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03.05.2011

12:46 Uhr

Ehemaliger BVB-Präsident

Staatsanwaltschaft erhebt Klage gegen Gerd Niebaum

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat Anklage gegen den Rechtsanwalt und früheren Präsidenten von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, erhoben. Dem Juristen werden Betrug und Untreue vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Juristen und ehemaligen BVB-Präsidenten Gerd Niebaum. Quelle: dpa/picture alliance

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Juristen und ehemaligen BVB-Präsidenten Gerd Niebaum.

DortmundNiebaum soll nach Immobilienkäufen Ende der 90er Jahre in Ostdeutschland zur Überbrückung von Engpässen ab 2005 Darlehen aufgenommen, die Banken aber nicht über das Ausmaß seiner Verbindlichkeiten informiert haben. Zudem habe er aus einem Nachlass, den er als Testamentsvollstrecker zu verwalten gehabt habe, mehr als 450.000 Euro als Darlehen entnommen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Dortmund mit. Niebaums Anwälte weisen die Vorwürfe zurück.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens muss jetzt das Gericht entscheiden. Die Frage sei, ob das Risiko kalkulierbar gewesen sei oder Schadensqualität habe. Darüber müsse nun die Wirtschaftsstrafkammer entscheiden, sagte Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. Niebaum-Anwalt Sven Thomas erklärte, es sei kein konkreter Schaden eingetreten. Die Kredite seien bis heute bedient und zwischen 2006 und 2011 neben den Zinszahlungen auch Tilgungen in der Größenordnung von mehr als 2,7 Mio. Euro erbracht worden.

Der Betrag aus der Testamentsvollstreckung sei inzwischen beim Amtsgericht hinterlegt. „Das Verfahren werde ergeben, dass Herr Dr. Niebaum zu dieser Darlehnsvergabe berechtigt war und ein Schaden ebenfalls nicht zu verzeichnen ist, wie bereits die vollständige Hinterlegung beweist“, erklärte Thomas in Düsselorf. Niebaum hatte bereits während der Ermittlungen im November 2009 den „Ruhr Nachrichten“ gesagt, er habe sich nichts zuschulden kommenlassen. Er arbeite kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Die Anklage geht nach Erklärung ihrer Sprecherin davon aus, dass Niebaum seinerzeit die Beträge aus eigenen Mitteln nicht fristgerecht zurückzuzahlen in der Lage war. Das Vermögen der geschädigten Banken und Klienten habe er bewusst in strafbarer Weise gefährdet. Die Schadenswiedergutmachung sei verspätet und unzureichend erfolgt. Das Darlehen aus dem Nachlass sei in diesem Jahr hinterlegt worden. Teilweise seien Bankdarlehen aber noch nicht beglichen. Die Rückzahlung habe 2008 eingesetzt.

Die Immobilienkäufe soll Niebaum Ende der neunziger Jahre getätigt haben. Die Käufe hätten einen hohen Liquiditätsbedarf zur Folge gehabt, der nach Auffassung der Anklage ab 2005 durch den Abschluss mehrerer Darlehnsverträge kurzfristig überbrückt werden musste. Banken hätten ihm Kredite von insgesamt rund einer Million Euro gewährt.

Niebaum wurde 1986 zum Präsidenten des BVB gewählt, als der Klub vor dem sportlichen und wirtschaftlichen Aus stand. Unter seiner Führung gewann Dortmund 1989 den DFB-Pokal, drei deutsche Meisterschaften, die Champions League sowie den Weltpokal, womit er zu den erfolgreichsten Vereinschef im europäischen Fußball zählt. Angesichts nachlassender sportlicher Erfolge und einer sich zunehmend verschlechternden finanziellen Situation geriet Niebaum ins Kreuzfeuer der Kritik und trat im November 2004 als Präsident zurück.

Der börsennotierte Verein war durch den Ausbau des Westfalenstadions zudem hoch verschuldet. Um den Einstieg von Investoren nicht zu gefährden, trat Niebaum im Februar 2005 auch als Vorsitzender der Geschäftsführung der KGaA zurück.

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