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19.05.2016

13:28 Uhr

Egypt-Air-Flug von Paris nach Kairo

Airbus mit 66 Menschen an Bord abgestürzt

Ein Egypt-Air-Passagierflugzeug mit 66 Menschen an Bord ist über dem Mittelmeer abgestürzt. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar – Rettungskräfte haben jedoch nun Hinweise auf den Absturzort bekommen.

Vermisstes Egypt-Air-Flugzeug

Valls: „Bis jetzt kann man nichts ausschließen“

Vermisstes Egypt-Air-Flugzeug: Valls: „Bis jetzt kann man nichts ausschließen“

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KairoDas vermisste ägyptische Passagierflugzeug ist nach Angaben der ägyptischen Regierung abgestürzt. Dies hätten erste Suchergebnisse ergeben, heißt es aus Kreisen des Luftfahrtministeriums in der ägyptischen Hauptstadt. Ersten Berichten zufolge soll sich die Absturzstelle kurz vor der griechischen Insel Karpathos befinden. Darauf deuten Informationen der griechischen Luftüberwachung hin. Die Absturzursache sei noch unklar.

Es könne sich sowohl um technisches Versagen als auch einen Terroranschlag handeln. Das Flugzeug der Airline Egypt-Air war am späten Mittwochabend mit 66 Menschen an Bord von Paris aus nach Kairo gestartet. Der Kontakt brach nach Angaben der Fluggesellschaft 280 Kilometer vor dem ägyptischen Festland ab.

Nach Egypt-Air-Angaben gab die Passagiermaschine ein automatisches Notsignal ab, dieses hätten Rettungskräfte des Militärs um 4:26 Uhr erhalten. Die Armee bestritt jedoch, Notrufmitteilungen bekommen zu haben. Die Maschine war gegen 2.30 Uhr vom Radar verschwunden. Zuvor hatte die Fluggesellschaft von 2.45 Uhr gesprochen. Eigentlich sollte die Maschine um 3.15 Uhr in der früh in Kairo landen. Der Airbus habe sich auf einer Höhe von mehr als 11.000 Metern befunden und war gerade erst etwa 16 Kilometer in den ägyptischen Luftraum vorgedrungen.

Das ist die Fluggesellschaft Egypt-Air

Staatliche Fluggesellschaft

Egypt-Air ist die staatliche Fluggesellschaft Ägyptens. Die Airline ist seit 2008 Teil des internationalen Luftfahrtbündnis Star Alliance, zu dem auch die Lufthansa gehört.

Flotte

Die Gesellschaft betreibt eine Flotte aus rund 80 Maschinen und fliegt vor allem mit modernen Flugzeugen der großen Hersteller Boeing und Airbus.

Alter der Maschinen

Das Durchschnittsalter der Flieger lag laut Egypt-Air zuletzt bei rund 10 Jahren. Damit liegt die Airline im üblichen Rahmen, bei der Lufthansa sind die Maschinen im Schnitt ein wenig älter, bei Emirates etwa deutlich jünger.

Modelle

Das häufigste Muster ist die Boeing 737 mit 20 Flugzeugen, gefolgt vom Airbus A320 mit 13 Maschinen.

Geschichte

Die Fluglinie wurde im Mai 1932 gegründet und war nach eigenen Angaben damit die erste Airline im Nahen Osten und in Afrika.

In den Schlagzeilen

In die Schlagzeilen geriet Egypt-Air Ende März, als ein Mann mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels einen Flieger nach Zypern entführte – die Tat hatte keinen terroristischen Hintergrund, niemand wurde verletzt.

Quelle: dpa

In Kairo wurde ein Krisenstab eingerichtet. Das Luftfahrtministerium teilte mit, der ägyptische Ministerpräsident Scherif Ismael sei im Hauptquartier des Krisenstabes eingetroffen und mache sich ein Bild von der Lage. Er habe alle betroffenen Behörden angewiesen, alles Mögliche zur Lösung der Krise zu tun.

Egypt-Air gab auch die Nationalitäten der gelisteten 56 Passagiere des vermissten Flugs MS804 bekannt. Deutsche standen nicht auf der via Twitter veröffentlichten Liste. 30 Menschen – und damit der Großteil – kamen aus Ägypten, 15 sind Franzosen, außerdem 2 Iraker. Laut Egypt-Air waren zudem ein Brite, ein Belgier und ein Portugiese an Bord gelistet. Hinzu kommt jeweils ein Passagier aus Kanada, Kuwait, Saudi-Arabien, dem Sudan, dem Tschad und Algerien.

Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommunikation nachgezeichnet. Diese endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland.

Flugroute der abgestürzten Maschine

Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommunikation nachgezeichnet. Diese endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland.

