils erheblich zurückgeblieben hinter seinen Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft im Sommer 2012, ja sogar hinter dem Geständnis in seinem eigenen Prozess.

Ecclestone-Prozess: Wer ist Gerhard Gribkowsky?

Ex-Banker

Gerhard Gribkowsky war von 2003 bis 2008 Vorstandsmitglied der BayernLB, einer Anstalt öffentlichen Rechts in München. In den Jahren 2005 bis 2007 hat er Bestechungsgelder in Höhe von 44 Millionen Dollar erhalten. Formel-1-Chef Bernhard Ecclestone und die ihm nahe stehende Bambino-Stiftung zahlten Gribkowsky diese Summe, damit er die Anteile der Bank an der Formel-1 entsprechend Ecclestones Vorstellungen verkaufte, nämlich an den britischen Finanzinvestor CVC.

Verurteilt

Ende 2010 lenkte Gribkowsky selbst das Interesse der Staatsanwaltschaft auf sich, als er ihr die Herkunft von Geldern in Österreich erklären wollte, nach denen sich zuvor ein Journalist erkundigt hatte. Im Januar 2011 folgte Gribkowskys Festnahme. Ab Oktober 2011 wurde ihm vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I der Prozess gemacht. Er verweigerte monatelang die Aussage, legte zum Schluss aber ein Geständnis ab.

Im Knast

Das Gericht kam im Juni 2012 zu dem Schluss, Gribkowsky habe seine Pflichten als Vorstand verletzt, sich der Bestechlichkeit in Tateinheit mit Untreue schuldig gemacht und überdies in zwei Veranlagungsjahren hintereinander Steuern von fast 15 Millionen Euro hinterzogen. Das Urteil lautete auf stolze achteinhalb Jahre Gefängnis. Die Strafe verbüßt der Ex-Banker in der Justizvollzugsanstalt München Stadelheim, mittlerweile als Freigänger.

Opfer

Die Münchner Staatsanwaltschaft sagte schon im Juni 2012 im Plädoyer im Gribkowsky-Prozess, Ecclestone sei nicht Opfer einer Erpressung durch den Banker, wie er es in seiner Zeugenaussage dargestellt hatte, sondern Mittäter einer Bestechung. Auch der Vorsitzende Richter Peter Noll sagte damals, Ecclestone sei die treibende Kraft gewesen. Mit seinem Charme, seiner Raffinesse, seiner wirtschaftlichen Potenz und seiner langen Erfahrung habe er Gribkowsky „ins Verbrechen geführt.“

Spekulationen

Gribkowskys damaliger Anwalt Rainer Brüssow deutete sogar ein Insichgeschäft an, bei dem der Kaufpreis künstlich gedrückt worden sein könnte: „Wer stand hinter CVC? Wer hatte die Zügel in der Hand?“, fragte Brüssow in seinem Plädoyer

Nachspiel

Gribkowsky selbst packte dazu erst nach seiner Verurteilung aus, als in den Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Ecclestone als Zeuge befragt wurde. In diesen Vernehmungen soll er auch erklärt haben, Ecclestone habe ihn als Beamten-Banker lächerlich gemacht, habe mithin gewusst, dass Gribkowsky ein Amtsträger war und dass er sich strafbar macht, wenn er ihn besticht.

Neue Anklage

Bis Mai 2013 dauerte es, bis die Staatsanwaltschaft München I die Anklageschrift gegen Ecclestone fertig hatte. Die Anklage wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue wurde ihm im Juli zugestellt und im Januar 2014 vom Landgericht München I zugelassen. Seit April steht Ecclestone nun tatsächlich in München vor Gericht. Am 9. Mai sieht er mit Gribkowsky den Mann im Zeugenstand, der ihm dies wesentlich eingebrockt hat.

Unter der Gürtellinie

Zuletzt, im November 2011, war es umgekehrt. Da war Ecclestone als Zeuge im Gribkowsky-Prozess aufgetreten. Und da hatte er den Angeklagten tatsächlich lächerlich gemacht, als eitlen Banker, dem die Formel 1 zu Kopf gestiegen sei, als kopflosen Geschäftsmann, als „Sauf-Kumpan“ von Ecclestones Ex-Frau Slavica und als Meister der subtilen Bedrohung: „Ich bin schon öfter 'durchgerüttelt' worden“, sagte Ecclestone, „aber noch nie so raffiniert wie von Gribkowsky“.

In dem war er wegen Bestechung mit 44 Millionen Dollar, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Am Ende der Befragung fehlte ihm gar die Erinnerung an einen Bestechungsversuch durch Ecclestone in Singapur noch weit vor jedem Mai 2005. Der Richter unterbrach entnervt, um seine „Contenance“ wiederzufinden.

Heute erklärt Gribkowsky seine Erinnerungslücken mit einer „inneren Distanz“, die er zu seinem eigenen Handeln aufgebaut habe und die ihm bei der Bewältigung der Vergangenheit immer wieder ein Schnippchen schlage. Er sei dabei, das Geschehene abzuhaken und sich ins Leben zurück zu kämpfen. Die von ihm gerade geforderte Zeugenaussage scheint ihn auf diesem Weg zurückzuwerfen: „Es ist mühsam und schmerzhaft, darüber zu sprechen“.

Richter Noll zeigt Verständnis, doch er lässt nicht locker. Das Gespräch am 17. Mai 2005 ist für ihn der Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens. Damals sagt Ecclestone „I will take care of you“ und stellte dem Banker viel Geld und einen Job in der Formel 1 in Aussicht. „Was war die Gegenleistung?“, fragt Noll den Zeugen. „Warum musste er Sie bestechen, wenn Sie sowieso verkaufen wollen? Warum muss er Sie gewogen machen, wenn Sie schon gewogen sind?“.

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