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19.05.2015

04:46 Uhr

Erdrutsch mit vielen Toten

Schlammwelle zerstört Ort in Kolumbien

Am frühen Dienstagmorgen schlafen die meisten Bewohner von La Margarita noch. Doch in der Nacht ist ein Fluss nahe des kolumbianischen Dorfs angeschwollen. Eine Schlammlawine reißt mindestens 59 Menschen in den Tod.

Bewohner und Hilfskräfte suchen nach dem Erdrutsch in Kolumbien nach Überlebenden. dpa

Erdrutsch in Kolumbien

Bewohner und Hilfskräfte suchen nach dem Erdrutsch in Kolumbien nach Überlebenden.

BogotáHeftiger Regen hat in einem Gebirgsort im Westens Kolumbiens flutartige Überschwemmungen und einen Erdrutsch ausgelöst und so für mindestens 59 Tote gesorgt. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde am Montag in den frühen Morgenstunden rund um Salgar, einen Ort 100 Kilometer südwestlich der Millionenmetropole Medellín. Rettungsteams und Black-Hawk-Hubschrauber brachten Anwohner wegen der Angst vor einer weiteren Schlammlawine in Sicherheit.

Die 800 Einwohner zählende Ortschaft La Margarita wurde weitgehend zerstört. Retter konnten 37 Menschen verletzt bergen, teilte der Katastrophenschutz mit. Zahlreiche Menschen wurden vermisst. Rettungsteams suchten mit Hunden nach Verschütteten. Einwohner wühlten mit bloßen Händen in Geröll und Schlamm nach Angehörigen und Nachbarn. Auf Bildern der Luftwaffe und in Fernsehaufnahmen waren Straßen und Häuser zu sehen, die unter den Erdmassen verschüttet waren.

„Wir wissen nicht, wie viele Menschen noch verschollen sind“, sagte Staatschef Juan Manuel Santos nach einem Flug über das betroffene Gebiet. Er erklärte den Notstand. Santos versprach, dass die zerstörten Häuser weiteraufgebaut würden und den schätzungsweise 500 von dem Erdrutsch betroffenen Menschen geholfen werde.

Viele Tote nach Erdrutsch in Kolumbien

Video: Viele Tote nach Erdrutsch in Kolumbien

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Erdmassen sind offenbar einen Abhang hinuntergerutscht, aufgestautes Wasser hat eine Lawine ausgelöst. Starke Regenfälle hatten den Liboriana-Fluss in einer Schlucht stark anschwellen lassen. Die Schlammwelle überraschte die meisten Bewohner am frühen Morgen im Schlaf. Sie habe alle Häuser auf der Länge von zehn Kilometern am Flussufer zerstört, sagte die Bürgermeisterin der Bezirksstadt Salgar, Olga Osorio García.

Es werden 40 Kilometer des Flusslaufs nach Opfern abgesucht. Die Behörden baten darum, Wasser, Lebensmittel und Decken zu schicken, um mit dem humanitären Notfall fertig werden zu können. Selbst weniger gefährdete Teile der Stadt wurden von der Flut erfasst, die die Wasserleitungsbrücke, Stromversorgung und andere öffentliche Einrichtungen zerstörte.

Salgar liegt in einer der großen kolumbianischen Kaffeeanbauregionen. Kolumbiens zerfurchte Topografie in einer erdbebenanfälligen Region an der Nordspitze der Anden macht das Land zu einem der anfälligsten Gebiete für Naturkatastrophen in Lateinamerika. In den vergangenen vier Jahrzehnten kam es laut der interamerikanischen Entwicklungsbank zu mehr als 150 Unglücken, die mehr als 32 000 Leben forderten und mehr als zwölf Millionen Menschen betrafen.

Die Tragödie von Salgar ist eine der tödlichsten der vergangenen Jahre. 1999 tötete ein Erdbeben in der Stadt Armenia Hunderte Menschen. Während der Regensaison 2011 rissen Überflutungen mehr als 100 Menschen in den Tod.

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