Außerdem befanden sich offiziellen Angaben zufolge 7 Crewmitglieder und drei Sicherheitsleute an Bord. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es bislang keine Hinweise auf deutsche Opfer. Man bemühe sich darum, bei den Behörden in Frankreich und Ägypten Gewissheit darüber zu bekommen.

Angaben aus Kairoer Behördenkreisen zufolge entsandte die Armee Flugzeuge, um das Gebiet der mutmaßlichen Unfallstelle über dem Mittelmeer abzusuchen. Auf der Internetseite Flightradar24 ist die Flugroute bis zum Abbruch der Kommunikation nachgezeichnet. Diese endet abrupt über dem Mittelmeer zwischen Kreta, Zypern und dem ägyptischen Festland. Auch zwei Flugzeuge der griechischen Luftwaffe und eine griechische Fregatte nehmen laut griechischen Medienberichten an der Suche nach dem vermissten Flieger teil. Die Suchaktion sei mit den ägyptischen Behörden vereinbart worden, hieß es.

Zu Ursache gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Der ehemalige Leiter der französischen Flugunfallbehörde, Jean-Paul Troadec, wies darauf hin, dass die Crew offenbar keinen Notruf absetzte, bevor die Maschine vor den Radarschirmen verschwand. Bei technischen Problemen, einem Triebwerkschaden oder einem Brand bleibe aber normalerweise genügend Zeit zu reagieren, sagte Troadec. Auch der Luftfahrtexperte Gérard Feldzer hält ein technisches Problem als Ursache für den Absturz für wenig wahrscheinlich.

Nach seinen Angaben war der Airbus A320 seit 2003 im Dienst und damit noch „relativ neu“, er stürzte während des Flugs unter „außerordentlich stabilen Bedingungen“ ab. Auch an der Qualität seiner Wartung gebe es keinen Zweifel. Die für Mittelstreckenflüge eingesetzten Maschinen dieses Typs gälten als ausgesprochen sicher, sagte Feldzer. Alle 30 Sekunden setze ein A320 irgendwo in der Welt zum Start oder zur Landung an.

Absturz, Anschlag, Entführung – Dramen in Ägyptens Luftverkehr

März 2016

Ein Airbus der ägyptischen Gesellschaft Egyptair wird auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo entführt und landet auf dem Flughafen von Larnaka auf Zypern. Stunden später lässt der ägyptische Luftpirat alle Geiseln frei und gibt auf. Unklarheit herrscht bis zuletzt über das Tatmotiv. Zyprische Regierungsvertreter schließen einen Terrorhintergrund aus.

Oktober 2015

Ein russischer Airbus stürzt nach dem Start vom Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel ab. Alle 224 Insassen kommen ums Leben. Eine ägyptische Untersuchungskommission erklärt im Dezember, sie sehe keine Hinweise auf einen Terrorakt. Russland geht jedoch weiterhin von einem Anschlag aus. Auch Regierungen im Westen erklären, ein Attentat sei wahrscheinlich. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekennt sich zu einem Anschlag.

September 2014

Beim Absturz einer militärischen Transportmaschine nahe der Oase Al-Fajumin südöstlich von Kairo werden sechs Soldaten getötet. Als Ursache nennt ein Armeesprecher technische Defekte.

Januar 2012

Sicherheitskräfte am Flughafen Kairo finden an Bord eines libyschen Flugzeuges eine Gasbombe. Der Sprengsatz wird entschärft. Wäre er explodiert, hätte es eine „Katastrophe“ gegeben, sagt ein Flughafensprecher. Die Maschine war mit der Bombe im Handtuch-Fach der Bordtoilette von Tripolis nach Kairo geflogen.

Januar 2004

Beim Absturz einer Boeing 737 der ägyptischen Gesellschaft Flash Airlines über dem Roten Meer vor Scharm el Scheich kommen alle 148 Insassen ums Leben, darunter 135 Urlauber aus Frankreich. Als Ursachen für das Unglück gelten eine technische Panne kurz nach dem Start und Sicherheitsmängel der Billig-Airline.

Oktober 1999

Vor der US-Ostküste wird eine Boeing 767 der Egyptair mit 217 Menschen an Bord vermisst. Radardaten ergeben, dass die Maschine aus 10 000 Metern auf die halbe Höhe absackte, wieder auf 7300 Meter hochkam und schließlich in die See stürzte. US-Ermittler vermuten, dass der ägyptische Ersatzpilot die Maschine in Selbstmordabsicht abstürzen ließ. Niemand überlebt.

In den vergangenen Monaten gab es im Zusammenhang mit Ägypten mehrere Vorfälle im Luftverkehr. Ende März hatte ein Mann mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels eine Egypt-Air-Maschine nach Zypern entführt. Niemand wurde verletzt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen getötet wurden, hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

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