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27.04.2015

16:38 Uhr

Erdbeben am Mount Everest

„Wir haben im Zelt gesessen, gehofft und gebetet“

Das Erdbeben in Nepal hat die Bergsteiger im Himalaya mitten zur Hauptsaison getroffen. Es sind Tote und Verletzte zu beklagen, doch auch wenn viele Touristen festsitzen, hatten die Überlebenden vor allem eins: Glück.

Das Basislager am Mount Everest wurde nach dem Erdbeben von einer Lawine überrollt. ap

Verschüttetes Zelt

Das Basislager am Mount Everest wurde nach dem Erdbeben von einer Lawine überrollt.

KathmanduDie Bilder lassen einem den Atem stocken. „Der Boden wackelt“, hört man eine Männerstimme in dem Video rufen, das viele Millionen Nutzer weltweit sahen. Im Basislager der Bergsteiger am Mount Everest hängen bunte Fähnchen zwischen gelben Zelten. Plötzlich wie aus dem Nichts wird es dunkel, eine bedrohliche Schneewolke füllt den Horizont und wälzt sich über das Camp. Mit aller Wucht trifft die Lawine - ausgelöst durch das verheerende Erdbeben in Nepal mit Tausenden Toten - das Lager. Die Männer rennen, ducken sich, verwackelte Bilder zeigen, wie sie Schutz suchen. Das Video geht um die Welt, ein Stück Zeitgeschichte in den Sozialen Medien.

Der Kanadier Nick Cienski erlebte die Lawine im Basislager am höchsten Berg der Welt. „Wir sahen diese enorme Wolke aus Schnee, es war wie in einem Hollywood-Film, es war wirklich unglaublich, ich habe so was noch nie zuvor gesehen“, erzählt er zwei Tage später der Deutschen Presse-Agentur. Er sei mit seiner Frau im Zelt gewesen, als plötzlich die Erde gebebt habe. „Wir haben im Zelt gesessen, gehofft und gebetet. Es war unglaublich beängstigend.“

Mindestens 18 Menschen sollen nach ersten Erkenntnissen durch die Lawine am Berg ums Leben gekommen sein, darunter zwei Amerikaner, ein Chinese, ein Australier und mehrere Nepalesen. 65 Bergsteiger wurden nach Angaben des Tourismusministeriums verletzt, rund 100 sollen noch am höchsten Berg der Welt festsitzen.

Vor allem am Sonntag hätten die Bergsteiger-Gruppen rund um das Lager nach Verletzten gesucht, erzählt Cienski. Der 48-Jährige war vor 20 Jahren zuletzt im Himalaya. Damals kamen fünf seiner Freunde bei einem Unglück ums Leben. Nun wollte er das Erlebte von damals am Mount Everest verarbeiten und geriet mitten in die Katastrophe.

Wie genau es weitergeht, weiß der Kanadier noch nicht. „Es klingt verrückt, aber es ist erst mal besser für uns, hierzubleiben.“ Die Situation im Land sei überall so schlimm, dass die Gruppe erst mal im Lager abwarten will. „Dörfer und Städte wurden zerstört, Familien auseinandergerissen, viele Menschen haben alles verloren.“ Jetzt sei es wichtig, dass zum Beispiel die nepalesischen Bergführer zu ihren Familien kämen.

Im Basislager scheine die Situation derzeit sicher, sagt Cienski. Aus den Höhencamps - oberhalb des Lagers und in einer Höhe von mehr als 6000 Metern, werden Menschen mit Hubschraubern gerettet. Drei Helikopter sollen laut offiziellen Angaben dort ständig im Einsatz sein. Flüge in solcher Höhe sind wegen der dünnen Luft und der Höhenwinde enorm schwierig, wie Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein erklärt.

Es gibt auch Kritik an der aufwendigen Rettung der Sportler. „Im Kathmandutal und in den Schluchten drumherum ist eine viel größere Katastrophe passiert“, sagte Reinhold Messner dem Radiosender hr-Info. Die Bergsteiger benötigten natürlich auch Hilfe, allerdings nicht vorrangig. „Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80 000 bis 100 000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht.“

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Mehrere Bergsteiger schildern über die Sozialen Medien, wie die Situation im Basislager ist. „Zelte ausradiert. Ausrüstung verschollen. Hab und Gut begraben. Geräte Hunderte Meter weit geschleudert“, schrieb Alex Gavan bei Twitter. Nach offiziellen Angaben hielten sich zum Zeitpunkt der Katastrophe am Samstag rund 1000 Bergsteiger und Wanderer rund um das Basislager auf. Am 8848 hohen Berg ist derzeit Hauptsaison.

Von

dpa

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