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06.06.2011

15:43 Uhr

Ehec-Chaos

Keine Keim-Befunde auf ersten Sprossen-Proben

Den Ehec-Ermittlern droht der nächste potenzielle Keimträger abhanden zu kommen: Erste Proben der verdächtigen Sprossen waren ohne Befund. Die Untersuchungen dauern an - und leiden unter Zuständigkeitschaos.

Eine Bohnensprosse: Die Wurzel allen Übels? Quelle: Reuters

Eine Bohnensprosse: Die Wurzel allen Übels?

Berlin/Hannover/LuxemburgErste Laborproben haben den Ehec-Verdacht auf einem Biohof in Niedersachsen nicht untermauert. 23 von 40 Sprossenproben aus dem Betrieb im Kreis Uelzen seien EHEC-frei, teilte das niedersächsische Verbraucherministerium am Montag in Hannover mit. Die übrigen 17 Proben würden weiter untersucht.

„Aufgrund der bisherigen Erfahrungen bei der Untersuchung eines Teiles der Proben (insbesondere der Saaten) gehen wir davon aus, dass intensive analytische Anstrengungen unternommen werden müssen, um den vermuteten Erreger zweifelsfrei nachweisen zu können“, hieß es aus dem Ministerium. Die Suche gestalte sich schwierig, weil seit dem Ausbruch der Epidemie schon mehrere Wochen vergangen seien.

Die weitere Bearbeitung erfolge zusammen mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. Ein kurzfristiger Abschluss der Untersuchungen sei nicht zu erwarten. Das Untersuchungsergebnis einer älteren Sprossenpackung, die in Hamburg aufgetaucht war, soll am Dienstag vorliegen.

Kommentar: Bakterium bringt Bahr in die Defensive

Kommentar

Bakterium bringt Bahr in die Defensive

Daniel Bahr ist erst kurz im Amt des Bundesgesundheitsministers - und stößt schon an seine Grenzen. Wenn er in der Ehec-Krise nicht bald Führungsstärke zeigt, wird der Schaden immens sein. EIN KOMMENTAR VON FLORIAN KOLF

Bundesweit für Schlagzeilen sorgt ein Landesagrarminister nur selten. Doch mit der, mittlerweile vielleicht sogar wieder falschen, Spur zu Sprossen im Kreis Uelzen rückt Niedersachsens Ressortchef Gert Lindemann (CDU) mitten in der Ehec-Krise in den Fokus. Wer in Deutschland hat eigentlich beim Kampf gegen Ehec das Sagen? Neben den Ländern sind es mehrere Bundesinstitute und die Bundesregierung - Zweifel an der Durchschlagskraft dieses vielköpfigen Krisenmanagements wachsen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält es für „unglücklich“, dass einzelne Landesminister mit Befunden vorpreschen, wie sein Gesundheitsexperte Stefan Etgeton in einem Interview sagt. „Ich hätte mir gewünscht, die Information wäre vom Robert Koch-Institut ausgegangen.“ Die Grünen meinen sogar, bei mehr Koordination hätte der Erreger früher gefunden werden können.

Andere haben aber auch die obersten Seuchenbekämpfer vom RKI am Berliner Nordufer selbst im Visier. Das Universitätsklinikum habe erst spät Fragebögen für die Patienten bekommen, schimpft der Ärztliche Direktor der Berliner Charité, Ulrich Frei. Es sei auch nicht erkennbar, was das RKI erarbeite. Die fachliche Qualifikation der RKI-Leute steht hingegen wohl außer Zweifel. „Das sind wirklich die Besten, die wir in Deutschland haben“, sagt der Mikrobiologe Alexander Kekulé aus Halle im NDR.

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Etwa einer von zehn mit EHEC infizierten Patienten entwickelt das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS). Gegen die schwere Komplikation gibt es noch kein Mittel - aber man kann die Symptome erfolgreich behandeln

Doch klar ist: Gegen Ehec wird an vielen Fronten gekämpft - mit einer wenig übersichtlichen Aufteilung der Zuständigkeit. Die Verzehrwarnungen für Rohkost im Norden haben das RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) herausgegeben. Das RKI untersteht dem Ressort von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und „bewertet, analysiert und erforscht dabei Krankheiten von hoher Gefährlichkeit“, wie es offiziell heißt. Das BfR hingegen hat unter Federführung des Hauses von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) den Auftrag, „über mögliche, identifizierte und bewertete Risiken zu informieren“.

Doch wie kommen die Informationen zusammen? Das RKI schickte Mitte Mai die ersten Mitarbeiter nach Hamburg, um Ehec-Patienten zu befragen. Weitere Befragungen folgten. Von diesen RKI-Recherchen rühren die Warnungen vor rohen Gurken, Tomaten und Salat her - in weitgehender Übereinstimmung hatten die Leute das gegessen.

Kommentare (6)

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Willy.Wacker

06.06.2011, 15:36 Uhr

Nein so ist das nicht! Es sind die Neuen Waffen der AlKaida.

Fein, wirksam und flächendeckend. Jeder kann sie Züchten

Angsthasi

06.06.2011, 16:03 Uhr

sind das die Vorboten von Harold Camping's Weltuntergangs-Szenario? Nicht doch - ich hatte mit meiner Frau schon etliche EHECrisen. Das legt sich wieder ;-)

Unerfahrener.Politiker

06.06.2011, 19:20 Uhr

Meine Vorkommentatoren scheinen die Sachlage leider nicht so ernst zu nehmen. Leider gibt es immer noch betroffene Menschen, manche sind sogar daran gestorben. Zynismus und Sarkasmus sind also fehl am Platz. Das so etwas allerdings erst entstehen kann, liegt an der planlosen Koordination auf Länderebene und Bundesebene.

Sowohl D. Bahr als auch I. Aigner scheinen kaum Erfahrung zu haben auf Bundesebene unsere förderalsitischen Bundesländer zu führen.

Da wurschtelt jeder vor sich hin und publiziert, wie es zufällig passen könnte. Kein Wunder, dass die Bevölkerung immer mehr verunsichert wird und bald keine rohen heimischen Produkte kaufen oder gar verzehren wird.

Wo ist der hohe Standard unserer Produkte? Lückenlose Rückverfolgung von der Herstellung bis ins Kaufregal. Das ist doch alles gesetzlich geregelt!? Da ist um es auch mal sarkastisch auszudrücken, für Bakterien überhaupt nicht mehr möglich noch einen Platz zu finden. Spätestens seit den letzten Fleisch- und Ei-Skandalen wissen wir, dass die Ministerien viel Steuergeld verschlingen, aber höchst ineffizient arbeiten!

Mein höchster Respekt gilt allen Helfern, Ärzten, Kranken- und Pflegepersonal sowie allen Wissenschaftlern und deren Assistenten, die EHEC bekämpfen.

Politiker aller Couleur sollten sich hier ein Beispiel nehmen!

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