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02.09.2012

15:36 Uhr

Eisbär im Museum

Ausgestopfter Knut soll Illusionen zerstören

Knuddelig, tapsig, liebenswert: So war Knut nur zu Beginn seines vierjährigen Lebens. Zuletzt war er ein ausgewachsenes Raubtier - und genauso wollen die Präparatoren im Berliner Naturkundemuseum ihn auch darstellen.

So sah Knut 2007 aus. dpa

So sah Knut 2007 aus.

BerlinRund zweieinhalb Jahre nach seinem Tod soll Eisbär Knut Ende nächsten Jahres als Präparat im Berliner Naturkundemuseum zu sehen sein. Im Jahr darauf soll er in einer Dauerausstellung zum Thema „Wert der Natur“ zu sehen sein. Doch Erwartungen von Knut-Fans, die ein niedliches Tier sehen wollen, wird das Museum nicht erfüllen. „Es ist ja nicht der kleine kuschelige Eisbär, den jeder gern mit ins Bett nehmen möchte, gestorben. Knut war ja ein vierjähriges Tier, dessen Fell gerade vom Winter- zum Sommerfell wechselte“, sagte Generaldirektor Prof. Johannes Vogel der Nachrichtenagentur dpa. „Viele Leute haben bestimmte Vorstellungen von dem, was Knut ist. Wir werden es vielen nicht recht machen können.“

Mehr als elf Millionen Menschen hatten den Eisbärstar im Berliner Zoologischen Garten zu Lebzeiten besucht. Nach dpa-Informationen wird eine Bronzeplastik des Publikumslieblings Mitte September neben der Zoo-Anlage aufgestellt, auf der er am 19. März 2011 plötzlich an den Folgen einer Virusinfektion starb.

Problemfaktor bei der Präparation ist Knuts Fell. Der Rindenmulch im Gehege habe Gerbsäure abgesondert und das Fell verfärbt. „Es ist nicht schneewittchenweiß, sondern eher lamborghinigelb“, sagte Vogel. „Bei Knut liegt die Herausforderung darin, ihn so zu gestalten, dass die Leute sehen, dass es irgendwie noch ihr Knut ist. Es hat ja jeder ein anderes Bild von ihm. Es gibt Millionen Meinungen, aber nur ein Präparat“, betonte der Museumsdirektor.

Für die Präparatoren gelte es nun, den richtigen Weg zu finden. „Sie werden ein Meisterstück erarbeiten“, sagte der Direktor. Unter seinen Mitarbeitern seien preisgekrönte Weltmeister ihrer Zunft. Die Präparation gehöre zum Museumsalltag. „Die Präparatoren stehen vor einer hochspannenden und künstlerischen Arbeit“, sagte Vogel. Sie müssten Knuts Bewegungen und jede einzelne Muskelfaser genau studieren. Dafür stünden ihnen Tausende Bilder, aber auch Videos zur Verfügung. Das Fell sei gegerbt und die Knochen gereinigt. Nun müsse ein Kunststoffkörper geschnitzt werden, über den das Fell gezogen wird.

Die Knut-Ausstellung solle kein „kommerzielles Fest für den Liebling der Nation“ werden. „Wir werden dem Phänomen Knut einen wissenschaftlichen Rahmen geben“, betonte Vogel. Deshalb sei auch ein Symposium geplant, an dem nicht nur Naturwissenschaftler sondern auch Geisteswissenschaftler beteiligt sind. Sie sollen ergründen, wie das Tier so viele Emotionen wecken konnte und wie sich dieses Interesse nutzen lasse, um die Menschen für die brennenden Themen unserer Zeit wie Klimaänderung, Wasser-, Rohstoff- und Nahrungsmangel zu sensibilisieren.

Von

dpa

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