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15.12.2014

06:42 Uhr

Erfolgsrezepte eines Schlagerstars

Das Geschäftsmodell Helene Fischer

VonLin Freitag
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Neun Millionen Alben, ausverkaufte Konzerte, hoch dotierte Werbeverträge: Wie Helene Fischer von ihrem Management zur Millionenmarke aufgebaut wurde. Ein Blick auf die Erfolgsgeheimnisse einer singenden Geldmaschine.

Die 30-Jährige hat es geschafft: Weltweit hat Helene Fischer neun Millionen Tonträger verkauft. In den letzten beiden Jahren war sie hierzulande der am häufigsten über Google gesuchte Star. dpa

Die 30-Jährige hat es geschafft: Weltweit hat Helene Fischer neun Millionen Tonträger verkauft. In den letzten beiden Jahren war sie hierzulande der am häufigsten über Google gesuchte Star.

DüsseldorfSeit kurz nach halb acht sitzen die beiden schon auf ihren Plätzen, sie sind unter den ersten Gästen in der Halle. Etwas ganz Besonderes wollte sich das Rentnerpärchen aus Frechen bei Köln zu seinem Hochzeitstag gönnen.

Vor einem Jahr schon hatten sie sich die Karten gekauft, jetzt, an diesem Novemberabend um kurz nach 20 Uhr, ist es endlich so weit: Es darf geschunkelt werden. „Und morgen früh küss ich dich wach und wünsch mir nur diesen Tag“, trällert Helene Fischer in ihr goldenes, mit Kristallen besetztes Mikrofon. Und wie auf Kommando hakt sich das rüstige Pärchen unter, wiegt sich von links nach rechts, klatscht und singt begeistert mit. Und verschmilzt, im Takt mit allen anderen Fans, zu einer großen, schunkelnden Masse. Schmachtet sie kollektiv an, die Sängerin auf der Bühne. Ganz schön gemütlich, die Helene.

Ein paar Schlager und ein Pop-Medley später steht dieselbe Sängerin in einer langen, schwarzen Pailletten-Robe auf der Bühne. Singt über ihre innere Leere, aus der sie aufgeweckt werden will. Mit der gleichen Inbrunst, mit der sie zuvor ihren Liebsten beschwor, sich mehr Zeit für sie zu nehmen, dröhnt sie nun ihre Version der düsteren Metal-Nummer „Bring me to life“ der Gothik-Band Evanescense ins Mikro. Ganz schön verrucht, die Helene.„Als ich Helene Fischer zum ersten Mal im Fernsehen sah, konnte ich nicht mehr wegschalten“, sagt Bauingenieur Thomas aus Reihe sechs. „Dieser Gesang, diese Ausstrahlung, diese Vielseitigkeit.“

40 Minuten Pause und einen weiteren Outfitwechsel später liegt Helene Fischer rücklings auf der Bühne und rekelt sich. „I“ singt sie, ihre Hüfte hebt sich. „Love“ singt sie, ihre Hüfte senkt sich. „Rock’n’Roll“ – ihre Hüfte hebt sich wieder. Sie trägt schwarze Lederhosen, derbe Bikerboots und ein mit Flammen verziertes Oberteil. Die drei jungen Niederländer aus Reihe vier springen auf, applaudieren ekstatisch im Takt von Fischers Interpretation des Rock-Klassikers. Immer wieder nicken sie sich anerkennend zu.

Die Karriere von Helene Fischer

Herkunft

Helene Fischer wurde am fünften August 1984 im russischen Krasnojarsk in der ehemaligen Sowjetunion als Jelena Petrowna Fischer geboren. Sie ist die Tochter einer russlanddeutschen Familie.

Umzug in die Bundesrepublik

1988 siedelten ihre Eltern mit ihr und ihrer sechs Jahre älteren Schwester nach Wöllstein in Rheinland-Pfalz. Als Schülerin der Realschule nahm sie bereits in jungem Alter an Theater-AGs und Musicalworkshops teil.

Ausbildung

Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte Fischer an der Stage & Musical School in Frankfurt am Main eine dreijährige Ausbildung, die sie als staatlich anerkannte Musicaldarstellerin abschloss. Während ihrer Ausbildung arbeitete sie bereits am Staatstheater Darmstadt und am Volkstheater Frankfurt in Musicals und Schlagervorführungen.

Anfänge

Fischers Mutter schickte eine Demo-CD an Künstlermanager und Produzenten. Wenig später erhielt Fischer ihren ersten Plattenvertrag und feierte am 14. Mai 2005 in der ARD im „Hochzeitsfest der Volksmusik“ ihre Fernsehpremiere. Am 3. Februar 2006 erschien ihr erstes Album „Von hier bis unendlich“.

