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04.01.2007

10:38 Uhr

Erscheinungsjubiläum

„Der Spiegel“ feiert 60. Geburtstag

Ob er noch das „Sturmgeschütz der Demokratie“ ist, sei dahingestellt - sein Einfluss auf die deutsche Politik und Gesellschaft ist aber kaum zu bezweifeln: „Der Spiegel“ wird 60. Vor genau sechs Dekaden, am 4. Januar 1947, erschien die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins.

"Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein, mit einer Ausgabe seines Magazins aus dem Jahr 1993. Foto: dpa dpa

"Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein, mit einer Ausgabe seines Magazins aus dem Jahr 1993. Foto: dpa

HB HAMBURG. Die Geschichte dieses Blattes begann aber genau genommen schon im Sommer 1946 - mit der Gründung der Zeitschrift „Diese Woche“, aus der dann „Der Spiegel“ hervorging. Zunächst wurde das Magazin mit einer wöchentlichen Auflage von 15 000 Exemplaren in Hannover herausgegeben, Chefredakteur und Herausgeber war Rudolf Augstein. Der 1923 geborene, streitbare Journalist prägte das Blatt das folgende halbe Jahrhundert wie kein anderer.

Sein Selbstverständnis formulierte „Der Spiegel“ 1949 in seinem Statut, wonach alle veröffentlichten Nachrichten, Informationen und Tatsachen unbedingt zutreffen müssen und peinlichst genau nachzuprüfen sind. Da „Der Spiegel“ seinen Nachrichtengehalt in der Form der Story an den Leser heranträgt, sollen alle Geschichten zudem einen hohen menschlichen Bezug haben. Das gilt laut Verlag auch heute noch und zeigt sich beispielsweise in den typischen szenischen Einstiegen.

» FotostreckeSechs Dekaden „Spiegel“-Geschichte in Bildern

Bundesweite Bekanntheit erlangte „Der Spiegel“ 1950 mit dem Vorwurf, Bonn sei nur durch Bestechung von Abgeordneten zur vorläufigen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. Der Bundestag setzte daraufhin den so genannten „Spiegel“-Ausschuss ein, der die Behauptungen jedoch nie klären konnte.

Die 60er Jahre brachten für das inzwischen nach Hamburg umgezogene Magazin den Durchbruch. 1962 erschütterte die „Spiegel-Affäre“ die Republik. Mit der Begründung, das Blatt habe mit seiner Titelgeschichte „Bedingt abwehrbereit“ über ein Nato-Manöver Landesverrat begangen, besetzte die Polizei in einer Oktober-Nacht die Redaktions- und Verlagsräume. Der Herausgeber, der Verlagsdirektor und mehrere Redakteure wurden festgenommen und bis zu 103 Tage in Untersuchungshaft gehalten. Doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Das Magazin ging gestärkt aus der Affäre hervor und wurde gar als „Sturmgeschütz der Demokratie“ bezeichnet.

Meilensteine waren die großen Enthüllungsgeschichten der 80er Jahre. So war „Der Spiegel“ maßgeblich an der Aufdeckung der Flick-Affäre beteiligt, einem der größten politischen Skandale der Bundesrepublik. Auch enthüllte er die unsauberen Politikmethoden des damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel.

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