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14.08.2014

22:58 Uhr

Erschießung durch Polizei

FBI ermittelt im Fall des getöteten schwarzen Teenagers

Ein weißer Polizist erschießt in den USA einen schwarzen Jugendlichen. Tage später ist der Tathergang weiter unklar. Nun schalten sich US-Präsident Obama und das FBI ein. Wurde Michael Brown Opfer von Rassismus?

Fordern Aufklärung: Demonstranten in Ferguson Reuters

Fordern Aufklärung: Demonstranten in Ferguson

St. Louis Auch fünf Tage nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen schwarzen Jugendlichen in Ferguson, einem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ist noch immer unklar, was genau passiert ist.
Laut Behörden wurde der Polizist am Samstag von dem 18-jährigen Michael Brown im Zuge einer Auseinandersetzung in ein Polizeiauto gestoßen. Dort habe sich dann der zumindest erste Schuss gelöst. Bislang ist nicht einmal bekannt, wie viele Schüsse abgefeuert wurden. Den Namen des Polizisten halten die Behörden bislang unter Verschluss.

Augenzeugen sehen das etwas anders: Dorian Johnson (22), der mit dem Opfer am Samstag zusammen war, sagte, der Beamte habe Brown an der Kehle gepackt. „Get the fuck on the sidewalk“, habe der Polizist geschrien – Geh verdammt noch mal auf den Bürgersteig. Brown sei daraufhin weggerannt – mit erhobenen Händen. Dann seien die Schüsse gefallen.

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Es erinnert an den Fall des Teenagers Trayvon Martin 2012: In Missouri erschießt ein Beamter in einem Vorort einen schwarzen Jugendlichen – angeblich im Kampf. Die Öffentlichkeit will sich das nicht bieten lassen.

„Ich sah wie die Polizei ihn verfolgt hat, die Straße entlang und dann haben sie ihn niedergeschossen“, sagte Piaget Crenshaw dem Nachrichtensender CNN. Andere hatten berichtet, der Jugendliche habe sich kurz vor seinem Tod ergeben und die Hände in die Höhe gehalten. Brown sei unbewaffnet gewesen.

Augenzeugen berichteten darüber hinaus, dass nach der Tat die mit einem Tuch bedeckte Leiche über Stunden mitten auf der Straße liegengelassen wurde.

Browns Tod sorgt unterdessen weiter für Unruhen. In der Nacht auf Donnerstag zogen in Ferguson erneut Menschen auf die Straße. Dabei warfen einige Demonstranten laut Polizeiangaben Molotowcocktails. Die Polizisten setzten laut US-Medienberichten Tränengas und Rauchbomben ein, um die Demonstration aufzulösen. Augenzeugen sprachen von schwer bewaffneten Polizisten in Militäruniformen mit Schutzwesten, berichtete die Zeitung „St Louis Post-Dispatch“.

Wegen der anhaltenden Zusammenstöße hat der Gouverneur im Bundesstaat Missouri die örtliche Polizei in Ferguson abgezogen. Für die Sicherheit sei dort ab sofort die Polizei des Bundesstaates zuständig, sagte Gouverneur Jay Nixon am Donnerstag. Der Kommandowechsel solle ein milderes Vorgehen der Polizei einleiten und zur Deeskalation beitragen. „Dieser operative Wechsel wird allen Luft zum Atmen verschaffen“, sagte Nixon.

Die Bewohner der Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern, von denen etwa zwei drittel schwarz sind, fordern eine umfassende Aufklärung des Vorfalls, was US-Justizminister Eric Holder bereits versprochen hat. Doch da die Polizei den Namen des verantwortlichen Beamten zu dessen Schutz geheim hält, wird ihr vorgeworfen, den umstrittenen Fall verschleiern zu wollen. Demonstranten fordern die Bekanntgabe des Namens.

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