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10.03.2004

11:00 Uhr

Einflussnahme des Fernsehens

Erleichterungen in der deutschen Sprache

Nach Meinung diverser Experten wird die deutsche Sprache immer einfacher. Selbst grammatikalisch falsche Sätze wie: „Ich ess' jetzt noch einen Kuchen, weil ich habe Hunger“, werden zunehmend akzeptiert und sind sprachlich auf dem Vormarsch.

HB MANNHEIM. Der Einfluss des Fernsehens hat nach Ansicht einige Wissenschaftler einen sehr großen Anteil daran, dass das gesprochene Deutsch zunehmend einfacher wird. Die Sprache lasse immer mehr Variationen zu, die vom bisherigen Standard abwichen, sagte der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache, Prof. Ludwig Eichinger, am Rande einer Jahrestagung seines Instituts in Mannheim. An dem am Dienstag eröffneten Kongress nehmen 470 Sprachexperten aus 25 Ländern teil. Bis Donnerstag diskutieren sie über die Frage: „Wie viel Variation verträgt die deutsche Standardsprache?“

Als Beispiel für sprachliche Abweichungen nannte Eichinger den Satz: „Ich ess' jetzt noch einen Kuchen, weil ich habe Hunger.“ Schriftsprachlich werde ein solcher - grammatikalisch falscher - Satz noch nicht akzeptiert, in mündlicher Rede aber seien solche Konstruktionen auf dem Vormarsch. Dieses stütze auch die Vermutung, dass „die Bandbreite dessen, was in der Öffentlichkeit akzeptiert wird, wächst.“ Generell wirke sich die gesprochene Sprache aber immer stärker auch auf den Schriftstandard aus. Der „Duden“ nehme zunehmend von Mündlichkeit geprägtes Deutsch auf. Es sei wenig sinnvoll, die Standardsprache so eng zu normieren, dass neue sprachliche Varianten kaum zugelassen würden.

Für die meisten Sprachwissenschaftler sei die Aufweichung bisheriger Regeln kein Problem. „Dass der Standard ein wenig breiter wird, ist fast eine positive Entwicklung“, sagte Eichinger. „Wir bejammern nicht den Untergang des Abendlandes, sondern wir nähern uns der europäischen Wirklichkeit.“ In England zum Beispiel weiche die Sprechsprache schon seit langem stärker von der Schriftsprache ab.

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