Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2011

14:10 Uhr

Erbeben in Japan

Angst vor radioaktivem Leck - 2000 Anwohner auf der Flucht

Ein gewaltiges Erdbeben hat in Japan verheerende Schäden angerichtet und haushohe Flutwellen ausgelöst. Nach dem Ausfall von Kühlsystemen in Atomkraftwerken hat Ministerpräsident Naoto Kan einen Atomalarm ausgerufen.

Ein Erdbeben der Stärke 8,9 hat in Japan zu schweren Zerstörungen und einer bis zu zehn Meter hohen Flutwelle geführt. Das Foto zeigt den überschwemmten Flughafen der Hafenstadt Sendai.

Ein Erdbeben der Stärke 8,9 hat in Japan zu schweren Zerstörungen und einer bis zu zehn Meter hohen Flutwelle geführt. Das Foto zeigt den überschwemmten Flughafen der Hafenstadt Sendai.

TokioEin gewaltiges Erdbeben mit unabsehbaren Folgen schockiert Japan und die Welt: Der Erdstoß der Stärke 8,9, der sich gegen 14.45 Uhr Ortszeit (06.45 Uhr MEZ) ereignete, löste einen Tsunami aus und hat verheerende Schäden angerichtet. Bislang verloren nach Medienberichten mindestens 44 Menschen ihr Leben. Wegen des Ausfalls von Kühlanlagen in Atomkraftwerken und einem Brand in der Atomkraftanlage Onagawa hat Ministerpräsident Naoto Kan einen Atomalarm ausgerufen. Die Behörden haben eine Tsunami-Warnung für den gesamten Pazifikraum gegeben, Tausende Menschen sind bereits evakuiert worden.

Rund 2000 Anwohner eines Atomkraftwerks in der japanischen Provinz Fukushima wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Grund sei die Angst vor einem möglichen radioaktiven Leck, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf lokale Behörden. Anwohner in einem Radius von zwei Kilometer um den Reaktor seien aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. In einem Reaktor in Fukushima wurde nach dem Erdbeben ein Notkühlsystem gestartet.

Die Regierung betonte, es seien bislang keine radioaktiven Lecks in oder in der Nähe von Atomkraftwerken festgestellt worden. Der Regierungschef habe den atomaren Notfall deswegen ausgerufen, damit die Behörden leicht Notfallmaßnahmen ergreifen können, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Anwohner von Atomkraftwerken müssten aber keine besonderen Maßnahmen ergreifen.

Im Atomkraftwerk Onagawa der Firma Tohuko Elec in der Provinz Miyagi war nach dem Erdbeben ein Feuer ausgebrochen. Das bestätigte der Betreiber der Anlage, Tohoku Electric Power. Der Brand ist aber nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gelöscht. Dies habe die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA der IAEA mitgeteilt, gab die Uno-Behörde in Wien am Freitag bekannt. Nach Betreiberangaben trat aus dem Gebäude Rauch aus, die Ursache werde untersucht. Berichte über einen Austritt von Radioaktivität oder Verletzte lägen nicht vor. Das vom Brand betroffene Gebäude ist vom Reaktorgebäude getrennt. Laut der IAEA sind die vier Kernkraftwerke, die dem Epizentrum am nächsten liegen, sicher abgeschaltet.

Zuvor hatte die Agentur Jiji gemeldet, dass im AKW Tepco Fukushima Daiichi das Kühlsystem ausgefallen ist. Die Kühlsysteme der Atomkraftwerke in der Region Fukushima sind nach Behördenangaben intakt. Einige Atomkraftwerke hatten sich der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge automatisch abgeschaltet. Das Beben hat nach Angaben von Ministerpräsident Kan „großen Schaden“ angerichtet. An den Atomkraftwerken seien jedoch keine Schäden zu verzeichnen, sagte Kan. Dem Sender NHK zufolge schafft Kan eine Sondereinheit zum Schutz von Anwohnern im atomaren Notfall.

Das japanische Innenministerium erklärte nach Angaben des Senders NHK, in Städten und Präfekturen seien mindestens 97 Brände gemeldet worden. Unter anderem brennt in einer Ölraffinerie in Chiba nördlich von Tokio ein großes Feuer, wie es in Fernsehberichten hieß. Die Bilder zeigen Feuerwehrleute, die mit Wasserfontänen versuchen, das Feuer in der Raffinerie zu löschen. Meterhohe schwarze Rauchwolken verdunkeln weiter den Himmel in der Region.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.03.2011, 11:47 Uhr

Es ist ja bekannt, dass Japan auf einer starken Erbebenzone liegt. Man wartet doch schon seit Jahren auf solche Ereignisse und sollte darauf vorbereitet sein. Es ist nur so, dass soetwas gern in den Köpfen der Bevölkerung vergessen wird. Und wenn es passiert, ist man geschockt.
Japan sollte sich aber gut überlegen, ob es wirklich so viele Atomkraftwerke braucht. Denn wenn dort wirklich mal ein "Tschernobyl" passieren sollte, wird es sehr eng auf der Insel!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×