Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2016

07:49 Uhr

Erdbeben in Italien

„Wie ein Krieg“

VonRegina Krieger

Erst jetzt zeigt sich das Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe: mehr als 250 Tote, Hunderte Verletzte, Tausende Obdachlose. Weitere Nachbeben schrecken die Menschen auf. Die Regierung verspricht Millionen für den Wiederaufbau.

Erdbeben in Italien

Renzi: „Der Wiederaufbau hat Priorität“

Erdbeben in Italien: Renzi: „Der Wiederaufbau hat Priorität“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

RomAm meisten rühren die Bilder der Kinder. Viele werden von den Helfern aus den Trümmern der eingestürzten Häuser gerettet, sie sind im Schlafanzug, haben Angst, wurden von dem Erdbeben in der Nacht überrascht. Die Helfer arbeiten schweigend, um auch noch jedes kleine Geräusch hören zu können. Auch Spürhunde sind im Einsatz. Viele Kinder waren bei den Großeltern in der Sommerfrische – das Katastrophengebiet in den Bergen, wo die drei Regionen Latium, Umbrien und Marken aneinandergrenzen, ist ein beliebtes Ferienziel, um dem heißen Rom zu entkommen, das 150 Kilometer entfernt ist.

Durch alle Medien geht das Schicksal der zehnjährigen Giorgia. Sie wurde nach 16 Stunden von einem Feuerwehmann aus den Trümmern ihres Hauses in dem Dorf Pescara del Tronto geborgen. Sie wurde im Krankenhaus von Ascoli Picena operiert und ist wohlauf. Doch ihre Schwester hat das Erdbeben nicht überlebt.

„Wie ein Krieg“ titelt die Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Tag nach der Katastrophe. Das Erdbeben zeigt seine Schäden erst viel später. Noch immer wird nach Vermissten gesucht. Und die Erde bebt weiter: Mehr als 460 Erdstöße wurden nach Angaben des Instituts für Geophysik und Vulkanologie am Donnerstag verzeichnet. Am Freitagfrüh bebte die Erde erneut. Diese Nachbeben waren mit durchschnittlich 3,8 Punkten auf der Richterskala jedoch weniger stark als das Hauptbeben, das eine Stärke von 6 hatte. Schrecken verbreitete ein Beben mit der Stärke 4,3, das weitere Gebäude in Amatrice zum Einsturz brachte, darunter eine Kirche – und die Arbeit der Rettungskräfte behinderte.

Nach offiziellen Angaben

Erdbeben in Italien: Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens 247

Nach offiziellen Angaben: Erdbeben in Italien: Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens 247

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die vorläufige Bilanz der Zivilschutzbehörde: mindestens 250 Tote, es wird weiter nach Verschütteten gesucht, 400 Verletzte und 2500 Menschen sind obdachlos. Vor Einbruch der Nacht wurden noch schnell Zeltstädte und Feldküchen errichtet, viele Menschen übernachten im Auto.

Die Regierung verspricht einen schnellen Wiederaufbau der zerstörten Orte. „Wir haben die moralische Pflicht gegenüber den Frauen und Männern dieser Gemeinden“, sagte Renzi nach einer Krisensitzung des Ministerrats am Donnerstagabend. „Der Wiederaufbau dieser Dörfer ist die Priorität der Regierung und des Landes.“ Zudem rief der Ministerrat den Notstand aus und sagte Hilfsgelder von 50 Millionen Euro zu. Auch die Erdbebenvorsorge müsse verbessert werden. „Das muss unsere Hausaufgabe für die Zukunft sein“, so Renzi. 
Zuvor sagte der Ministerpräsident bei seinem Besuch im Erdbebengebiet: „Mein Dank geht an die Freiwilligen, die mit bloßen Händen in den Trümmern gesucht haben.“ Im Hubschrauber war er über das Gebiet an der Grenze von Latium, Umbrien und den Marken geflogen, wo im Epizentrum des schweren Bebens ganze Städte und Dörfer wie die Ferienorte Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto in einem Moment zerstört worden waren.

„Wir sind ein Land, das oft über alles geteilter Meinung ist“, sagte Renzi, „wir sind gut darin zu streiten und zu polemisieren, aber im Angesicht dieses Schmerzes zeigt Italien sein bestes Gesicht.“ Und weiter: „Italien ist eine Familie, die getroffen worden ist, die aber weitermacht.“ Solche Worte wollen die Italiener hören.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×