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29.05.2011

19:27 Uhr

EHEC-Epidemie

EHEC-Welle in Deutschland größter Ausbruch weltweit

Die Zahl der EHEC-Toten in Deutschland steigt weiter an. Hamburger Mediziner setzen nun auf eine neue Behandlungsform. Die EU-Gesundheitsbehörde gibt inzwischen eine dramatische Warnung ab.

Petrischale mit harmlosen Darmbakterien. Der EHEC-Erregerstamm ist vom Typ "HUSEC 41".  Quelle: dapd

Petrischale mit harmlosen Darmbakterien. Der EHEC-Erregerstamm ist vom Typ "HUSEC 41". 

Berlin/Hamburg/Kiel/Sevilla Die Zahl der EHEC-Toten ist am Wochenende auf zehn gestiegen. Alle Opfer stammten aus Norddeutschland. Viele Patienten liegen in äußerst kritischem Zustand auf der Intensivstation. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bekräftigte am Sonntag die Warnung vor dem Verzehr von rohen Gurken, Tomaten und Salat. Bundesregierung, Länder und Behörden wollen die Ausbreitung des Darmkeims an diesem Montag in einem Spitzentreffen in Berlin beraten. 

„Die Lage ist ausgesprochen ernst“, sagte Prof. Jörg Debatin, Vorstandschef des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). „Wir werden weitere Menschen verlieren.“ Von den rund 80 Patienten liegen vier Kinder und 14 Erwachsene auf der Intensivstation. Insgesamt haben 30 HUS-Erkrankte keine Nierenfunktion mehr, wie Debatin berichtete. HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, die besonders schwere Verlaufsform der EHEC-Infektion. 

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1200 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert, in Hamburg bis Samstag 467. 

„Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand“, sagte Aigner der „Bild am Sonntag“. In einer Emnid-Umfrage für das Blatt gaben 58 Prozent der Befragten an, derzeit auf ungekochte Gurken, Tomaten und Salat zu verzichten. Die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) lässt unterdessen das Gemüse seiner Mitglieder im Labor untersuchen. Bislang seien dabei keine EHEC-Bakterien gefunden worden, berichtete der Verband in Bonn. 

Die Tests haben nach Ansicht der Bundesregierung allerdings bislang insgesamt nur begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der Sicherheit. Derzeit sei noch nicht bekannt, an welchem Punkt der Lebensmittelkette die Kontamination der Waren stattgefunden habe, sagte der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums, Holger Eichele, der dpa in Berlin. Unklar sei auch noch, ob die bisher gefundenen EHEC-Erreger auf spanischen Gurken von einer Kontamination bei der Erzeugung herrührten. Daher seien die Sicherheitsaussagen durch Tests auf der Erzeugerseite noch von begrenzter Aussagekraft. 

In Mecklenburg-Vorpommern fanden Lebensmittelkontrolleure bei drei Gurken Hinweise auf eine EHEC-Belastung, der Erreger selbst wurde aber bislang nicht nachgewiesen. Dieser Test kann nach Angaben von Landesverbraucherschutzminister Till Backhaus (SPD) noch bis Mitte der Woche dauern. Woher die in Lebensmittelläden und Gaststätten sichergestellten Gurken stammten, wollte der Minister nicht sagen. 

Kommentare (11)

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Nachdenker

28.05.2011, 16:36 Uhr

Früher lernten bei uns die Kinder:
"Vor dem Essen, nach dem Klo - Hände waschen nicht vergessen!"

Dann läufts auch mit dem EHEC und sonstigen Keimen.
Leider scheinen solch elementare Dinge aus der Mode gekommen zu sein.

ABLENKUNG

28.05.2011, 22:30 Uhr

Zur Abwechslung wird eine Bakterien Sau ( statt Virus )durchs Dorf getrieben um das Pöbel von den wirkliche Problemen abzulenken.
Zusammenbruch der EU und des Dollars !!!
Goodbye mit eurer Altersvorsorge !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Account gelöscht!

29.05.2011, 07:01 Uhr

Eine sachliche und umfassende Aufklärung zu dem Thema findet sich hier: http://www.lgl.bayern.de/gesundheit/ehec.htm

Leider werden durch manche Boulevardblätter und teils auch im TV die Dinge hysterisiert (diesen Bericht des HB klammere ich ausdrücklich dabei aus!.

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