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27.06.2012

15:03 Uhr

Englische Studie

Die Handschrift - vom Aussterben bedroht?

VonTina Halberschmidt

Einer englischen Studie zufolge schreiben immer weniger Menschen mit der Hand. Stirbt die Handschrift aus? Es wäre ein gewaltiger Rückschritt und der Verlust einer Kulturtechnik, meint Graphologe Helmut Ploog.

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DüsseldorfMails tippen wir am Computer, Nachrichten auf dem Smartphone, unsere Twitter-Meldungen schicken wir übers Tablet raus: Laut einer aktuellen Studie schreiben immer weniger Menschen mit der Hand. Wie der englische Online-Schreibwarenhändler „Docmail“ herausgefunden haben will, hat einer von drei der 2000 befragten Erwachsenen in den letzten sechs Monaten nichts Handschriftliches festgehalten.

Laut Daily Mail wagen Forscher deswegen eine düstere Prognose: Schon bald könnten ganze Generationen des Schreibens mit der Hand nicht mehr mächtig und komplett auf Tastaturen angewiesen sein.

Helmut Ploog, Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Graphologen, teilt diese Sorge: „Vor allem wenn das Tastaturschreiben gut beherrscht wird, bekommen Computer und IPad für die Menschen eine immer größere Bedeutung“, sagt Ploog, der unter anderem als Lehrbeauftragter für Schriftpsychologie an der Universität München gearbeitet hat.

„Wenn man das zu Ende denkt, würde am Ende der Verlust einer Kulturtechnik stehen. Das wäre ein gewaltiger Rückschritt!“ Denn das Schreiben mit der Hand hänge nicht zuletzt mit der Lesefähigkeit des Einzelnen zusammen: Wer nur tippen und nicht schreiben könne, sei auch im Lesen schlechter.

Kommentare (1)

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itstk

27.06.2012, 16:31 Uhr

Daß die klassische Schreibschrift immer weniger Verwendung im Alltag findet, hat auch einen Grund in der Schrift selbst. Denn unsere von Abkürzungen und Zeichenkombinationen geprägte Umwelt läßt sich mit einer für die Abbildung des gesprochenen Worts intendierten Schrift nun mal nicht so gut verwenden wie selbst handgeschriebene Druckbuchstaben. Cut and Paste kleiner Zeichenketten anstelle einer Abschrift tun ihr übriges. Denn zum Abschreiben müßte man ja ein Gedächtnis bemühen...

Dabei spielt der Zeitgewinn IMHO gar keine so große Rolle. Wer's nachvollziehen will, schreibe einfach mal spaßeshalber das Captcha unter dem Kommentarfeld erst mit Kuli auf ein Blatt Papier und danach genauso flüssig als Notiz mit dem Eingabestift ins eBook oder auf den Tablet. Mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnt der Kuli das Rennen, weil die digitale Variante des Papiers viel zu träge reagiert.

Seit ich als Supporter das erste Mal mit Kladde und Kuli einen ganzen Arbeitstag lang im Dauerlauf unter Anwendern verbracht habe, suche ich nach einer schnelleren Lösung als Stift und Papier. Bis dato vergeblich. Statt dessen hat sich mit den Jahren eine ganz andere Lösung der Zeitnot ergeben: Eine Art Piktogrammsatz , der kontextbezogen das Problem erfaßt und den Lösungsweg dokumentiert.

Die geschriebene Schrift wird sich also vermutlich nur weiterentwickeln. Wie dereinst der Gänsekiel zur beweglichen Letter.

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