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03.02.2017

19:57 Uhr

El Chapo

Drogenboss in New York vor Gericht

In der Welt des organisierten Verbrechens ist „El Chapo“ eine Art Superstar. Das Kaliber des Drogenbosses ist auch bei seiner Anhörung vor Gericht zu spüren. Anklage und Verteidigung werden einen langen Atem brauchen.

Der mexikanische Drogenboss „El Chapo“ steht jetzt in New York vor Gericht. Reuters, Sascha Rheker

Gerichtszeichnung

Der mexikanische Drogenboss „El Chapo“ steht jetzt in New York vor Gericht.

New YorkNicht einmal ein Glas Wasser soll er während eines dreistündigen Treffens mit Verteidigern trinken dürfen, jede noch so kleine Interaktion wird überwacht. Zu groß ist offenbar die Sorge, dass Joaquín Guzmán Loera, der Welt besser bekannt als „El Chapo“, sich wieder einmal - irgendwie - aus den Fängen der Justiz befreien könnte. Seit seiner Ankunft in den USA aus Mexiko vor zwei Wochen wird jeder Schritt des berüchtigten Drogenbosses genau überwacht. Nun soll ihm in New York der Prozess gemacht werden.

Einigen Sicherheitsleuten steht die Anspannung im Gerichtssaal am Freitag ins Gesicht geschrieben. Man solle sich während der Anhörung nicht bücken oder unter die Sitzbank greifen, bittet ein Marshal, der unter seinem Jackett eine schusssichere Weste trägt. „Sonst werde ich nervös.“ Er wippt von einem Fuß auf den anderen, immer wieder springt sein Blick von der Tür zu den Zuschauern, zur Richterbank und zurück.

Drogenkrieg: Wer ist Joaquín „El Chapo“ Guzmán?

Ausbrecherkönig

Er ist der wohl mächtigste Drogenhändler der Welt. Mit seiner Flucht vor knapp vier Monaten aus einem Hochsicherheitsgefängnis unterstreicht Joaquín „El Chapo“ Guzmán auch seinen Anspruch auf den Titel des Ausbrecherkönigs von Mexiko.

Herkunft

„El Chapo“ kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt.

Jugend

Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss.

Drogenboss

Nach der Festnahme des Chefs gründete er das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Festnahme und Flucht

Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko.

Vermögen

Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die Liste der reichsten Menschen der Welt der Zeitschrift „Forbes“.

Erneute Festnahme

Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen „El Chapo“ in einem Apartment in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes fest.

Erneute Flucht

Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann spazierte er durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit.

Und dann tritt er in den Saal, ganz unscheinbar, im orangefarbenen T-Shirt und schwarzem Pullover des Gefängnisses in Manhattan, wo er in einem Hochsicherheitstrakt festgehalten wird. Der „Kurze“ wirkt ausgeruht und konzentriert, als er den Gesprächen zwischen Richter Brian Cogan mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern mit Hilfe eines Dolmetschers lauscht. Stumm blickt er vor sich auf den Tisch, hin und wieder wandern seine Augen mit fragendem Blick durch den Raum. Bis auf eine Nachfrage an seinen Spanisch-Übersetzter sagt er nichts.

Zehntausende Dokumente und Tausende Stunden Tonaufnahmen müssen beide Seiten in diesem Verfahren durchpflügen, bevor Cogan zu jedem der 17 Anklagepunkte gegen Guzmán ein Urteil fällen kann. Bei einer Verurteilung in nur einem der Punkte, darunter Drogenschmuggel, Geldwäsche und illegaler Waffengebrauch, droht dem 59-Jährigen ein restliches Leben hinter Gittern. Die Todesstrafe, darauf haben sich die Behörden in Washington und Mexiko-Stadt geeinigt, droht nicht.

Das Leben von „El Chapo“

Der mächtigste Drogenhändler der Welt

Mexiko hat den Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán an die USA ausgeliefert. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells blickt auf ein bewegtes Leben in der mexikanischen Unterwelt zurück.

4.April 1957

Joaquín Guzmán Loera – so der volle Name – wird in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im Bundesstaat Sinaloa im Nordwesten von Mexiko geboren.

1980

Guzmán wird Mitglied des Guadalajara-Kartells von Miguel Ángel Félix Gallardo.

9. April 1989

Félix Gallardo wird festgenommen und das Guadalajara-Kartell zerfällt. Guzmán gründet das Sinaloa-Kartell.

24. Mai 1993

Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern des Tijuana-Kartells und des Sinaloa-Kartells auf dem Flughafen von Guadalajara kommen sieben Menschen ums Leben, darunter der Kardinal Juan Jesús Posadas Ocampo. Den Ermittlern zufolge wurde er mit „El Chapo“ verwechselt.

