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30.01.2005

15:00 Uhr

Einsingen der neuen Karnevalslieder

„Das gibt es nur in Köln“

Als sich Georg Hinz und sein Freundeskreis vor sieben Jahren in einer Kölner Küche mit Textzetteln bewaffnet fit für die neuen Lieder der Session machte, ahnte er noch nicht, was daraus entstehen könnte.

HB KÖLN. „Für zwei Jahre waren wir zu Hause rund 30 Leute und haben die neuen Lieder eingeübt“, erinnert sich der 39-Jährige. Bald war die Küche zu klein und Hinz wich in seine Stammkneipe aus. Dort bekamen auch die anderen Gäste die Textzettel. „Etwa drei bis vier Leute sind gegangen und der Rest hat mitgesungen und stand zum Schluss auf den Tischen“, sagt der Musik-Redakteur beim Kölner Domradio des Erzbistums. Das war der Start einer Erfolgsgeschichte.

Der Insider-Tipp wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda weitergeben. Mittlerweile kann Hinz, der den Mitsing-Spaß „Los mer singe“ (www.lossmersinge.de) zusammen mit seinem Freund Lutz Langel organisiert, den vielen Anfragen von Kölner Kneipenbesitzern nicht mehr nachkommen. Das Einsingen erklingt inzwischen in 17 Kölner Gaststätten. 2004 und 2005 erklangen erstmals auch in der Berliner Kneipe „Ständige Vertretung“ - Zufluchtstätte vieler Rheinländer in der Hauptstadt - jecke Töne. „Anfragen gibt es von Kneipen aus ganz Deutschland“, sagt Hinz. Sogar Interesse aus New York soll es schon gegeben haben.

Rund drei Stunden wird die Auswahl von 20 Liedern der neuesten Karnevalshits präsentiert. Hinz - nach eineinhalb Stunden vollends zur Hochform aufgelaufen - gibt Regieanweisung zum Unterhaken. „Wir müssen nun prüfen, wie schunkelbar das kommende Lied ist“, ruft er über Mikro den Gästen in der Szene-Kneipe „Backes“ als kollektives Kneipenziel entgegen. „Ich mache das jedes Jahr mit. Und es ist immer supertoll“, sagt eine mit Luftschlangen behangene blonde Kölner Mitzwanzigerin mit dem Namen Petra.

„Das gibt es nur in Köln. Hier existiert eine Liedkultur, die generationsübergreifend und auch milieuübergreifend ist“, erklärt Hinz. Kneipen-Wirt Frank meint: „Das ist eine schöne Veranstaltung und die Stimmung ist gut. Obendrein tut man was für das kölsche Brauchtum.“ Zum Schluss können die Gäste ihren Favoriten unter den vorgestellten Liedern wählen.

„400 Menschen singen in der Kölner Südstadt zusammen“, resümiert Hinz bei Hochstimmung im „Backes“. Gegenüber im „Viertel“ schunkeln sich ebenfalls die Menschen in der knallvollen Kneipe in Richtung Karneval. Eines ist klar: Die Gäste haben die wichtigsten neuen Lieder für den Kneipengesang am Rosenmontag gehört - und vielleicht auch schon gelernt.

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