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08.01.2005

20:02 Uhr

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Mutmaßlicher Dealer stirbt nach Zwangseinsatz von Brechmittel

Einem Mann aus Sierra Leone wurde von der Bremer Polizei zwangsweise ein Brechmittel eingeflößt, um eventuell verschluckte Drogen herauszuholen. Er fiel ins Koma und starb.

HB BERLIN. In Bremen ist ein mutmaßlicher Drogenhändler nach einem missglückten Brechmitteleinsatz der Polizei ins Koma gefallen und zwei Wochen später gestorben. Der 35-Jährige starb laut Angaben der Staatsanwaltschaft am Freitagabend. Er soll jetzt von einem nicht aus Bremen kommenden Rechtsmediziner obduziert werden.

Dem mutmaßliche Drogenhändler wurde Ende Dezember nach einer Polizeikontrolle zwangsweise ein Brechmittel eingeflößt. Angeblich hatte der aus Sierra Leone stammende Mann vorher Drogenkügelchen verschluckt, um sie vor der Polizei zu verbergen.

Gegen den für die Gabe des Mittels verantwortlichen Arzt und einen zugezogenen Notarzt werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Bremens Innensenator Thomas Röwekamp (CDU) geriet nach Bekanntwerden des Falls in die Kritik - zum einen wegen seiner Äußerung, niemand sei gezwungen, Drogenkügelchen zu schlucken, zum anderen wegen seiner Informationspolitik. Nachdem der mutmaßliche Drogenhändler ins Koma gefallen war, hatte Röwekamp zunächst die Version verbreitet, eines der Drogenpäckcken sei im Magen geplatzt.

Ein Notarzt hatte allerdings zuvor die Diagnose gestellt, dass mit dem Brechmittel eingeflösstes Wasser in die Lungen gedrungen sei und der Mann so faktisch ertrunken sei. Die umstrittene Anwendung von Brechmitteln unter wurde in Bremen vorerst ausgesetzt.

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