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25.08.2011

13:26 Uhr

Elf Jahre nach der Tat

Mörder von Tobias gesteht

Der Mord an dem elfjährigen Tobias aus Weil im Schönbuch ist fast elf Jahre nach der Tat nun endlich aufgeklärt worden, die Polizei nahm einen inzwischen geständigen 47-Jährigen fest.

Tobias' Grab auf einem Friedhof bei Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen). dpa

Tobias' Grab auf einem Friedhof bei Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen).

BöblingenDer nach knapp elf Jahren gefasste Tatverdächtige im Mordfall Tobias hat ein Geständnis abgelegt. Der 47-Jährige gab zu, im Oktober 2000 in Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen) den elfjährigen Schüler Tobias D. erstochen zu haben. Dies teilte die Polizei am Donnerstag in Böblingen mit.

In der Wohnung des Tatverdächtigen hatten die Ermittler Zeitungsausschnitte zum Fall Tobias gefunden. Bemerkungen des 47-Jährigen während der Wohnungsdurchsuchung hätten die Beamten stutzig gemacht, erläuterte der Böblinger Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Deshalb sei der Mann mit auf die Wache genommen worden, wo er gestanden habe.

Kriminelle, die erst Jahrzehnte später gefasst wurden

April 2011

27 Jahre nach dem Mord an einer Anhalterin aus Schleswig-Holstein fasst die Polizei einen Verdächtigen. Der damals 37-jährige Familienvater soll die 15-Jährige erdrosselt haben. Genetische Spuren hatten die Ermittler zu dem Mann geführt.

März 2011

Mehr als 25 Jahre nach dem Raubmord an einer Münchner Verkäuferin wird ein damals 23-Jähriger wegen Mordes angeklagt. Ein Fingerabdruck hatte die Ermittlungsgruppe „Altfälle“ nach einer neuerlichen Auswertung auf die Spur des Mannes geführt.

Januar 2011

Fast 15 Jahre nach dem Raubmord an einer Rentnerin in Mittelhessen werden die Täter zu langen Haftstrafen verurteilt. Die heute 38- und 39-Jährigen erbeuteten nur 70 Mark. Ein neuer Zeugenhinweis hatte den Verdacht gegen die polizeibekannten Männer erhärtet.

Oktober 2010

Von Gewissensbissen geplagt, stellt sich 15 Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Taxifahrers der 34-jährige Täter der Polizei. Er gesteht, den Mann im Streit in Wusterwitz (Brandenburg) erstochen zu haben. Seitdem lebte er unauffällig in Euskirchen (NRW).

März 2010

Fast 30 Jahre nach der spektakulären Entführung und dem Tod der kleinen Ursula aus Oberbayern muss der Täter lebenslang in Haft. Er hatte das Kind in einer Kiste vergraben, um Lösegeld zu erpressen. Das Mädchen erstickte. Das Urteil in dem langwierigen Indizienprozess stützte sich vor allem auf ein Tonbandgerät, das bei den Erpresseranrufen abgespielt wurde.

„Der Täter hatte Täterwissen, das zuvor noch nicht kommuniziert war“, sagte Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Der 47-Jährige habe zuerst gesagt, er habe bei einer Fahrradtour den Jungen leblos hinter einer Fischerhütte am Weiher gefunden. Im Verlauf der Ermittlungen habe er diese Aussage aber wieder zurückgezogen und gestanden, den elfjährigen Tobias hinter die Hütte gezogen und mit mehreren Stichen mit einem Messer getötet zu haben.

Der 47-Jährige war der Polizei unbekannt. „Er war ein unbeschriebenes Blatt“, sagte Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Die DNA-Analyse sei der Schlüssel zum Fahndungserfolg gewesen.

Der elfjährige Tobias ist vor seinem Tod nicht sexuell missbraucht worden. Die Situation sei dem Täter entglitten und er habe daraufhin den Jungen umgebracht, sagte Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Der mutmaßliche Täter habe sich in seinem Vernehmungen als pädophil bezeichnet, sagte Kriminaldirektor Rüdiger Winter. Der 47-Jährige sei ledig und berufstätig. Er lebte schon vor dem Jahr 2000 im Raum Esslingen.

„Für die Gemeinde ist dies die wichtigste Nachricht der letzten Jahre“, sagte der Bürgermeister von Weil im Schönbuch, Wolfgang Lahl (parteilos). Auch für die Eltern von Tobias war die Festnahme ein wichtiger Schritt zur Trauerbewältigung.

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