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11.06.2011

09:46 Uhr

Ehec-Fahndung in NRW

Verdächtige Sprossen an Behörden übergeben

Für die EHEC-Fahndung sollen Verbraucher auch weiterhin verdächtige Sprossenpackungen an die Behörden übergeben. Dazu rief NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in einem WDR-Interview auf.

Eine Packung mit Sprossen aus einem Betrieb in Bienenbüttel. Quelle: dpa

Eine Packung mit Sprossen aus einem Betrieb in Bienenbüttel.

Düsseldorf/Den Haag/BerlinKurz zuvor wurde auf Sprossen aus einem Mülleimer in Königswinter bei Bonn erstmals der gefährliche EHEC-Typ O104 nachgewiesen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum dieser Sprossen war der 14. Mai. Remmel sagte, es sei zwar wahrscheinlich keine Ware aus dieser Zeit mehr im Verkehr. „Aber wir wollen darauf hinweisen, dass man sich die Waren mit hoher Aufmerksamkeit anschaut und die Tüten zu den Gesundheits- oder Veterinärbehörden bringt.“ Remmel bedankte sich bei dem Familienvater, der die Sprossen übergeben hatte. Er hatte keine Sprossen gegessen und blieb gesund, während seine Frau und seine Tochter schwer erkrankten.

Das ist für die Behörden das wichtigste Indiz, dass die Sprossen schon mit EHEC verseucht waren, als sie gekauft wurden, und die Erreger nicht erst im Müll in die Tüte gelangten. Die Lieferkette vom verdächtigen Biohof in Niedersachsen nach Königswinter sei weiter unklar, sagte Remmel. „Darüber wissen wir zurzeit nichts, weil die beiden, die wir fragen könnten, so schwer erkrankt sind, dass sie nicht befragbar sind.“

Unterdessen sind in den Niederlanden bei einem weiteren Agrarbetrieb EHEC-Bakterien auf Sprossen von Roter Bete entdeckt worden. Wie bei dem ersten Fund vor wenigen Tagen handele es sich aber nicht um den gefährlichen Typ O104:H4, der die Infektionswelle in Deutschland ausgelöst habe, teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag am Samstag mit. Es ordnete zugleich die Vernichtung der betroffenen Sprossen beim Lieferanten sowie im Handel an. Zur Warnung für Verbraucher veröffentlichte die zum niederländischen Agrarministerium Haag gehörende Behörde für Lebensmittel und Warenprüfung (VWA) auf ihrer Website Etiketten der betroffenen Sprossen-Produkte. Um welchen konkreten EHEC-Typ es sich dabei handelt, blieb zunächst unklar.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos setzt indes nach der Teil-Entwarnung bei EHEC wieder auf eine steigende Gemüse-Nachfrage der Verbraucher. „Ich hoffe, dass der Markt sich schnell wieder erholt“, sagte Ciolos. Der Kommissar begrüßte die Aufhebung der Verzehrwarnung für Gurken, Tomaten und Salat in Deutschland. „Das ist ein klares Signal für die Verbraucher, auf der Grundlage von wissenschaftlichem Sachverstand, dass sie diese Produkte wieder ohne Bedenken essen und genießen können.“

Der Agrarkommissar bekräftigte, die Kommission wolle Gemüsebauern eine schnelle Entschädigung für Ausfälle als Folge der EHEC-Krise zusichern. Er setze darauf, dass die EU-Mitgliedstaaten am nächsten Dienstag grünes Licht für das 210-Millionen-Euro-Hilfspaket der Europäischen Kommission geben. „Dann könnten wir die ersten Hilfen im Juli abwickeln und auszahlen.“ Erzeuger von Gurken, Tomaten, Salat, Zucchini und Paprika könnten bis zu 50 Prozent des durchschnittlichen Juni-Marktpreises als Entschädigung erhalten, Mitglieder von Erzeugerorganisationen sogar bis zu 70 Prozent.

Von

dpa

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