Durchbruch

Am 6. Juli 2007 widmete der MDR ihr einen Musikfilm „So nah, so fern“ mit ihren neuesten Titeln aus dem gleichnamigen Album. Am 14. September 2007 wurde der Film auf DVD veröffentlicht.

Preise

Im Januar 2008 wurde sie mit der „Krone der Volksmusik“ in der Kategorie „Erfolgreichste Sängerin des Jahres 2007“ ausgezeichnet. Nach ihrem Auftritt erhielt sie Platin für das Album „Von hier bis unendlich“. Es folgten weitere „Kronen der Volksmusik“, zahlreiche „Echo-Preise“, ein „Bambi“ in der Kategorie „Musik national“, eine „Romi“ und mehrere „Goldene Hennen“.

Chartspitze

Mit ihrem fünften Studioalbum „Für einen Tag“, das am 14. Oktober 2011 veröffentlicht wurde, erreichte sie zum ersten Mal den ersten Platz der Charts in Deutschland. Das Album wurde nach zwei Wochen in Deutschland mit Gold ausgezeichnet, später erhielt es Platinstatus.

Reality-TV

Ebenfalls 2012 entstand die Fernsehdokumentation „Allein im Licht“, die den Tourneealltag Fischers dokumentierte. Im gleichen Jahr stand Fischer erstmals als Schauspielerin vor der Kamera. Im ZDF übernahm sie in der Fernsehreihe „Das Traumschiff“ die Rolle der Reiseleiterin Franziska Stein.

Moderatorin

Am 27. März 2014 moderierte Fischer die Echoverleihung und gewann in den Kategorien „Deutschsprachiger Schlager“ und „Album des Jahres“. Beim Eurovision Song Contest 2014 verkündete sie das Ergebnis der deutschen Abstimmung.

Atemlos durch die Nacht

Der Song „Atemlos durch die Nacht“ von Fischers sechsten Studioalbum „Farbenspiel“ erreichte Platz drei der Singlecharts. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft sang Fischer den Song bei der offiziellen Begrüßung der deutschen Fußballnationalmannschaft am Brandenburger Tor in Berlin.

Das Jahr 2014

Das Fachmagazin "musikmarkt" stellt fest: "Das ist zuvor noch niemandem gelungen: Helene Fischers "Farbenspiel" ist das erste Album, das zwei Mal Platz eins der deutschen Jahrescharts erobert. Auch in den Single-Jahrescharts 2014 setzt sich Helene Fischer gegen die Konkurrenz durch und lässt mit "Atemlos durch die Nacht" Pharrell Williams' "Happy" links liegen."

Egal, ob Schüler oder Rentner, Mann oder Frau, Schunkelfreund oder Rockfan: Alle lieben Helene Fischer. 14.000 Menschen strömen an diesem trüben Novemberabend in die Kölner Lanxess Arena, um ihre Helene zu erleben – beim Singen und Tanzen, Räkeln und Schmachten. Die Karten waren nach kurzer Zeit ausverkauft, trotz stattlicher Preise von durchschnittlich 60 Euro pro Stück. Mehr muss man auch für Konzerte von Deep Purple oder Bryan Ferry nicht berappen. Die 30-Jährige hat es geschafft – vom Schlagermäuschen zum Superstar.

Weltweit hat Helene Fischer neun Millionen Tonträger verkauft. In den letzten beiden Jahren war sie hierzulande der am häufigsten über Google gesuchte Star. Ihre Fans können sich ein Fischer-Parfüm auf die Haut sprühen oder in ihrem eigenen Magazin blättern.

Fischer moderiert eine Show, die ihren Namen trägt, spielte eine Reiseleiterin auf dem Traumschiff und ergatterte eine Rolle im TV-Heiligtum „Tatort“. „Durch Helene Fischer ist der Schlager wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Musikwissenschaftler Martin Lücke, der ein Buch über den Schlager geschrieben hat. „Die Sängerin ist extrem sympathisch, sexy und modern – ein Fräulein Fehlerfrei.“

Kommentare (2)

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Herr stefan freudensprung

15.12.2014, 14:01 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Herr Robert Bosch

16.12.2014, 11:00 Uhr

schon der Bericht ist ja in seiner subversiven Art ein weiterer Beitrag zum, m.E. weitgehend neidbedingtem, Helene-Fischer-Bashing.

Daß aber dann, dem Gusto des Berichtsverfassers folgend, noch ein Kommentar zugelassen wird, der einen nicht unbeträchtlichen Teil der Handelsblattleser definitv beleidigt, ist schon ein Stück aus dem Tollhaus...

Und, Herr Freundensprung, Freiheit ist auch die Freiheit Andersdenkender - und deshalb bezeichne ich die Musik, die Sie gerne hören, auch nicht als unmöglich, stupide und primitiv......

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