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29.01.2003

16:49 Uhr

Ermittler gehen von einer geplanten Tat aus

„Man kann von einer Hinrichtung sprechen“

Bei einem mysteriösen Gewaltverbrechen sind in der Nacht zum Mittwoch in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Telgte drei Frauen aus nächster Nähe erschossen worden. Die 30, 34 und 39 Jahre alten Opfer hatten gerade ihre Arbeit als Putzfrauen in einem Fitness-Studio beendet, als sie auf einem Parkplatz mit Schüssen in den Kopf getötet wurden.

Ermittler auf dem Parkplatz bei der Spurensuche. Foto: dpa

Ermittler auf dem Parkplatz bei der Spurensuche. Foto: dpa

HB/dpa TELGTE/MÜNSTER. „Man kann von einer Hinrichtung sprechen“, sagte Oberstaatsanwalt Schweer am Mittwoch in Münster. Zu Motiv, Hintergrund und möglichem Täter hat die Polizei bisher keine Erkenntnisse. Die Ermittler gehen aber von einer geplanten Tat aus.

Zwei der drei Frauen aus Telgte hinterlassen Kinder. Eine von ihnen war zudem schwanger, sagte Schweer. Die 34-Jährige hatte noch gelebt, als der Schwiegervater eines der Opfer die Frauen gegen 2.00 Uhr - etwa zwei Stunden nach der Tat - auf dem Parkplatz fand. Sie starb wenige Stunden später an ihren schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein noch einmal wiedererlangt zu haben.

Nach Angaben von Werner Brökers, Leiter der noch in der Nacht eingesetzten 20-köpfigen Mordkommission, haben alle Frauen bis zu ihrem Tod einen normalen Lebenswandel geführt. Auch ihre Ehemänner können sich nach ersten Vernehmungen kein Motiv für die Bluttat vorstellen. Eines der Opfer war Türkin.

Nach bisherigen Ermittlungen hatten drei Anwohner gegen Mitternacht mehrere Knallgeräusche gehört. Wie viele Schüsse der Täter auf die Frauen insgesamt abgegeben hat, war am Mittwoch noch unklar, ebenso die Art der Waffe. Es könne zu diesem frühen Zeitpunkt der Ermittlungen auch noch nicht ausgeschlossen werden, dass mehrere Täter geschossen haben, sagte Schweer.

Abgesehen von der gemeinsamen Arbeitsstelle gibt es offenbar keine engere Verbindung zwischen den drei Opfern. Schweer zufolge kann ein Raubmord ausgeschlossen werden. Die Frauen hatten das Fitness-Studio bereits abgeschlossen, eingebrochen wurde dort nicht. Den Ermittlungen zufolge wurde auch keine der Frauen bestohlen.

Da die Schüsse aus nächster Nähe abgegeben worden seien und die Opfer offenbar keine Gelegenheit zur Flucht hatten, gehen die Ermittler von einer gezielten Tat aus. „Es sieht nicht so aus, als hätte jemand unmotiviert auf beliebige Opfer geschossen“, sagte Schweer. Vermutlich habe der Täter sie erwartet. „Die Frauen waren jeden Abend gegen Mitternacht mit der Arbeit fertig.“

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