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12.01.2010

16:59 Uhr

Einsturz

Prozess um Reichenhaller Sporthalle wird neu aufgerollt

Der Prozess um den Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall vor vier Jahren muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob in einem am Dienstag verkündeten Urteil den Freispruch eines Bauingenieurs auf.

Die Eissporthalle in Bad Reichenhall war am 2. Januar 2006 unter einer schweren Schneedecke eingestürzt. dpa

Die Eissporthalle in Bad Reichenhall war am 2. Januar 2006 unter einer schweren Schneedecke eingestürzt.

HB KARLSRUHE. Das Urteil des Landgerichts Traunstein sei fehlerhaft, hieß es. Das Gericht muss jetzt von neuem klären, ob der Ingenieur für das tragische Unglück, bei dem vor 15 Menschen starben, mitverantwortlich ist. (Az.: 1 StR 272/09)

Das Dach der Eissporthalle in dem bayerischen Ort war am 2. Januar 2006 unter der Last einer tonnenschweren Schneedecke zusammengebrochen. Unter den Toten waren zwölf Kinder und Jugendliche. Sechs Besucher erlitten schwere Verletzungen. Das Personal hatte die Halle um 16.00 Uhr schließen wollen, weil der Wetterdienst weitere schwere Schneefälle für diesen Tag vorhergesagt hatte. Um 15.55 Uhr stürzte das Dach jedoch ein. Grund war nach den Feststellungen des Landgerichts, dass die 1972 errichtete Dachkonstruktion aufgrund von Bau- und Konstruktionsfehlern und wegen ihres Alters die Schneelast nicht tragen konnte. So war unter anderem wasserlöslicher Leim verwendet worden.

Dem Bauingenieur wird vorgeworfen, ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Sachverständigengutachten nicht ordentlich ausgeführt zu haben. So habe er sich nur einen der Dachträger genau angesehen, die anderen aber nur per Teleobjektiv, heißt es in dem Urteil des Landgerichts. Daher habe er offene Fugen und brüchige Verleimungen nicht gesehen und dementsprechend in seinem Gutachten geschrieben, die Halle sei in einem allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand.

Das Landgericht hatte dem Ingenieur 2008 zwar eine Pflichtverletzung bescheinigt, ihn letztendlich jedoch freigesprochen. Das Gericht hatte Zweifel, dass die Stadtverwaltung bei einem sachgerechten Gutachten tätig geworden sei und so das Unglück verhindert worden wäre, hieß es. Gegen diese Beurteilung hatten Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Revision eingelegt.

Ein zweiter Bauingenieur, der das Flachdach entworfen und dessen Bau überwacht hatte, war vom Landgericht Traunstein zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Seine Verurteilung ist rechtskräftig. Ein Architekt war freigesprochen worden.

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