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17.10.2015

04:35 Uhr

Eltern konnten Entscheidung des Sohns nicht ertragen

Totgeschlagen wegen Kirchenaustritts

Er wollte aus der Kirche austreten, und das war sein Todesurteil. Die eigenen Eltern wollten das nicht akzeptieren und ihn mit Gewalt bekehren. Das Martyrium dauerte Stunden.

Mutter Deborah L. wird dem Haftrichter vorgeführt: Sie und andere Mitglieder der Familie sollen ihren 19-jährigen Sohn erschlagen haben, weil er aus der Kirche austreten wollte. ap

Den eigenen Sohn geopfert

Mutter Deborah L. wird dem Haftrichter vorgeführt: Sie und andere Mitglieder der Familie sollen ihren 19-jährigen Sohn erschlagen haben, weil er aus der Kirche austreten wollte.

New HartfordVor seinem geplanten Kirchenaustritt ist ein 19-Jähriger im US-Staat New York von den eigenen Eltern totgeprügelt worden. Der Gewaltexzess habe sich während einer Seelsorgesitzung zugetragen, bei der Lucas L. von seinem Vorhaben abgebracht werden sollte, sagten Mitglieder der Word of Life Christian Church im Ort New Hartford vor Gericht aus. Seinen Eltern wird Totschlag zur Last gelegt, seine Schwester und drei weiteren Anhängern der Kirche Körperverletzung. Am Ende der Anhörung befand der Richter, dass es genügend Beweise für eine Strafverfolgung gebe.

Die Seelsorgesitzung für Lucas L. und seinen jüngeren Bruder war am vergangenen Sonntag von Mitgliedern der Kirche einberufen worden. Der Polizei zufolge versuchten sie die Opfer zunächst dazu zu bringen, ihre Sünden zu bekennen und um Vergebung zu bitten. Doch dann hätten Mutter und Vater ihren älteren Sohn mit einem Elektrokabel und einer Art Gürtel traktiert, sagten Zeugen aus.

Kirchendiakon Daniel Irwin spähte nach eigenen Angaben durch die Fenstertür in den Altarraum, wo der Junge das mehr als zwölfstündige Martyrium über sich habe ergehen lassen müssen. Er habe geblutet und offenbar Qualen gelitten, sagte Irwin aus.

Stunden später war der junge Mann nach Behördenangaben tot. Vor Gericht sagte Ermittler Jason Nellis, die Mutter des Opfers habe vor der Polizei ausgesagt, die Gruppe habe sich beim Prügeln abgewechselt und ihren Sohn zu Boden gedrückt. L. Bruder Christopher überlebte und kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Sein Zustand hat sich inzwischen verbessert.

Die Mutter habe nicht erwartet, dass die „Intervention“ derart ausarten würde und hätte sie nicht stoppen können, sagte ihr Anwalt Devin Garramone. Er glaube nicht, dass sie es gewesen sei, die die tödlichen Verletzungen ihres Sohnes verursacht habe. Der Vater der Jungen erklärte die Gewalt mit einer Familienangelegenheit, die nichts mit der Kirche zu tun habe. Die Eltern hätten das nicht gewollt, sagte sein Anwalt Donald Gerace.

Von

ap

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