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23.01.2007

13:36 Uhr

Ermittlungen

Bei der GEZ gab es offenbar Aufträge gegen Bordellbesuche

Bei der Gebühreneinzugszentrale, ohnehin nicht gerade Deutschlands Sympathieträger Nummers Eins, haben offenbar die internen Vorkehrungen gegen Korruption versagt: Ein Chefeinkäufer und andere leitende Angestellte sollen von einer Computerfirma geschmiert worden sein - mit Bargeld und mit Vergnügungen teils delikater Art.

Sitz der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln. Foto: GEZ

Sitz der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln. Foto: GEZ

HB KÖLN. Der Wuppertaler Staatsanwalt Alfons Grevener sagte am Dienstag, der GEZ-Chefeinkäufer und andere „Leute von Rang und Namen“ hätten sich offenbar mit Besuchen in Bordellen und Spitzenrestaurants, bei Formel-1-Rennen und Spielen der Fußball-Bundesliga bestechen lassen. Auch Geld sei geflossen, „wenn auch nicht die ganz großen Barbeträge“, sondern solche in Höhe von einigen tausend Euro. So seien in einem Fall 12 000 Euro an einen Verein gespendet worden. Der Verkäufer einer Wuppertaler Computerfirma habe sich so einen Auftrag der GEZ in Millionenhöhe gesichert.

Die Ermittlungen seien durch eine sehr konkrete anonyme Anzeige in Gang gekommen, die möglicherweise von einem ehemaligen Mitarbeiter der Computerfirma stamme, sagte Grevener. Die Staatsanwaltschaft habe auf Grund dieses Hinweises einen Durchsuchungsbefehl bekommen und sei in den Büros sowie in der Wohnung des Chefeinkäufers in Troisdorf bei Köln „auf einige sehr interessante Dokumente“ gestoßen. Seit Dienstagmorgen würden GEZ-Büros sowie Privatwohnungen der mutmaßlich geschmierten Mitarbeiter im Rheinland durchsucht. Es bestehe der dringende Tatverdacht des Betrugs, der Untreue, Vorteilsgewährung und Annahme.

Die Computerfirma soll nicht nur GEZ-Angestellte geschmiert haben, sondern auch Mitarbeiter einer Versicherung und Unternehmen in Aachen und Köln. Auch diese Unternehmen wurden durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen etwa zehn Beschuldigte und rechnet damit, dass diese Zahl noch steigen wird.

Die GEZ mit Sitz in Köln ist im Auftrag aller deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dafür zuständig, Besitzer von Radios, Fernsehern und neuerdings auch internetfähigen Computern zu erfassen und zur Kasse zu bitten. 2005 zog die GEZ ihrem Geschäftsbericht zufolge 7,1 Milliarden Euro an Gebühren ein. 162 Millionen Euro seien für die Finanzierung der Einzugszentrale verwendet worden.

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