9. Juni 1993

Guzmán wird in Guatemala festgenommen und an Mexiko ausgeliefert.

22. November 1995

„El Chapo“ wird zu 20 Jahren Haft verurteilt und in das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco gebracht.

19. Januar 2001

Versteckt in einem Wäschewagen und mit Hilfe des Wachpersonals flieht Guzmán aus dem Gefängnis.

2. Juli 2007

„El Chapo“ heiratet die damals 18-jährige Schönheitskönigin Emma Coronel Aispuro.

2009

Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar nimmt die Zeitschrift „Forbes“ Guzmán in die Liste der reichsten Menschen der Welt auf.

Februar 2012

„El Chapo“ entgeht in Los Cabos knapp seiner Verhaftung. Zu dem Zeitpunkt treffen sich zahlreiche Außenminister in dem Badeort, um den G20-Gipfel vorzubereiten.

Februar 2013

Die Organisation Chicago Crime Commission erklärt Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1 – ein Titel, der zuvor nur an den US-Gangster Al Capone vergeben wurde.

22. Februar 2014

Marineinfanteristen nehmen „El Chapo“ in der Küstenstadt Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa fest.

11. Juli 2015

Guzmán flieht durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano.

8. Januar 2016

Marineinfanteristen fassen Guzmán nach einer Schießerei mit seinen Leibwächtern in der Stadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa.

20. Mai 2016

Das mexikanische Außenministerium stimmt einer Auslieferung in die USA zu. Gerichte in den US-Bundesstaaten Texas und Kalifornien haben eine Überstellung beantragt.

19. Januar 2017

Ein Gericht in Mexiko-Stadt lehnt einen Antrag Guzmáns auf Schutz vor der Abschiebung ab. Damit sind alle Rechtsmittel ausgeschöpft. „El Chapo“ wird an die USA ausgeliefert.

Richter Cogan sieht trotz oder gerade wegen der Schwere der Vorwürfe keinerlei Grund zur Eile und lässt sich auch von der Karriere des einst milliardenschweren Kokain-Unternehmers nicht beeindrucken. „Die öffentliche Geschichte dieses Angeklagten ist ein wenig ungewöhnlich“, sagt Cogan trocken. Offenen Fragen der weitgehend technischen Anhörung am Freitag handelt er in aller Ruhe ab. Erst Anfang Mai soll die nächste Anhörung in New York stattfinden - der bevorstehende Prozess könnte Jahre dauern.

Bis Mai wird Emma Aispuro, die extra aus Mexiko angereist ist, möglicherweise warten müssen, bis sie ihren Ehemann wiedersieht. Jeglicher Kontakt zu seiner Familie wurde Guzmán, der derzeit nur seine Verteidiger treffen darf, bisher untersagt. Bis auf eine Stunde Bewegung sitzt er 23 Stunden am Tag hinter Gittern. Selbst im Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba seien die Zustände „angenehmer“ und „entspannter“ als im Manhattan Correctional Center, schreibt ein Ex-Insasse, der in beiden Gefängnissen inhaftiert war.

„El Chapo“: Mexiko liefert Guzmán an die USA aus

„El Chapo“

Mexiko liefert Guzmán an die USA aus

Kurz vor dem Regierungswechsel wurde der frühere Kartellchef „El Chapo“ US-Behörden überstellt. Beobachter werten die Auslieferung als Zeichen des guten Willens. Doch Mexiko fürchtet, dass der Drogenhändler auspackt.

Dass bei Guzmáns überraschender Auslieferung an die USA alles mit rechten Dingen zuging, hält seine Verteidigerin Michelle Gelernt für fraglich. Auch zwei Wochen nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten warten sie und ihr Team auf die Papiere des Vorgangs, die Vertreter der mexikanischen Regierung hielten diese unter Verschluss. Einige in Mexiko dürften sich die Hände reiben, dass ein Mann, der dort mehrfach entkommen konnte, nun fest im Griff der US-Justiz ist.

Richter Cogan scheint auch keinerlei Probleme darin zu sehen, wenn die USA den Fall Guzmán ab hier allein in die Hand nehmen. Mit Blick auf für den Prozess benötigte Gerichtsunterlagen aus Mexiko sagt er in Richtung Staatsanwaltschaft und Verteidigung: „Wenn die Papiere öffentlich zugänglich sind, gehen Sie zum Gericht in Mexiko, machen sie eine Kopie und legen Sie sie vor.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.02.2017, 11:04 Uhr

"Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
Danke

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