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02.05.2014

17:05 Uhr

Ecclestone-Prozess

Entschleunigung im Gerichtssaal

VonJoachim Hofer

In der Formel 1 geht alles schnell, sehr schnell sogar. Wer bremst, verliert. Ganz anders im Landgericht München: Am zweiten Tag im Prozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone ringt die Justiz lange um viele Details.

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Korruptionsprozess: Ecclestones Anwälte wollen Anklage abwiegeln

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MünchenDieses Wochenende ist Pause, die Formel Eins gönnt sich eine kurze Auszeit, es findet kein Rennen statt. Bernie Ecclestone freilich kommt dennoch nicht zur Ruhe. In München muss sich der Chef der Rennserie an diesem Freitag erneut vor Gericht verantworten. Es ist der zweite Tag in dem spektakulären Bestechungsprozess gegen den Briten, und wie schon zum Auftakt vorige Woche verfolgt der 83-Jährige das Geschehen hoch konzentriert und interessiert. Dabei ist die Vernehmung der ersten Zeugen eine echte Geduldsprobe für alle Beteiligten.

Die Münchener Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmer Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall vor. Den Strafverfolgern zufolge soll Ecclestone dem bayerischen Banker Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar gezahlt haben. Der ehemalige Vorstand der Bayern LB sollte im Gegenzug dafür sorgen, dass die Formel Eins im Jahr 2006 an Ecclestones Wunschpartner CVC verkauft wird. So wollte der Engländer den Juristen zufolge seine Macht in der Rennserie erhalten.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Die Zahlung selbst ist unstrittig. Doch der Angeklagte bestreitet die Bestechungsvorwürfe, er sieht sich vielmehr als Erpressungsopfer. Das Gericht muss nun klären, für was die Millionen denn nun flossen: Als Bestechungsgeld, wegen Erpressung, oder war es am Ende sogar der Lohn für Beratungsleistungen?

An diesem Freitag schweigt der Unternehmer Ecclestone. Am Morgen berichtet stattdessen zunächst die Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl von einer Befragung des Angeklagten im Zuge der Ermittlungen gegen Gribkowsky. Sie schildert über eine Stunde lang, wie Ecclestone sein Gegenüber aus München als dreist und anmaßend empfand. Der Brite habe von „Blackmail“ gesprochen, also von Erpressung durch den Landesbanker. Dabei sei er aber sehr vage in seinen Ausführungen geblieben. „Wir haben versucht das herauszuarbeiten, aber es ist uns nicht genauer gelungen", erklärte die Juristin.

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