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28.05.2014

17:44 Uhr

Ecclestone-Prozess

Zeuge nennt Gribkowsky einen cholerischen Chef

Zwei Tage lang hatte ein BayernLB-Angestellter im Prozess gegen Formel-1-Boss Ecclestone das Wort. Ecclestones Verteidigern geht es um Gribkowskys Persönlichkeit: Dessen Glaubwürdigkeit spielt eine entscheidende Rolle.

Wutausbruch am Telefon: Gerhard Gribkowsky habe den Zeugen derart „zusammengeschissen“, dass er nicht mehr gewusst habe, wo vorne und hinten ist. dpa

Wutausbruch am Telefon: Gerhard Gribkowsky habe den Zeugen derart „zusammengeschissen“, dass er nicht mehr gewusst habe, wo vorne und hinten ist.

MünchenEin cholerischer Chef mit Hang zur Angeberei: Ein Mitarbeiter der BayernLB hat dem früheren Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Am zweiten Tag seiner Zeugenvernehmung im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vor dem Landgericht München erzählte der Bankangestellte den Richtern von einem gewaltigen Wutausbruch seines früheren Chefs. Dabei habe Gribkowsky ihn und seinen Kollegen am Telefon derart „zusammengeschissen“, dass er nicht mehr gewusst habe, wo vorne und hinten ist. „Er war ein cholerischer Vorgesetzter“, sagte der Zeuge am Mittwoch.

Ecclestones Verteidiger hörten sich diese Beschreibungen des einstigen Landesbank-Vorstandes interessiert an. „Mir geht es um die Persönlichkeit des Dr. Gribkowsky“, sagte Verteidiger Sven Thomas. Am Dienstag hatte der BayernLB-Angestellte Gribkowsky bereits einen Hang zum Geschichtenerzählen bescheinigt und gesagt, dass ihm der Chef deshalb manchmal peinlich war. Gribkowsky hatte Ecclestone beschuldigt, ihm 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt zu haben, was der Formel 1-Chef bestreitet und von Bedrohungen des Bankers spricht. Gribkowskys Glaubwürdigkeit spielt deshalb im Prozess eine wichtige Rolle.

Die BayernLB und die Hypo Alpe Adria

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der früheren Kärntner Landesbank.

7. Mai 2008

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28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

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14. Dezember 2009

Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll in Österreich verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3,7 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbands. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweggesetzt.

19. Juni 2012

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Das Gericht schlägt einen Vergleich in Höhe von 25 Millionen Euro vor. Das lehnt die BayernLB später ab.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legte Berufung ein.

4. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt mit sofortiger Wirkung alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst darauf.

7. August 2013

Das Landgericht München lässt die Anklage gegen die ehemaligen Vorstände im zentralen Punkt des HGAA-Fehlkaufs nicht zu. Die Staatsanwaltschaft legt umgehend Beschwerde dagegen ein.

8. August 2013

Bei der Aufarbeitung des Milliarden-Fehlkaufs entbrennt ein handfester Justizstreit. Die Staatsanwaltschaft wehrt sich heftig gegen Kritik des Landgerichts, nicht ausreichend gegen ehemalige Verwaltungsräte der BayernLB vorgegangen zu sein.

24. Oktober 2013

Das Oberlandesgericht München folgt der Sichtweise der Staatsanwaltschaft und verfügt, dass die Anklage gegen die Vorstände - mit Ausnahme eines früheren Managers - zulässig ist.

27. Januar 2014

Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess gegen sieben ehemalige Vorstandsmitglieder der BayernLB wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen sich beim Kauf der HGAA über Bedenken hinweggesetzt und einen viel zu hohen Preis bezahlt haben.

Der Zeuge hatte in der BayernLB zusammen mit Gribkowsky an dem Verkauf der Formel-1-Mehrheit gearbeitet. Während der Verhandlungen soll der Vorstand Ecclestone auch einmal damit gedroht haben, ihn an der Spitze der Formel 1 abzusetzen. Gribkowsky habe eine derartige Bemerkung fallengelassen. „Ob im Gang oder auf dem Sitzungssaal, weiß ich nicht mehr.“

Ecclestones Verteidiger äußerten umgehend Zweifel an dieser Schilderung und wollen weitere Zeugen nach der angeblichen Drohung befragen. Die Anwälte gerieten immer wieder mit dem BayernLB-Mitarbeiter aneinander. Er setzte sich aber zur Wehr und bat darum, ihn nicht für dumm zu verkaufen. Auch der Richter Peter Noll rief die Anwälte zur Mäßigung auf.

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